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Montag, 22. Dezember 2025

Die Ausstellung "Das Romanische Café" bleibt auch 2026 geöffnet

 

Die Ausstellung "Das Romanische Café im Berlin der 1920er-Jahre" hat seit Anfang 2024 über 45.000 Besucherinnen und Besucher angezogen - und wird jetzt zum wiederholten Mal verlängert. Auch 2026 wird sie im Berliner Europa-Center zu sehen sein, mangels öffentlicher Förderung ist sie allerdings nur freitags und samstag von 13 bis 18 Uhr geöffnet und wird in dieser Zeit von Ehrenamtlichen betreut. Außerdem gibt es weiterhin Lesungen, Konzerte und Diskussionsveranstaltungen, auch Führungen außerhalb der Öffnungszeiten sind möglich. Für den Unterhalt bleibt das Ausstellungsprojekt auf Spenden angewiesen. Mehr Infos unter: romanisches-cafe.berlin

Freitag, 15. August 2025

Wolkenbilder und Sprachexpression - Der Poet Paul Gurk im Wedding (Ausstellung)

Von Elke Linda Buchholz - Zu viele Eindrücke, zu viele Worte, zu viel Gefühl: In Paul Gurks Romanen herrscht Überdruck, auch in seinem 350-Seiten-Werk „Berlin“, dem heute bekanntesten und am meisten rezipierten Roman. Der Vielschreiber mit Wohnsitz im Wedding hinterließ über 40 Dramen, 30 Romane, dazu Fabeln, Gedichte und andere Textsorten, so genau weiß das wohl niemand zu überblicken. Vieles wurde nie veröffentlicht, ging verloren im Literaturbetrieb der wechselnden Zeiten. Sein immer wieder sich einstellender Misserfolg wurde für Gurk zur Gewohnheit, er empfand sich sowieso als aus der Zeit gefallen. Ein Einzelgänger, den es in der Metropole hielt, obgleich er sich hier nie zu Hause fühlte. Geboren wurde er in Frankfurt an der Oder. Der renommierte Kleist-Preis 1921 macht den über 40jährigen schlagartig berühmt, aber nicht auf Dauer.

In der Ausstellung „Flucht ins Innere. Der Künstler Paul Gurk in der NS-Diktatur“ kann man hineinblättern in ein Dutzend seiner literarischen Arbeiten. Ist ein Autor vergessen, wenn immer wieder einzelne Werke aufgelegt werden? Etwa zum 100. Todestag 1980 kam es dazu und auch jetzt in einer vom Arco-Verlag gestarteten Neuedition, die auf 15 Bände anwachsen soll. Gurks Themenspektrum reicht vom legendären Berliner Berufsverbrecherduo Gebrüder Sass bis zum Luther-Gegenspieler Thomas Müntzer, von Goya bis zu Judas. Wer sich festliest, erweitert in der winzigen Einraum-Ausstellung schnell seinen Horizont. Denn rasch zu fassen ist dieser Autor nicht. Zumal er eben auch Maler war und von Jugend an Musik komponierte. Ein Das Mitte Museum in der Pankstraße nahe Gesundbrunnen nimmt zum Anlass, dass es einiges Nachgelassene von Paul Gurk bewahrt. Anderes liegt in der Akademie der Künste, im Literaturarchiv Marbach, in der Berlinischen Galerie.

„Ich bin Berlin, die große Stadt, aller Laster und Lüste voll“: Die expressionistische Emphase in Gurks Texten fühlt sich heute leicht angestaubt an. Schon als sein Berlin-Roman mit dem Untertitel „Ein Buch vom Sterben der Seele“ 1934 endlich erschien, kam das ein Jahrzehnt zuvor verfasste Buch zu spät. Längst hatten andere, wie Alfred Döblin mit seinem sprachexperimentellen „Berlin Alexanderplatz“ oder Walter Ruttmann mit seiner gefilmten „Symphonie einer Großstadt“ das Feld der Metropolenerfahrung und Großstadtdarstellung moderner beackert. In Gurks literarischen Figuren wie dem ergrauten Büchertrödler Eckenpenn, der schamhaft errötend ein blaues Bändchen mit seinen eigenen Gedichten an junge Mädchen weitergibt, oder dem gegen Dauermüdigkeit ankämpfenden Nachtwächter Ulenhorst in „Ein ganz gewöhnlicher Mensch“ spiegelt der Autor sich selbst. Diesen Kiezroman siedelte er im Wedding an, wo er selber seit 1936 wohnte. Afrikanische Straße 144b, da hängt eine bronzene Gedenktafel, die nichts über den berühmt-vergessenen Bewohner erzählt. Auch die endlos sich reihenden Häuserzeilen der ab 1929 errichteten, neusachlichen Großsiedlung sind gesichtslos. Aber auf die uralte Robinie gegenüber der Haustür fiel wohl schon zu Gurks Zeiten sein Blick, wenn er hinaustrat.

