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Mittwoch, 1. Dezember 2021
Pierre Schlemihl führt durch Berlin
Hier in Gänze lesen
Mittwoch, 29. September 2021
Romantik im Doppelpack
Montag, 12. Juli 2021
Goldstaub für die Ohren
Sonntag, 27. Juni 2021
Spaziergänge durch Irmgard Keuns kunstseidenes Berlin - wieder ab Juli 2021!
Im fünften Band seiner Buchreihe "Literarische Schauplätze" hat Michael Bienert "Das kunstseidene Berlin" der Weimarer Republik vorgestellt (vbb 2020, 200 Seiten, 25 Euro), nun führt er nach langer Corona-Pause wieder durchs Berlin Irmgard Keuns.
Um Abstandsregeln einhalten zu können, ist die Teilnehmerzahl ist auf ca. 15 Personen begrenzt. Voranmeldung und Angabe von Kontaktdaten ist erforderlich unter: kunstseide@text-der-stadt.de
Der genaue Treffpunkt am Kurfürstendamm wird bei Anmeldung bekannt gegeben.
Preis pro Person: 8 Euro (keine Ermäßigungen).
Termine: Samstag, 10. Juli 2021, 14 Uhr; Freitag 16. Juli 2021, 16 Uhr; Samstag, 17. Juli, 14 Uhr
Donnerstag, 10. Juni 2021
Das romantische Berlin. Literarische Schauplätze
Im sechsten Band der Buchreihe Literarische Schauplätze wandert ein Stadtführer mit Siebenmeilenstiefeln durch das heutige Berlin. Er sucht nach sichtbaren Spuren der Romantik und fragt: Was hat es mit dem Kleisthaus und der Eichendorffgasse, mit dem Dorothea-Schlegel-Platz oder dem Humboldt Forum auf sich? Wo waren die Treffpunkte romantischer Netzwerke? Welche Orte inspirierten vor 200 Jahren zu verträumten oder frechen Texten über Berlin?
Auf dem romantisierenden Streifzug kommen viele Stimmen zu Wort: Bettine von Arnim und Rahel Varnhagen, Goethe und Schiller, Heine und Tieck, Kleist und Eichendorff, auch Durchreisende wie Napoleon, Stendhal und Germaine de Staël - und selbstverständlich Adelbert von Chamisso!
Das neue Buch von Michael Bienert erscheint im Oktober 2021 zusammen mit der 2. Auflage von E. T. A. Hoffmanns Berlin in gleicher Ausstattung.
Michael Bienert: Das romantische Berlin. Literarische Schauplätze, ca. 200 Seiten, ca. 200 Abbildungen Hardcover mit Schutzumschlag, Format: 21,0 x 22,5 cm, ISBN 978-3-96982-024-7, € 25,00
Montag, 31. Mai 2021
Das Schloss der Republik
Christian Walther: Des Kaisers Nachmieter, Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2021, 184 Seiten, 151 Abbildungen ISBN: 978-3-947215-28-7, 25 €
Montag, 29. März 2021
Bülowstraße 90 - ein neues Video und eine Dokumentation zu einem Haus mit bewegter Geschichte
Eine ausführliche Dokumentation zur Geschichte des Hauses steht hier kostenlos zum Download bereit:
Samstag, 6. März 2021
Eine neue Gedenktafel für Erich Kästner in Berlin
"An der Prager Straße 6-10 ... hängt ... eine Gedenktafel, die an Kästners Berliner Unterkunft erinnert. Doch Vorsicht! Zwei der Jahreszahlen auf der Tafel sind falsch", warnt Michael Bienert in seinem Buch "Kästners Berlin". In der 6. Auflage allerdings muss das revidiert werden, denn der Verein Aktives Museum hat sich dafür eingesetzt, dass die alte Tafel ausgetauscht wurde. Viel sichtbarer als bisher hängt sie seit ein paar Tagen unter dem Wandbild, das an das Cover des Romans "Emil und die Detektive" erinnert. Sehr passend, denn im Haus befindet sich eine Kita. Die neue Tafel gibt die Adresse und den Standort von Kästner Wohnung genau an, der Zeitpunkt seines Auszuges und das Erscheinungsjahr von "Emil und die Detektive" wurden korrigiert. Zwei Fotos von Heike Stange zeigen die erneuerte Tafel im März 2021 am neuen Standort, das Foto mit der Hausnummer 6 zeigt den alten Zustand und stammt aus dem Jahr 2020 (Archiv Michael Bienert).
