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Mittwoch, 12. November 2014

Wahrzeichen des Wandels: Potsdamer Platz auf der Deutschen Welle

Auf dem Potsdamer Platz wurde Michael Bienert als Experte für die Geschichte und den Wandel des Platzes interviewt. Den Beitrag der Deutschen Welle können Sie hier sehen. Das Buch zum Thema:

Michael Bienert
Potsdamer Platz - Am Puls von Berlin 
106 Seiten, 140 Abbildungen
In deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch, niederländisch Berlin Story Verlag, 2013, Broschur, 16,80 EUR

Sonntag, 9. November 2014

Im Theater (54): Die Welt ist kaputt. Castorf inszeniert Malaparte an der Volksbühne

"Kaputt": Die Volksbühne am Premierenabend
Von Michael Bienert. Während draußen in der Stadt das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls mit einem heiteren Lichterfest, Menschengedränge und Musik gefeiert wird, rollt am Rosa-Luxemburg-Platz ein Panzer auf die Bühne. Männer in Soldatenkluft schlagen die Zeit mit Gesprächen und der Jagd nach Frauen tot, es sieht sehr nach dem Bürgerkrieg in der Ostukraine aus, doch blendet Volksbühnenchef Frank Castorf in seiner „tour de force européenne“ nach Texten von Curzio Malaparte zurück in die Endphase des Zweiten Weltkrieges. Geschlagene sechs Stunden lang – eine kurze Pause eingerechnet – wird vor allem über unerfreuliche historische Tatsachen geredet: über Pogrome, die Judenvernichtung, über die amerikanischen Soldaten im befreiten Italien, über Kinderprostitution im besetzten Neapel, Trotzkismus, Heinrich Himmler und, im Stadium fortgeschrittener Erschöpfung, auch noch über Mao Tse-Tung. Meist findet der Diskurs in einem an Seilen schaukelnden Container statt, wird aber virtuos als Live-Spielfilm auf eine große LED-Wand über der Drehbühne übertragen. (Leider ist das strahlend helle Bild stark verpixelt, das ist so anstrengend für die Augen als schaue man sich einen sechstündigen Spielfilm auf einem winzigen Fernseher an.) Unter dem Container hat der Bühnenbildner Bert Neumann ein flaches Plantschbecken in die Drehbühne eingelassen, das für ein ein wenig Erfrischung und szenische Abwechslung sorgt, vor allem gegen Ende des überlangen Abends. Er imponiert vor allem durch das Stehvermögen und Nicht-Aufhören-Wollen der Schauspieler: allen voran Jeanne Balibar, die zunächst als Kriegsberichterstatter Malaparte mit angemaltem Bärtchen in einer Uniform steckt, später ihre Weiblichkeit in schönen Kleidern, Schlüpfer und Höschen zeigen darf. So ist es mit den anderen Figuren auch, der anfängliche Schutz durch klar umrissene Rollen löst sich auf, zuletzt sieht man die Schauspieler fast nur noch als plantschende, begehrende, leidende, das Spielen und Geschichtenerzählen nicht sein lassende Kreaturen – in einem düsteren, grauenerregenden Mahlstrom der Geschichte. Ein schwerer, unverdaulicher Brocken, den Castorf auf die Bühne wälzt, ein starkes (in der Tendenz indes erwartbares) Statement gegen den populistischen Geschichtsoptimismus rund um das Mauerfalljubiläum. Wer sich dem aussetzt, sollte gut ausgeschlafen in die Volksbühne gehen oder sicherheitshalber ein Kopfkissen für ein Nickerchen zwischendurch mitnehmen.

„Kaputt“ nach Malaparte, Premiere am 10. November 2014 in der Volksbühne. Regie: Frank Castorf. Mit Jeanne Balibar, Georg Friedrich, Horst Günter Marx, Britta Hammelstein, Patrick Güldenberg, Mex Schlüpfer, Axel Wandtke, Margarita Breitkreiz, Bärbel Bolle, Harald Warmbrunn, Frank Büttner. Zum Spielplan der Volksbühne