Kurator Jonas Hartmann legt sein Augenmerk vor allem auf diese Jahre unter dem NS-Regime. Er stellt zur Diskussion, ob Gurk tatsächlich als Innerer Emigrant gelten kann, wie er sich selbst nach 1945 darstellte. Zwiespältig bleibt die Antwort auf diese Frage, so wie vieles an dem Autor und Maler. Gurk konnte weiter publizieren, sandte aber andrerseits in Werken wie seinem dystopischen Text „TUZUP 37“ (1935) anti-totalitäre Signale.

In Gurks Aquarellen wird es plötzlich still. Nahezu täglich soll er die handlichen Formate in den Jahren nach Hitlers Amtsantritt verfertigt haben, gern im nahen Volkspark Rehberge. Es sind Notate ohne jeden Bezug zum Politischen, auch sie aus der Zeit gefallen. Kein Mensch ist zu sehen. Die Großstadt klemmt einen als enge Häuserflucht klaustrophobisch ein. Oder sie rückt lieber ganz weit weg an den Horizont. Säuberlich notierte Gurk mit Bleistift am Rand die Uhrzeit und Wetterlage. „3 Grad, sehr windig, später Graupel“: das war am 2. Januar 1938. Ein doppelt roter Streifen zwischen den Wolkenbändern glimmt. Auch wenn immer wieder die Sonne aufgeht in Gurks Bildern: Sie bleiben düster, die Himmel über Berlin. Begraben liegt der Künstler nicht weit von seiner letzten Wohnung. Sein Platz auf dem Friedhof an der Müllerstraße ist es seit 2009 kein Ehrengrab mehr.

Mitte Museum
Pankstraße 47
Berlin-Wedding
Bis 2.11.2025


Sonntag-Freitag 10-18 Uhr, Samstag geschlossen
Eintritt frei

Montag, 5. Februar 2024

Weltkulturerbe in der Erich-Weinert-Straße (Video)

Foto: Dagmar Lembke

Michael Bienert spaziert mit dem rbb-Moderator Andreas Jacob durch die Wohnsiedlung "Carl Legien" von Bruno Taut. Den Beitrag aus dem rbb-Heimatjournal vom 3. 2. 2024 kann man hier anschauen: https://www.rbb-online.de/heimatjournal/videos/weltkulturerbe-in-der-erich-weinert-strasse.html

Donnerstag, 25. Januar 2024

Das Romanische Café - Ausstellung bis 31. Januar 2025 im Europa Center

 Welcome back! Seit dem 6. Januar ist die Ausstellung über den berühmtesten Berliner Künstlertreffpunkt der 1920er-Jahre geöffnet, am Originalschauplatz, dort wo heute das Europa Center steht. Finanziert von der Bundeszentrale für politische Bildung hat das kleine Ausstellungsteam um Katja Baumeister-Frenzel zwei Jahre intensiv daran gearbeitet, einen Erinnerungsort für die Kultur des "Neuen Westens" zu schaffen. Viele Neues ist dabei ans Licht gekommen über die (Um-)Baugeschichte des Romanischen Cafés und die Schicksale seiner Besucher, präsentiert mit Objekten aus seiner Glanzzeit, Fotos, Filmausschnitten. Ein Höhepunkt ist die 3-D-Rekonstruktion des Lokals durch Jan Schneider, die an ausgewählten Tagen auch mit 3-D-Brille erfahrbar sein wird. Mehr Informationen unter romanisches-cafe.berlin

Freitag, 6. Januar 2023

Melancholie der Provinz - "Gelbes Gold" an der Vagantenbühne

Von Michael Bienert - Gelbes Gold – danach fischt der Pommesbudenbesitzer Fritz seit 20 Jahren in seiner Friteuse. Doch die ersehnten Pommestouristen aus der weiten Welt bleiben aus, statt dessen schmilzt die allzu bekannte Stammkundschaft dahin. Denn das Plattenbauviertel an der Autobahn, in dem die Bude steht, wird abgerissen. So verliert Fritz seine bezahlbare Wohnung und auch sein Imbiss wird nach einer anonymen Anzeige vom Gesundheitsamt geschlossen. 