Mittwoch, 16. Dezember 2020
Wahlberlinerin mit Courage – ein Frankfurter Buntbuch über Bettine von Arnim
Von Michael Bienert Sehr versteckt hängt im Haus der Kulturen der Welt eine der üblichen Berliner Gedenktafeln aus KPM-Porzellan zur Erinnerung an Bettine von Arnim. Sie wohnte ab 1847 bis zu ihrem Tod 1859 in einem verschwundenen Haus am Tiergartenrand mit der Adresse In den Zelten 5. Doch es gibt noch mehr verschwundene Adressen – nicht weniger als 16 Wohnorte Bettines in Berlin lassen sich nachweisen und weisen sein als Wahlberlinerin aus. Geboren in Frankfurt am Main, fühlte sie sich in der Geselligkeit der preußischen Hauptstadt wohler als in der Abgeschiedenheit von Schloss Wiepersdorf, wo ihr Mann, der Dichter Achim von Arnim, ein Gut bewirtschaftete – und wo Bettine begraben liegt.
Dass auch das Leben in der Hauptstadt idyllisch sein konnte, dokumentiert ein Brief der eben verheirateten Ehefrau aus der ersten gemeinsamen Wohnung des Paares in der Wilhelmstraße, adressiert an Goethe am 8. Mai 1811: „Ich wohne hier in einem Paradies! Die Nachtigallen schmettern in den Kastanienbäumen vor meinem Schlaffenster, und der Mond, der nimmer so hell geschienen, weckt mich mit vollen Strahlen (…): von morgens früh an gehe ich der Musik nach, und Arnim treibt seine eigenen Geschäfte; gegen Abend bearbeiten wir ein kleines Gärtgen hinter unserem Häuslein, das mitten in einem großen Garten steht; und nun! Philemon und Baucis konnten nicht ruhiger leben.“
Das Ehepaar hatte mehrere Kinder, lebte sich aber in den folgenden Jahren ziemlich auseinander. Die schöpferische Energie der musisch begabten und politisch interessierten Bettine drohte zwischen Erziehungs- und Hausarbeit zu ersticken. Erst als Arnim 1831 plötzlich an einem Schlaganfall starb, da war Bettine 45 Jahre alt, begann ihr Eigenleben als Schriftstellerin. Als Adlige ergriff sie in ihren Büchern Partei für die Benachteiligten, für die Selbstbestimmung der Frauen, für die politische Mitsprache der Bürger und Arbeiter, und versuchte dem preußischen König die Augen für die Not der Armen öffnen. Sie machte sich damit angreifbar und wurde bespitzelt, wie aus einem Geheimdienstbericht von 1847 über die Berliner Salons hervorgeht: „Die Tendenz der Teegesellschaften ist eine sozialistische, indem die Versammelten sich vorzugsweise über ein in Wesen und Form zu verbesserndes Lebens unterhalten und besprechen. Vorzüglich ist es das weibliche Geschlecht, das sich nach der Befreiung von den Fesseln des Herkommens, der Mode der Konvenienz sehnt. Unter allen Frauen dieser Art in Berlin, die einen öffentlichen Ruf genießen, ist Bettina von Arnim unstreitig die erste und bedeutendste. Daß ihre Abendzirkel den bezeichneten Charakter haben, ist hier allgemein und selbst dem Hofe bekannt.“
Sonja Hilzinger gibt in ihrem Frankfurter Buntbuch eine knappe, schön illustrierte Einführung in Leben und Werk, die das Moderne, das Unbequeme und Mutige in Bettines gelebtem Lebensentwurf unterstreicht.
Sonja Hilzinger: „Herzhaft in die Dornen der Zeit greifen…“ Bettine von Arnim in Berlin (1810-1859), Frankfurter Buntbuch 67, Verlag für Berlin-Brandenburg 2020, 32 Seiten, 23 Abbildungen, Broschur mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-947215-94-2, € 8,00.