Montag, 3. November 2014

Wer berlinert, gilt als weniger intelligent

Die Berliner »berlinern« am liebsten, wenn sie in der Mitte des Lebens stehen. Über 70 % der 45‐ bis 59‐Jährigen bekennen sich dazu. Mehr als die Hälfte aller Befragten finden ihren Dialekt »schlagfertig« und »frech«. Dies sind Ergebnisse aus einer repräsentativen Forsa‐Umfrage der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). 1001 Berlinerinnen und Berliner waren im September zu dem Thema »Der Berliner Dialekt in der Einschätzung der Bürger der Stadt« befragt worden. Es ging dabei um ihre Einschätzungen zum Berliner Dialekt, zu Berliner Ausdrücken und zu DDR‐spezifischen Ausdrücken. Die letzte Untersuchung zum Berliner Dialekt war im Jahr 1983 durchgeführt worden. Bei den Jüngeren ist ihr Dialekt weniger angesagt. Nur knapp über die Hälfte der 15‐ bis 29‐Jährigen bekennen, dass sie »hin und wieder berlinern«. Darüber, ob der Berliner Dialekt heute mehr oder weniger akzeptiert wird, spaltet sich das Meinungsbild. Die Akzeptanz habe eher abgenommen, meinten über ein Drittel (35 %) der Befragten. Ein Viertel (24 %) äußerte sich gegenteilig. Einige Qualitäten des Berliner Dialekts haben sich in den letzten dreißig Jahren gründlich verschoben: Während 1983 »intelligent« noch auf Platz 3 stand, steht das Wort heute auf Platz 9: Mehr als die Hälfte der Befragten finden ihren Dialekt heute »überhaupt nicht« oder »eher nicht« intelligent. »Schlagfertig« ist 2014 der absolute Spitzenreiter (1983 noch auf Platz 7), während »frech« (1983: Platz 1, 2014: Platz 2) eine Konstante des Berliner Dialekts zu sein scheint. Die Untersuchung erstreckte sich auch auf Wörter und Ausdrücke, die den Berliner Dialekt prägen. »Doofkopp«, »Göre« und »schnieke« sind in Ost und West gleichermaßen geläufig geblieben. Aber manches Wort aus dem Osten der Stadt ist dem Westen bis jetzt noch fremd: »urst« (= super, irre, klasse usw.) kommt den Befragten in Zehlendorf und anderen Westbezirken nur schwer über die Lippen. (Quelle: Gesellschaft für deutsche Sprache, Pressemitteilung)

Die Studie der GfdS wird am 12. November im Rahmen eines Vortragsabends zum Thema »Sprachliches in Ost und West 25 Jahre nach dem Mauerfall« in Berlin vorgestellt. Die Veran‐ staltung findet um 17.30 Uhr an der Humboldt‐Universität zu Berlin statt, Philosophische Fakultät II, Dorotheenstraße 24, Raum 3.246 (Universitätsgebäude am Hegelplatz).

Zur Studie (PDF)

Tugendhelden, Mannsbilder - Cranachs Helden in der Gemäldegalerie

Quelle: http://www.smb-digital.de
Von Elke Linda Buchholz. Erschreckend brutal: Mit grässlich verrenkten Körpergliedern hängt der Verbrecher am Kreuz. Die Hände ballen sich zu Fäusten, die Muskeln kämpfen gegen die Fesseln. Ein Aufständischer gegen den Tod ist hier zu sehen, von Lucas Cranach dem Älteren in raschen, heftigen Strichen in weißer und schwarzer Kreide ans Kreuz geheftet. Aber ist er ein Held? Eher wie langhaariger Anti-Held wirkt dieser reuige Schächer. Das handgezeichnete kleine Blatt hängt als besondere Kostbarkeit in der Schau "Cranachs Helden", mit der das Kupferstichkabinett in einem Raum der Gemäldegalerie schon mal dem große Cranachjahr 2015 vorwegsegelt. Denn dann wird der 500. Geburtstag des jüngeren Cranach in zahlreichen Ausstellungen von Weimar bis Nürnberg gewürdigt. In Berlin können auch Kinder jetzt bereits die Malerdynastie Cranach kennenlernen. An sie wendet sich eine eigene, aufwendig medial bestückte Mitmachausstellung in der Gemäldegalerie. Die Schau für Erwachsene versteckt sich im stillen Kabinett und verlangt einen intensiveren Blick auf die teils kaum postkartengroßen Arbeiten.
Auf ultramarinblauem Grund, miniaturhaft, aber in selbstbewusster Körperfülle und ganzer Figur stehen die VIPs der Renaissance da: Martin Luther und seine Mitstreiter in Sachen Reformation, die Theologen Johannes Bugenhagen und Justus Jonas. Lucas Cranach der Jüngere zeichnete sie auf teurem Pergament ins eigene Familienstammbuch. Die Künstlerfamilie verkehrte mit den Geistesgrößen in Wittenberg auf freundschaftlichem Fuß. Und die Cranachwerkstatt war es auch, die das Publikum mit den begehrten Porträts der Reformationshelden versorgte. In erschwinglichen Auflagenwerken kamen sie als Kupferstich oder Holzschnitt auf den Markt.