In diese trostlose Szenerie platzt Ana herein, die Tochter von Fritz. In der fernen Großstadt, wo sie studiert, ist sie nie richtig angekommen. Statt nun ihre Abschlussprüfung zu schreiben, lungert sie heimwehkrank dort herum, wo sie aufgewachsen ist. Und merkt, dass sie nicht mehr dazu gehört. Ihre Schulfreundin Juli wollte auch weg, hat aber den Absprung nicht geschafft und arbeitet als Kindergärtnerin in dem schrumpfenden Plattenbauviertel. Bis sie wegen ihres promiskuitiven Lebenswandels gekündigt wird. Dann ist da noch Mimi, seit 15 Jahren Aushilfskraft in der Imbissbude und Lebensgefährtin von Fritz. Sie strampelt sich frei, findet erst eine Anstellung in einem Blumenladen mit Laufkundschaft, später noch einen besseren Job und einen anderen Mann. 

Das Verstricktsein in die soziale Herkunft und die Sehnsucht nach einem neuen Leben, Bindung an ein Milieu und wachsende Entfremdung - das sind die Pole, um die Fabienne Dürs Vierpersonenstück "Gelbes Gold" kreist. Gnadenlos und empfindsam, die Figuren durchaus karikierend, aber nie denunzierend. Die Inszenierung von Bettina Rehm auf der kleinen Vaganten Bühne findet dafür den richtigen Ton. Sie kommt mit wenigen charakteristischen Requisiten und Kostümen (Clara Wanke) aus. Die Figuren gewinnen im Verlauf der eineinhalbstündigen Aufführung an Farbe und Individualität: Felix Theissen als alternder Gastronom, der sich an seinen längst gescheiterten Lebenstraum festklammert; Hannah von Theissen als Lebensgefährtin Mimi, die den Absprung vom sinkenden Boot schafft und dabei beachtliche Energien entwickelt; Sibylle Gogg als Juli, die ziellos ihre Ehe und ihre berufliche Existenz zerstört, bis sie frei ist; und Sarah Maria Sander als melancholische Ana, die nicht mehr weiß, wohin sie gehört. Kein aufmunternder und tröstlicher, aber in sich rundum stimmiger Theaterabend, der sich ironisch-liebevoll an den Nöten von Durchschnittsmenschen aus der Provinz abarbeitet. (© Michael Bienert / 6. Januar 2023)

Aufführungstermine und weitere Informationen            

Montag, 31. Januar 2022

Neues Video: Der Wohnpalast am Ostseeplatz und seine Geheimnisse


 

Das verborgene Museum - Nachruf und Ausblick

Ausstellungsraum im Verborgenen Museum (Wikimedia)

Von Elke Linda Buchholz - Wo gab es das sonst? Das spezielle farbige Leuchten in den Landschaften der Expressionistin Ilse Heller-Lazard, der scharfe Blick der Fotoreporterin Inge Morath oder der Witz in den winzigen Gesellschaftsszenen der Malerin Mathilde Tardif: im Verborgenen Museum gab es jedesmal etwas Besonderes, meist noch nie Gesehenes zu entdecken. Versteckt im Hinterhof der Charlottenburger Schlüterstraße 70 nistete die Institution auf 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Aber nicht wegen seiner Lage hieß das Verborgene Museum so. Alles begann mit einem Paukenschlag, 35 Jahre ist das her.

Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 holte eine Projektgruppe um die Künstlerinnen Evelyn Kuwertz und Gisela Breitling das Strandgut der weiblichen Kunstgeschichte aus den Museumsdepots der Hauptstadt. In der Akademie der Künste am Hanseatenweg wurde ausgepackt. Beim Durchforsten der Bestände von Gemäldegalerie, Bauhaus-Archiv, Brücke-Museum und anderen war man auf 600 Werke von Frauen aus fünf Jahrhunderten gestoßen. Nahezu völlig vergessen. Eine fatale Amnesie. Die Schau „Das Verborgene Museum“ rückte rund 150 Exponate ins Licht. Mokant witzelte die Kritik über die „Fleißarbeit“ der „Damenriege“, aber es gab auch Anerkennung für das Ende der weiblichen Bescheidenheit. 

Als gemeinnütziger Verein organisiert blieben die Initiatorinnen dran an ihrem Thema. Fortan richtete sich der Fokus auf einzelne Künstlerinnen, vornehmlich der Moderne. Ausstellung folgte auf Ausstellung, Katalog auf Katalog. Mit geringen Mitteln, viel ehrenamtlichem Engagement und immer wieder neu beantragten Projektfinanzierungen etablierte sich ein weltweit einzigartiges Museum: Anlaufstelle für Interessierte, Knotenpunkt für Netzwerkerinnen und Auffanglager für weibliche Kunst. Die langjährige Chefkuratorin Marion Beckers und Elisabeth Moortgat aus dem Vorstand bewiesen enorme Hartnäckigkeit. Vielfach glich die Wiederentdeckung vergessener Namen einer Detektivrecherche. Werke wurden in Privatsammlungen, Depots und Nachlässen aufgespürt, verwischte Lebensspuren rekonstruiert. Etwa bei Künstlerinnen jüdischer Herkunft, die durch Exil und Verfolgung zusätzlich in Vergessenheit gerieten.

Dienstag, 14. Dezember 2021

Wacher Geist, lockerer Pinsel

A. D. Therbusch: Henriette Herz, 1778
Die Gemäldegalerie zeigt die großartige Berliner Malerin Anna Dorothea Therbusch zwischen Rokoko und Aufklärung 

Von Elke Linda Buchholz - Beruf Künstlerin? Für eine Frau des 18. Jahrhunderts war das keine Option. Schon gar nicht für eine Gastwirtsgattin im Berlin zwischen friederizianischem Rokoko und bürgerlicher Aufklärung. Anna Dorothea Therbusch hat es trotzdem geschafft. Wie? Mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen, stupendem Ehrgeiz und hinreißendem künstlerischen Talent biss sie sich durch. In den 1770er Jahren gehörte Therbusch zu den wichtigsten Akteuren in der Kunstszene der preußischen Hauptstadt. Adel und Bürgerliche saßen ihr Modell. Der arrivierte Daniel Chodowiecki, selbst vor allem als Grafiker gefragt, schwärmte nach einem Atelierbesuch von ihren „ganz herrlichen“ Porträts. Weiterlesen

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Berlin in der Krise (1929-1933) - Literarische Expeditionen zum Nachhören

Auf der berlinhistoryapp ist seit Kurzem ein literarischer Audioguide ins Berlin der Weltwirtschaftskrise verfügbar. Die 22 Hörstationen sind bestückt mit Texten u. a. von Irmgard Keun, Erich Kästner, Marieluise Fleißer, Gabriele Tergit, Hans Fallada, Wolfgang Koeppen und Siegfried Kracauer. Ein Projekt des Vereins Aktives Museum in Zusammenarbeit mit Michael Bienert.

Zugang: Einfach die kostenlose berlinhistoryapp aufs Handy laden und den Layer "Aktives Museum" wählen.

Pierre Schlemihl führt durch Berlin

"Anstatt die Romantik aus historischer Perspektive aufzurollen, geht Bienert von den Orten, den oft noch vorhandenen Schauplätzen aus, die Geschichte und Geschichten erzählen. So nimmt er seine Leser mit zum Goethedenkmal im Tiergarten, Symbol des Kults um den Dichter, in die Jägerstraße, wo Wilhelm und Alexander von Humboldt aufwuchsen und später, zusammen mit anderen in der Dachstube Rahel Varnhagens zu Gast waren. Er wirft auch einen Blick auf die Charité, die damals aus dem Pflegenotstand heraus Prostituierte als Krankenschwestern rekrutierte, und auf den Monbijouplatz, wo Bettine und Achim von Arnim inmitten von Rosen und Jasmin ihre heimliche Hochzeitsnacht verbrachten. Dass Bienert dazu den fiktiven Stadtführer Pierre Schlemihl einführt, wäre gar nicht nötig gewesen. Auch so folgt man dem Autor gern überallhin und könnte bei der Lektüre völlig abtauchen in das damalige Lebensgefühl, würde das Buch nicht auch die heutige Stadt in den Blick nehmen", schreibt Ulrike Wiebrecht im Tagesspiegel über das neueste Buch des Webmasters.
Hier in Gänze lesen