Mittwoch, 11. November 2020
Mit Michael Bienert auf den Spuren von Irmgard Keun und Kästner in Berlin - ein Porträt
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| Michael Bienert. Foto: Leon Buchholz |
https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/berlin-literarisch-mit-michael-bienert-und-irmgard-keun-an-der-gedaechtniskirche-li.116798
Dienstag, 10. November 2020
Rockige Gedichte aus Friedenau
Mittwoch, 14. Oktober 2020
Das kunstseidene Berlin (2020, Making-of)
Mit der Kamera begleitet Leon Buchholz den Autor Michael Bienert in den letzten Tagen vor der Drucklegung seines neuen Buches "Das kunstseidene Berlin". Der Buchgestalter Ralph Gabriel und der Verleger André Förster sprechen über das Besondere der Buchreihe "Literarische Schauplätze", in der bereits Bücher über Erich Kästner, Bertolt Brecht, Alfred Döblin und E. T. A. Hoffmann erschienen sind. Nun folgt der Literaturdetektiv Michael Bienert in "Das kunstseidene Berlin" erstmals einer schreibenden Frau und ihren Figuren durch die Stadt. Neben den Schauplätzen des Romans "Das kunstseidene Mädchen" (1932) kommen viele unbekannte Berliner Orte in den Blick, die im Leben der Schriftstellerin Irmgard Keun (1905-1982) eine Rolle gespielt haben.
Mittwoch, 23. September 2020
Das kunstseidene Berlin. Irmgard Keuns literarische Schauplätze. Buch, Lesung, Stadtführungen
Mit Romanen über junge, selbstbewusste Frauen, die in der Gesellschaft der Weimarer Republik ihren Weg suchen, machte Irmgard Keun im Berlin der Weltwirtschaftskrise Furore. Die Nationalsozialisten verboten ihre Bücher und vertrieben sie ins Exil. Heute zählt Das kunstseidene Mädchen zu den Klassikern der Berlin-Literatur. Mit großem Sprachwitz schildert der Roman die Odyssee der minderjährigen Doris durch Bars und Betten, Mietskasernen und Luxuswohnungen, Kinos und Bahnhofswartesäle.
Michael Bienerts neues Buch Das kunstseidene Berlin stellt erstmals alle Schauplätze mit Fotos, Adressen und Dokumenten vor. In den Blick kommen auch die Kindheitsorte Irmgard Keuns, die in Charlottenburg geboren wurde und in Wilmersdorf zur Schule ging, ehe die Familie nach Köln umzog. Erzählt wird, wie Keun 1931 in Berlin einen Verlag fand, wie sie sich 1933 in einen „nichtarischen“ Charité-Arzt verliebte und versuchte, als unerwünschte Autorin im nationalsozialistischen Deutschland zu überleben. Unbekannte Briefe und Dokumente aus Archiven beleuchten ihre damalige Schreibsituation und ihre Kontakte nach Ost-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Entdeckungsreise auf den Spuren einer herausragenden Autorin der Moderne streift das Berlin der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, der NS-Zeit, der frühen DDR-Jahre – und verliert die Gegenwart nie aus dem Blick.
Das Buch erscheint Ende Oktober 2020. Weitere Infos und alle Veranstaltungstermine unter http://www.text-der-stadt.de/Das_kunstseidene_Berlin.html
Freitag, 24. Juli 2020
Berlin Alexanderplatz - Roman und Neuverfilmung
Wie sieht Berlin aus der Perspektive eines An-den-Rand-Gedrängten aus, wie fühlt es sich an, nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen zu können? Davon erzählt die Neuverfilmung von Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“, die in der Gegenwart spielt, aber der Geschichte von Franz Biberkopf treu bleibt. Von Michael Bienert. Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ macht es heutigen Leserinnen und Leser nicht leicht. In der literarisch inszenierten Vielstimmigkeit der Großstadt der Zwanzigerjahre die Übersicht zu behalten, ist schon schwer genug. Die Geschichte des Kleinkriminellen und Zuhälters Franz Biberkopf droht darin zu zerfasern. Dabei ist sie sehr exakt im damaligen Milieu und der Topographie um den Alexanderplatz verankert, ja man kann Biberkopfs Wegen sogar nachgehen. Doch der Charakter der Gegend und ihrer Bewohner hat sich völlig verändert: War das Scheunenviertel einst Synonym für Armut, Kriminalität, Prostitution, so ist es heute nur noch eine pittoreske Altstadtkulisse für Touristen, Nachtschwärmer und wohlhabende Besitzer von Eigentumswohnungen.