Gleich viermal begegnet man Luther selbst. Sein erstes Porträt überhaupt zeigt ihn 1520 noch als Mönch mit Tonsur, dann posiert er als würdiger Profilkopf wie auf antiken Münzbildnissen und schließlich 1522 inkognito als "Junker Jörg" in Adelskluft und Rauschebart, so wie er auf der Wartburg Unterschlupf fand.
Der umtriebige Cranach-Betrieb fungierte wie ein Medienzentrum der Reformation. Fast 1000 Lutherbildnisse entstanden hier. Die Druckerpresse versorgte gebildete Bürger aber auch mit weiteren Vorbildern für ein tugendhaftes Leben. So mutig sein wie der römische Soldat Marcus Curtius, so bärenstark wie der biblische Samson, so glaubenstreu wie die Heilige Margarete, das waren die Rollenmodelle vor 500 Jahren. In oft modischer Frisur und ansprechender Körperlichkeit stellen die Cranachgrafiken sie vor. Vollkommen nackt zeigt sich die schöne Lucrezia auf einer raren Handskizze, die das Motiv erprobt. Die antike Heroine erwies sich als Verkaufsschlager der Cranachs. Eine besonders zierliche Variante in Öl hängt ein paar Schritte weiter in der ständigen Sammlung der Gemäldegalerie: mehr sinnliche Verlockung als Tugendmodell.

Diese Ausstellung läuft noch bis 16. November 2014. Weitere Informationen
Die Kinderausstellung "Pop Up Cranach" ist bis 12. April 2015 zu sehen. Mehr

Freitag, 31. Oktober 2014

Das gebügelte New York - Lesung am 6. November 2014

In den "Brandenburger Blättern", der Feuilletonbeilage der Märkischen Oderzeitung (MOZ), stellt Uwe Stiehler die Neuedition von Henry F. Urbans "Die Entdeckung Berlins" vor und erzählt, wie es dazu kam. Zum Artikel

Die vorerst letzte Lesung von Michael Bienert aus dem Buch findet am kommenden Donnerstag, dem 6. November 2014 im Café Tasso, Frankfurter Allee 11, statt. Eintritt frei, Spenden erwünscht.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Kästners Berlin - im Druck

Unser neues Buch ist heute wie geplant in die Druckerei gegangen und wir verabschieden uns mit den Kindern in die verdienten Herbstferien!

Michael Bienert
Kästners Berlin. Literarische Schauplätze
160 Seiten, ca. 200 Abbildungen
Hardcover mit Schutzumschlag
Format: 21,0 x 22,5 cm
ISBN: 978-3-945256-00-8
€ 24,99

Freitag, 17. Oktober 2014

Neuer CIEE-Bildungscampus in Kreuzberg

Und wo geht es hier zum Richtfest?
In einem alten Fabrikgebäude in der Kreuzberger Gneisenaustraße 27 entsteht ein neuer Bildungscampus mit Unterkünften, Seminar- und Veranstaltungsräumen für 200 Studenten. Träger des Projekts ist das CIEE Global Institute, die größte Organisation für den internationalen Studentenaustausch in den USA. Heute war Richtfest, ab August 2015 werden amerikanische, aber auch deutsche Studenten in dem neuen Haus wohnen und lernen. Die Investition in den Standort Berlin durch die Organisation, die jährlich rund 50.000 Studenten den Aufenthalt in über 40 Ländern ermöglicht, ist auch eine Auszeichung für die Bundeshauptstadt: Das kulturelle Angebot, der Forschungsstandort und das Flair von Berlin haben die Verantwortlichen überzeugt. Direktor des Berliner Instituts ist der Literatur- und Kulturwissenschaftler Cary Nathenson, mit dem wir seit über 20 Jahren freundschaftlich verbunden sind und der uns bei dem letzten Buchprojekt Die Entdeckung Berlins von Chicago aus wunderbar unterstützt hat. Herzlichen Glückwunsch zu der tollen neuen Aufgabe, Cary!

Cary Nathenson begrüßt die Gäste.

Think big! Die Baustelle. Fotos: Bienert

Montag, 6. Oktober 2014

Eine neue Gedenktafel für Paul Hertz

Paul Hertz, sein Enkel Henry Berg und Grundschulkinder in der
Paul Hertz-Siedlung. Foto: Tina Merkau/Gewobag
Henry Berg ist ein amerikanischer Architekt und Enkel des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Paul Hertz, der von den Nazis ins Exil getrieben wurde, aber schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg nach West-Berlin zurückkehrte, um den Wiederaufbau Berlins als Finanzsenator zu unterstützen. In der nach ihm benannten Paul-Hertz-Siedlung in Charlottenburg hat Mr. Berg heute eine neue Gedenktafel für seinen Großvater eingeweiht. Außerdem hat er Schülern aus seinem Leben erzählt - er selbst lebte als Kind einige Zeit bei den Großeltern in Berlin. Wir hatten das Vergnügen, am Samstag mit Henry Berg spazierenzugehen und ihm die sanierte Reichsforschungssiedlung in Haselhorst zu zeigen.