Samstag, 23. Oktober 2021

Magische Spiegelungen - Johann Erdmann Hummel in der Alten Nationalgalerie

Spieglein, Spieglein an der Wand: Niemand hat im frühen 19. Jahrhundert vertracktere Licht- und Schattenspiele in verspiegelten Bildräumen konstruiert als der Berliner Malerprofessor Hummel. Die Berliner Nationalgalerie feiert ihn als magischen Realisten, hundert Jahre vor dem Triumphzug der Neuen Sachlichkeit. 

Von Michael Bienert.  Als der Maler Johann Erdmann Hummel im Frühjahr 1799 nach einem siebenjährigen Studienaufenthalt in Italien in seine Heimatstadt Kassel zurückkehrte, wurde er nicht mit offenen Armen empfangen. Um sich als Hofmaler zu empfehlen, arbeitete er an einem großformatigen Bild, das die Gegend um Schloss Wilhelmshöhe als ideale Parklandschaft darstellte. Hirten, Bürger und Adelige bevölkern das Panorama, in dem eine tief stehende Nachmittagssonne die hügelige Landschaft besonders plastisch erscheinen lässt und der Herkules am Horizont im blauen Dunst verschwimmt. Doch das mit größter Raffinesse komponierte und filigran gemalte Bild mochte der Landgraf von Hessel-Kassel nicht ankaufen. Erst 1968 wurde es für die Kasseler Kunstsammlungen erworben.

Recht unauffällig hängt dieses Hauptwerk der Kasseler Zeit nun in der Alten Nationalgalerie in Berlin, die Hummel die erste große Retrospektive seit fast 100 Jahren widmet. Der Fokus liegt hier auf der Entwicklung, die Hummel nach dem Abschied von seiner Heimatstadt in Preußen genommen hat. Mit Anfang Dreißig kam er nach Berlin, ein halbes Jahrhundert lebte, arbeitete und lehrte Hummel an der Spree, ehe er 1852 hochbetagt mit 83 Jahren starb. Er war demnach ein Zeitgenosse Caspar David Friedrichs, dessen Ikonen romantischer Malerei – wie der „Mönch am Meer“ und die „Abtei am Eichwald“ – im Oberlichtsaal nebenan das Publikum fesseln. Beide Maler erregten im frühen 19. Jahrhundert maximales Aufsehen in den Kunstausstellungen, die die Berliner Akademie regelmäßig ausrichtete. Doch anders als dem Popstar Caspar David Friedrich war Hummel postum nur bescheidener Ruhm beschieden. 

Dass Hummel heute in Berlin überhaupt noch einen Namen hat, verdankt sich vor allem einem einzigen Motiv. Als Maler begleitete Hummel um 1830 den Entstehungsprozeß der riesigen Granitschale, die vor Schinkels Altem Museum im Lustgarten steht. Die 75 Tonnen schwere Riesenschüssel aus märkischem Granit galt seinerzeit als kunsthandwerklich-technologisches Weltwunder und vaterländisches Symbol. Hummel schuf mehrere Bilder, in denen der Koloss im Mittelpunkt steht. Auf seiner berühmtesten Stadtansicht spiegeln sich Spaziergänger, Lustgarten und Schloss in der auf Hochglanz polierten Oberfläche der Schale. So unverrückbar wie der Trumms auf der Museumsinsel steht, so unverzichtbar schmückt dieses Gemälde Hummels die Dauerpräsentation von Berliner Malerei des 19. Jahrhunderts in der Nationalgalerie. Ein One-Hit-Wonder, welches fast das gesamte übrige Oeuvre Hummels in den Schatten stellt. Weiterlesen auf www.text-der-stadt.de/Hummel.html

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Der Romantiker als Expressionist

Carl Blechen, Vorfrühling Villa Borghese, 1829
Wie Max Liebermann Carl Blechen kuratierte: Eine Ausstellung in der Liebermannvilla verfolgt Blechens Rezeption bis in die NS-Zeit. 