Unvertraut sind uns auch die (natur-)philosophischen Reflexionen Döblins, die in der Geschichte von Franz Biberkopf mitschwingen, sozusagen ihr metaphysischer Überbau. (Döblin hätte eher vom Unterbau gesprochen.) Die Interpretationen des vielschichtigen Romans gehen weit auseinander und vielfach laufen sie darauf hinaus, das ausufernde Werk in Teilen für genial, in anderen für unverständlich, verblasen, uninteressant oder kolportagehaft zu erklären. Die Komplexität eines 90 Jahre alten Avantgarde-Romans, der in einer verschwundenen Stadt in einem ausgelöschten Milieu spielt, ist nicht verfilmbar, das haben der Regisseur Burhan Qurbani und sein Co-Drehbuchautor Martin Behnke erkannt. Sie haben eine klare Konsequenz daraus gezogen. Der Film konzentriert sich voll und ganz darauf, die Geschichte von Franz Biberkopf in unsere Gegenwart zu übersetzen. Anders als der sperrige Roman kommt die Verfilmung dem Publikum weit entgegen: mit einer Handlung, die im heutigen Berlin spielt, mit einem farbigen Francis B., der sich als illegaler Einwanderer aus Afrika in der Unterwelt Berlins durchschlägt, mit einer schlanken Dramaturgie und streckenweisen opulenten Filmästhetik.
Aber der Film verrät die Vorlage damit nicht, im Gegenteil. Zwar bleibt die Komplexität der großen Stadt, von der Döblins Stadtsprachencollage erzählt, außen vor. Dafür wird die Geschichte von Franz Biberkopf hier überraschend durchsichtig – auch auf Intentionen des Autors hin. Döblin wollte den Blick des bürgerlichen Lesepublikums auf einen Mann vom Rand der Gesellschaft lenken, der dazu gehören möchte: „Ick will anständig sein.“ Der aus der Haftanstalt Tegel entlassene Biberkopf wird von dem Milieu, aus dem er stammt, sofort wieder aufgesogen, rutscht in die Kriminalität ab. Im Film schwört der dem Tod im Mittelmeer entkommene Francis, fortan gut zu sein, er scheitert mit diesem Vorsatz jedoch immer wieder in Milieus, in denen das Gesetz des Stärkeren und gnadenlose Ausbeutung herrschen. Was für den alten Franz Biberkopf das Scheunenviertel war, wird für den neuen das Drogendealermilieu in der Hasenheide. Es fängt ihn auf, als er seinen ersten Job als illegaler Arbeiter auf einer Berliner U-Bahn-Baustelle verliert, nachdem er einen verletzten Kollegen in ärztliche Behandlung gegeben hat, statt den Unfall zu vertuschen.
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Montag, 6. Juli 2020
Mit John Heartfield durch Berlin - ein Sommerstreifzug
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| John-Heartfield-Ausstellung in der Akademie der Künste |
Das Adressbuch „Künstlerspuren“ von Detlef Lorenz nennt als Ort der Beinahe-Verhaftung das Haus Bleibtreustraße 7, am S-Bahnhof Savignyplatz gleich neben der Stadtbahn. Die alten Berliner Adressbücher verzeichnen keinen Heartfield oder Herzfeld, wie er bürgerlich hieß, nur den Bruder und Malik-Verleger Wieland Herzfelde, der am Kurfürstendamm 76 wohnte. In der Bleibtreustraße 7 gab es mehrere Künstlerateliers und einen Friseur – das alles passt schon.