Volker Wieprecht und der Südwesten Berlins

Von Michael Bienert - Vor eineinhalb Jahren saß Volker bei uns im Garten hinter dem Haus, weil er die Idee hatte, mich für sein neues Buch zu porträtieren. Wir kennen uns ziemlich lange, seit 1977, saßen in derselben Klasse an der Schiller-Oberschule in Charlottenburg und besuchten denselben Deutsch-Leistungkurs. Ich bewunderte Volker schon damals für seine rasche Auffassungsgabe, seine Schlagfertigkeit, seinen Sprachwitz, seine körperliche und geistige Beweglichkeit, seinen Erfolg bei Mädchen: Eigenschaften, mit denen er sich zu einem beliebten, prominenten und mit Preisen dekorierten Radiomoderator hocharbeitete. Bei den Lehrern machte er sich damit nicht nur beliebt, manche Mitschüler fürchteten sich vor ihm. In Volkers Buch Zwischen Kreisel und Kleistpark kann man nun nachlesen, wie ich (pflegeleichter Liebling der Lehrer!) in sein Leben trat und einen leider immer noch nicht restlos überwundenen Minderwertigkeitskomplex auslöste. Nach unserer Gartenkonferenz über sein Buchprojekt notierte er: "Es ist wie damals in dem roten Klinkerhaus in der Kreuznacher, in dem Michael mit seinen Eltern wohnte. Er macht die ernsten Themen, ich ziehe der Berolina ein Tutu an, weil mich das Reale schnell langweit und das Mögliche sehr schnell reizt."

Der Berolina ein Tutu anzuziehen, das muss man erstmal können. Und Volker macht das sehr gewitzt, gewohnt selbstironisch und spitzzüngig, aber keineswegs oberflächlich. Die Frage treibt ihn, warum wichtige Dinge in seinem Leben - die erste große Liebe, die Gründung der ersten Firma, der Selbstmord des besten Freundes - sich immer wieder in der nicht gerade hippen Gegend entlang der ehemaligen Reichsstraße 1 zwischen Steglitz und Schöneberg ereignet haben. Er schaut in die Geschichtsbücher, er nervt Behörden mit Presseanfragen zur Verkehrsführung auf der Hauptstraße und den Baufortschritten beim Steglitzer Kreisel, er befragt Denkmalschutzexperten, vor allem aber erzählt er sehr flott von seinen skurrilen Erlebnissen in längst geschlossenen Diskotheken, Meditationsräumen und dem Büroalltag in den Goerz-Höfen oder der ehemaligen Schöneberger Irrenanstalt. Viele kleine Episoden, die den Jungen aus Herne, der - wie ich - durch einen Umzug der Mutter nach Berlin umgetopft wurde, zu einem "offiziell anerkannten Kryptoberliner" und "Teil des hiesigen Inventars" machen, außerdem zum bekennenden Buddhisten.

Selbstverständlich bin ich nicht in der Lage, dieses Buch, zu dem ich wenig beigetragen habe und in dem ich übermäßig Platz einnehme, unvoreingenommen zu beurteilen. Was mich am meisten geärgert hat, dafür ist Volker nicht verantwortlich: Ich meine das pfiffig gedachte, aber lausig gemachte Design der Reihe "Berliner Orte", in der sein Buch erschienen ist. Autoren, die sich so viel Mühe geben, haben es verdient, dass ihr Text ein hübscheres Tutu bekommt.

Volker Wieprecht
Zwischen Kreisel und Kleistpark 
Berliner Orte
be.bra Verlag 2014, 144 S., 9,95 €

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Im Breker-Atelier entsteht das "Kunsthaus Dahlem"

Als Staatsatelier wurde für den Bildhauer Arno Breker in der NS-Zeit ein gewaltiges Domizil am Rande des Grunewalds gebaut. Später arbeiteten darin Künstler wie Bernhard Heiliger und Wolf Vostell. Jetzt soll dort das neue Kunsthaus Dahlem entstehen - als Museum für Skulpturen der Nachkriegsmoderne. 

Elke Linda Buchholz war bei der Baustellenbesichtigung, hat fotografiert und für den TAGESSPIEGEL berichtet. 
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