Von Elke Linda Buchholz. ︎ Kein anderer Zeitgenosse ließ das Licht so heftig und ungebremst strahlen wie Carl Blechen in seinen Mini-Ölskizzen aus Italien. Kaum postkartengroß sind die Formate bisweilen. Dafür steckt die Intensität des erlebten Moments drin. Sonne pur! Auf ockerfarbenen Felsen, auf Blattwerk, auf dem Rasen vor der Villa Borghese, die winzig klein zur Randerscheinung wird. Da hat ein eigensinniger Maler hingeschaut und umgesetzt, was er sah. Genau das faszinierte Max Liebermann. Er fand, Blechen sei damit „das Einfachste und daher Schwerste“ gelungen. Weiterlesen

Montag, 18. Oktober 2021

Die Chamisso-Gesellschaft - bald in Berlin?

Das Literaturhaus Berlin
 
Am 20. November 2021 tagt die Mitgliederversammlung der Chamisso-Gesellschaft im Literaturhaus Berlin. Bisher hat die Gesellschaft ihren Sitz in Kunersdorf, nun steht eine Verlegung in die Hauptstadt zur Abstimmung. Die Leitung des Literaturhauses hat Bereitschaft signalisiert, künftig als Sitz der Gesellschaft zu fungieren. Auf der Tagungsordnung stehen auch weitere Satzungsänderungen, insbesondere eine gemeinsame Trägerschaft zur Verleihung des Chamisso-Literaturpreises Hellerau/Dresden mit dem Verein "Bildung und Gesellschaft e. V." Dresden.

Freitag, 1. Oktober 2021

Neues Video: Wie weit ist es von der WATERKANT BERLIN bis zur Ostsee?

 

Spandau mit dem Rad erkunden: Berlin-Historiker Michael Bienert setzt sich den Schutzhelm auf, schwingt sich aufs Rad und erkundet die explosive Vergangenheit des ältesten Bezirks der Hauptstadt.

Die unvollendete Metropole - jetzt in Oberschöneweide wiedereröffnet

Der 100. Geburtstag von Groß-Berlin im vergangenen Jahr war der Anlass für eine große Ausstellung zur Planungsgeschichte der Metropole - ausgehend von den Ereignissen der 1920er Jahre, rückblickend bis in die Kaiserzeit, vorausblickend bis in die Zukunft des Jahres 2070, indem die Schau auch Ergebnisse des Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbs Berlin-Brandenburg 2070 öffentlich präsentierte. Wegen der Corona-Pandemie war die Ausstellung des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg nur vier Wochen im Kronprinzenpalais zugänglich - jetzt kann man sie auf dem eindrucksvollen Industriegelände besichtigen, das die AEG in Oberschöneweide hinterlassen hat. Peter Behrens entwarf die imposante Fabrik für die Automobilproduktion des Konzerns, die 1915 bis 1917 errichtet wurde, alleine diese Anlage ist eine Reise nach Oberschöneweide wert. Die Ausstellung füllt zwei weiträumige Hallen, am Wochenende finden Führungen statt, die auch die Besichtigung der Fabrik und eine Besteigung des markanten Wasserturms einschließen. Weitere Infos: https://unvollendete-metropole.de/ und
www.industriesalon.de/fuehrungen


Mittwoch, 29. September 2021

Romantik im Doppelpack

Geschafft! Der Webmaster muss nur noch darauf warten, dass Brüderchen und Schwesterchen aus der Druckerei kommen. Ende Oktober 2021 werden DAS ROMANTISCHE BERLIN und E. T. A. HOFFMANNS BERLIN im Buchhandel erhältlich sein (Verlag für Berlin-Brandenburg, 176 bzw. 184 Seiten, jeweils über 150 Abbildungen, meist in Farbe, pro Band 25 Euro). In beiden Bänden spielt Adelbert von Chamisso eine Rolle, im ROMANTISCHEN BERLIN ist er sogar von ganz zentraler Bedeutung. Denn das Buch schildert einen Siebenmeilen-Spaziergang durch Raum und Zeit mit einem Ururururenkel von Peter Schlemihl, der berühmtesten Figur des Dichter Chamisso. Pierre Schlemihl ist wie sein Vorfahr Naturwissenschaftler und hat eine starke Neigung zur Poesie. Er führt die Leser ins Berlin von Kleist, Heine, Eichendorff, Tieck, Rahel, Henriette Herz und vielen anderen Zeitgenossen...