Heute erinnern fünf Stolpersteine vor dem Haus an die Familie des Diamantenhändlers Abraham Wysniak, dessen Frau Dvora und Tochter Asta im Warschauer Ghetto starben. An der Bleibtreustraße 15 hängen Gedenktafeln für den 1933 vertriebenen Kunsthändler Alfred Flechtheim und die Schauspielerin Tilla Durieux. Und an der Nummer 10/11 gibt es den Hinweis auf die „alte Wunde, unvernarbt“ Mascha Kalékos, die 1974 in ihrem Gedicht „Bleibtreu heißt die Straße“ schrieb: „Hier war mein Glück zu Hause. Und meine Not. / Hier kam mein Kind zur Welt. / Und mußte fort. / Hier besuchten mich meine Freunde / Und die Gestapo.“ Eine Gedenktafel für John Heartfield würde die Betextung der Bleibtreustraße gut ergänzen. Weiterlesen
Mittwoch, 8. Januar 2020
Vom Bauhaus nach Haselhorst: Buchvorstellung und Besichtigung der Museumswohnung in Haselhorst am 22. Januar 2010
Der ungarisch-jüdische Architekt Fred Forbat plante ab 1930 den Bau von 1.200 Wohnungen in der Reichsforschungssiedlung Haselhorst. Jetzt hat das Bauhaus-Archiv Forbats „Erinnerungen eines Architekten aus vier Ländern“ publiziert. Die Herausgeberin Sibylle Hoiman stellt das Buch im Dialog mit dem Kulturhistoriker Michael Bienert in der Stadtteilbibliothek Haselhorst vor (Gartenfelder Straße 104, 13559 Berlin). Der Eintritt ist frei, Anmeldung bitte unter: g.lex@ba-spandau.berlin.de, Fon: 030 90279-8693Zuvor besteht Gelegenheit, die im Stil der Bauzeit eingerichtete Museumswohnung Haselhorst im Forbat-Block der Reichsforschungssiedlung zu besichtigen (16.30 Uhr bis 17.45 Uhr, Burscheider Weg 21, 13559 Berlin, Eintritt frei).
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Brandenburg in Berlin - Das Projekt "Stadt-Land gestalten"
Die Stelen sind eine Ergebnis des Projekts "Stadt-Land gestalten" der Brandenburgischen Architektenkammer. Sie will die Baukultur in den ländlichen Räumen Brandenburgs fördern und wird dabei vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung unterstützt. Mit einer Freiluftausstellung, Workshops und einer Publikation werden die Bürgerinnen und Bürger miteinander ins Gespräch gebracht, die Stärken und Ziele einer Gemeinde identifiziert.
Seit 2015 werden so jährlich kooperativ Grundlagen für gutes Planen und Bauen erarbeitet. Dieses Jahr kam Falkenberg in den Genuss des Coaching-Programms, so wie bisher schon Plaue (Brandenburg/Havel), Letschin (Oderbruch), die Gemeinde Kloster Lehnin und das Amt Unterspreewald. 2020 ist das Amt Lenzen/Elbtalaue dran.
Dem in weiten Teilen Brandenburgs verbreiteten Gefühl, "abgehängt" zu sein und von "der Politik" nicht gehört zu werden, soll so begegnet werden. Stattdessen werden die Bürgerinnen und Bürger zum Mitgestalten motiviert.
Mehr Infos: https://www.ak-brandenburg.de/content/stadt-land-gestalten-mach-mit. Inhaltlich und organisatorisch betreut wird das Projekt von [BEST] - projekte für baukultur und stadt von Nicola Bröcker, Celina Kress und Simone Oelker (www.best-bb.de).
Montag, 30. September 2019
Das Erbe der Diktaturen - Ines Geipels "Umkämpfte Zone"
Ines Geipel trägt als Autorin ein schweres Gepäck. Beide Großväter waren tief in Naziverbrechen verstrickt, der Vater arbeitete als Agent für die DDR-Staatsicherheit und tobte seine Aggressionen an den eigenen Kindern aus. Die Tochter wurde berühmt als DDR-Topsprinterin, ohne ihr Wissen mit Dopingmitteln vollgepumpt und von der Stasi brutal aus dem Spiel genommen, als sie sich in einen Athleten aus dem Westen verliebte. Kurz vor dem Mauerfall floh sie über Ungarn in die Bundesrepublik, wurde Schriftstellerin und Professorin für Verslehre an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin. Mit Joachim Walther sammelte Ines Geipel Texte von in der DDR mundtot gemachten Autoren in einem Archiv für unterdrückte Literatur, dafür wurde sie 2011 mit dem Antiquaria-Preis geehrt.