Dienstag, 27. Juli 2021

Zu gut für eine Frau

A. D. Therbusch, Selbstporträt, um 1782

Die Augen der Malerin folgen einem auf Schritt und Tritt im Raum: ein Künstlertrick, den viele beherrschten; die klassischen Porträtgalerien sind voll davon. Aber Anna Dorothea Therbusch setzt noch eins drauf. Ein kreisrundes Einglas hängt an einem schwarzen Nieten-Lederband vom duftigen Kopftuch vor ihrem Auge herab. Es schärft ihren Blick und fokussiert. Das aufmerksame Künstlerinnenauge wird zum Mittelpunkt der Bildinszenierung. Im Zeitalter der Aufklärung ist diese uneitel dokumentierte Sehhilfe Programm: Nachweis eines glaubwürdigen Strebens nach Wahrheit. Dicke Folianten am Boden betonen die Intellektualität der Dargestellten. Ihr silbriger Rock schillert als Bravourstück lässig-lockerer Peinture. Anna Dorothea Therbuschs lebensgroße Selbstdarstellung in der Gemäldegalerie nimmt einen Ehrenplatz zwischen Antoine Pesne und Anton Graff, dem älteren und dem jüngeren Kollegen ein...

Das Porträt, das Elke Linda Buchholz zum 300. Geburtstag der Malerin Anna Dorothea Therbusch für den Tagesspiegel geschrieben hat, ist so schön, dass es noch eine Weile in ganzer Länge als Aufmacher auf unserer Website stehen bleiben darf: http://www.text-der-stadt.de/Therbusch.html

Montag, 12. Juli 2021

Goldstaub für die Ohren

Goldstaub - das ist ein Podcast von Arne Krasting und Else Edelstahl, der ganz und gar den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewidmet ist. In der 21. Folge sind Michael Bienert und die Schauspielerin Fritzi Haberlandt zu Gast; Anlass ist die Irmgard-Keun-Woche im Literaturforum im Brecht-Haus (https://lfbrecht.de/projekte/irmgard-keun-woche/programm/ ), das Thema sind die Romane von Irmgard Keun und das Berlin der frühen 1930er-Jahre.

https://www.gold-staub.de/ 

https://goldstaub.podigee.io/21-keun

Sonntag, 27. Juni 2021

Spaziergänge durch Irmgard Keuns kunstseidenes Berlin - wieder ab Juli 2021!

In einer Seitenstraße des Kurfürstendamms wurde Irmgard Keun 1905 geboren und in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche getauft. An der Tauentzienstraße fand sie ihren ersten Verlag. Dort erschien 1932 ihr Berlin-Roman "Das kunstseidene Mädchen". Am Kurfürstendamm geht die Protagonistin Doris auf Männerfang und strandet zuletzt in der Wartehalle im Bahnhof Zoo. 

Im fünften Band seiner Buchreihe "Literarische Schauplätze" hat Michael Bienert "Das kunstseidene Berlin" der Weimarer Republik vorgestellt (vbb 2020, 200 Seiten, 25 Euro), nun führt er nach langer Corona-Pause wieder durchs Berlin Irmgard Keuns. 

Um Abstandsregeln einhalten zu können, ist die Teilnehmerzahl ist auf ca. 15 Personen begrenzt. Voranmeldung und Angabe von Kontaktdaten ist erforderlich unter: kunstseide@text-der-stadt.de 

Der genaue Treffpunkt am Kurfürstendamm wird bei Anmeldung bekannt gegeben. 

Preis pro Person: 8 Euro (keine Ermäßigungen). Termine: Samstag, 10. Juli 2021, 14 Uhr; Freitag 16. Juli 2021, 16 Uhr; Samstag, 17. Juli, 14 Uhr