Dem Verschwiegenen eine Stimme geben, dieses Motiv zieht sich auch durch ihr neues Buch. Auslöser war der Krebstod des jüngeren Bruders. Berührend schildert die Autorin, was die Geschwister so eng aneinander band. Als Kinder gaben sie sich gegenseitig Halt in der stummen Gewaltatmosphäre der Familie: „Was nicht greifbar sein sollte, was wir sichern mussten, brachten wir beim andern unter. Dort war es geschützt und konnte überdauern.“ Umso schmerzhafter war der Abschied vor dem Bruder, der geholfen hatte, dem familiären Anpassungsdruck zu widerstehen.
Ines Geipel malt den Familienterror nicht aus. Sie bettet ihn in einen weiten geschichtlichen Kontext ein. Sie deckt die Schuldverstrickung der Großelterngeneration auf, die in der DDR weitgehend unaufgearbeitet blieb. Es gab zwar einen staatlich verordneten Antifaschismus und Erinnerungsrituale, doch in den Familien wurden die konkreten Charakterdeformationen durch die NS-Diktatur beschwiegen und unter der kommunistischen Parteiherrschaft zementiert. Dreißig Jahre nach dem Untergang des SED-Staates zeigt sich das in einer explosiven Mischung aus Geschichtsverleugnung und Radikalisierung, die vom Osten ausgehend das gesamte politische System der Bundesrepublik erschüttert.
Ines Geipel nutzt die eigene Familiengeschichte als Schlüssel für das Unerzählte, das politisch derart mächtig geworden ist. Eine wagemutige Konstruktion. Doch sie erweist sich als belastbar. Aus schwerem Gepäck wird eine erhellende Erzählung.
Ines Geipel: Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass.
Klett-Cotta, Stuttgart 2019, 280 Seiten, 20 Euro
Dienstag, 27. November 2018
Eine Revolutionärin botanisiert. Rosa Luxemburgs Herbarium als Faksimile
Weggesperrt während des Ersten Weltkriegs kratzte Rosa Luxemburg Unkraut auf gepflasterten Gefängnishöfen für ihre Sammlung und ließ sich von Freundinnen gepresste Pflanzen schicken. Wunderbarerweise tauchten 17 Hefte ihres Herbariums 2009 in Warschau wieder auf, als der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos nach DNA-Spuren von Rosa Luxemburg fahndete. Es sind anrührende Lebenszeugnisse: "18. 9. 15 in die Zelle hereingeweht vom Wind aus dem Lazaretthof" steht gut leserlich neben fünf sternförmig arrangierten Ulmenblättern. Im Lazaretthof des "Weitergefängnisses" in der Berliner Barnimstraße habe sie "jeden Tag irgendeine kleine botanische oder zoologische Entdeckung" machen können, schreibt Rosa Luxemburg fast wehmütig aus dem Breslauer Knast am 2. August 1917 an Sophie Liebknecht. Die Frau des Politikers Karl Liebknecht schickte Pflanzen aus dem Botanischen Garten in Dahlem, einem der Lieblingsorte Rosa Luxemburgs in Berlin.
Im Herbarium erhalten blieben auch Blätter einer Bohnenpflanze, die sie 1918 im Breslauer Strafgefängnis in einem Topf zog. "Es ist ein großer Strauch mit ganz gewaltigen Bohnen geworden", schreibt Rosa Luxemburg stolz an Clara Zetkin; in den Herbariums-Heften heißt es: "Hat 8 grosse Schoten gebracht."
Im Faksimile des Herbariums zu blättern, ist in diesen novembergrauen Tagen ein wahrer Augen- und Seelentrost. Die zahlreichen Briefstellen aus den Jahren 1915 bis 1918, die sich aufs Botanisieren beziehen, sind im Anhang abgedruckt. Ein perfektes Verschenkbuch zu Weihnachten, so kurz vor dem 100. Todestag Rosa Luxemburgs.
Rosa Luxemburg
Herbarium
Herausgegeben von Evelin Wittich.
Mit einer Einleitung und einer Auswahl an Briefen von Holger Polin.
Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2016
416 Seiten, gebunden, 39,90 Euro
ISBN 978-3-320-02325-6
Dienstag, 30. Oktober 2018
Wo bitte gehts zur Revolution? Zwei Neuerscheinungen zu Berliner Schauplätzen im Winter 1918/19
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| Revolutionäre vor dem Brandenburger Tor, 1918 |





















