Translate

Montag, 16. März 2020

Kulturarbeiter im Ausnahmezustand

Quelle: openpetition.de
Zuerst die gute Nachricht in dieser Zeit der Hiobsbotschaften: In unserem Familienbetrieb sind alle gesund, an drei häuslichen Arbeitsplätzen wird weiter an langfristigen Projekten gebastelt: an einer neuen literarischen Stadtführung, einem neuen Buch und Aufträgen unter anderem vom Humboldt-Forum, das ja irgendwann mal tatsächlich eröffnen wird - und dann gibt es auch noch die anstehende Steuererklärung und tausend Dinge, die irgendwie liegengeblieben sind.

Was uns die Corona-Pandemie und die Maßnahmen dagegen kosten, können wir noch lange nicht beziffern. Als Freiberufler tragen wir das volle unternehmerische Risiko, wenn Stadtführungen, Lesungen, Recherche- und Schreibaufträge nicht zustande kommen. Viele KollegInnen, die von der Hand in den Mund leben, sind noch härter betroffen und einige Clubs in Berlin haben bereits Insolvenz angemeldet. Sie können die Bitte um Gehör und Hilfen für Kreative mit einer Onlinepetition unterstützen:

https://www.openpetition.de/petition/online/hilfen-fuer-freiberufler-und-kuenstler-waehrend-des-corona-shutdowns-2

Wenn Sie uns direkt unterstützen wollen: Bestellen Sie unsere Bücher, mit denen man auch in Quarantäne spannende Reisen durch Berlin unternehmen kann: http://www.text-der-stadt.de/books.html

Ansonsten: Helfen Sie bitte mit, die Ausbreitung des neuen Corona-Virus zu bremsen, damit den Erkrankten geholfen werden kann. Gehen Sie sorgsam mit sich und Ihren Mitmenschen um und unterstützen Sie die, denen geholfen werden muss!

Samstag, 7. März 2020

3x Moderne im Bücherbogen, 11. März 2020, 19.30 Uhr


3 x Moderne im Berliner Südwesten 
Vorstellung der dreiteiligen Buchreihe
NEUES BAUEN / NEUES WOHNEN / NEU GROSS GRÜN

Ort: Buchhandlung Bücherbogen am SavignyplatzTermin: 11. März 2020, 19.30

Vor genau 100 Jahren entstand Berlin, wie wir es kennen: Im April 1920 beschloss die Preußische Landesversammlung die Gründung der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin. Wie sich Stadtplanung und Architektur mit dem Groß-Stadt-Menschen und seiner Lebenswelt verbinden, veranschaulicht die Begleitpublikation zur laufenden Ausstellung NEU GROSS GRÜN. Die ebenso reich bebilderten Publikationen zum NEUEN BAUEN (2018) und NEUEN WOHNEN (2020) nehmen die weniger bekannte Architekturmoderne im Berliner Südwesten in den Blick.

Montag, 2. März 2020

Die Zwanziger Jahre auf ARTE

Im vergangenen Jahr hat Michael Bienert als Experte für das Berlin der Weimarer Republik mit der französischen Journalistin Lisa Kroh gedreht - in der Ackerstraße, der Reichsforschungssiedlung Haselhorst und im Haus des Rundfunks -, jetzt ist ihr ARTE-Reisefeuilleton gesendet worden und noch bis 30. April online: https://www.arte.tv/de/videos/091152-041-A/stadt-land-kunst/ (Minute 18 bis 31 der Sendung). Besonders schön geworden sind die Aufnahmen aus dem Kino Babylon und von der grandiosen Innenarchitektur Hans Poelzigs im Haus des Rundfunks, aus einer Berliner Kneipe und einem Kostümverleih in Friedrichshain.

Sonntag, 16. Februar 2020

100 Jahre Brecht in Berlin - Stadtführung mit Michael Bienert am 23. 2. 2020

Am 21. Februar 1920 trifft Bertolt Brecht am Anhalter Bahnhof ein. Es ist sein erster Besuch in Berlin. Bald wird die Stadt sein Lebensmittelpunkt: Hier entwickelt er sich zu einer Jahrhundertgestalt und hinterlässt so viele Spuren wie kein anderer Dichter. Die Jubiläumstour (mit U- und S-Bahn) schlägt einen Bogen von der ersten Ankunft Brechts am Anhalter Bahnhof bis zu seinem Denkmal.

Termin:
Sonntag, 23. Februar 2020, 14 Uhr
Treffpunkt: S-Bahnhof Anhalter Bahnhof, im Zwischengeschoss in Richtung Askanischer Platz/Stresemannstrasse
Preis: 15 Euro / erm. 10 Euro (S- und U-Bahn-Ticket nicht im Preis inbegriffen)
Anmeldung (begrenzte Teilnehmerzahl) per E-Mail unter: brecht@text-der-stadt.de

Mittwoch, 8. Januar 2020

Vom Bauhaus nach Haselhorst: Buchvorstellung und Besichtigung der Museumswohnung in Haselhorst am 22. Januar 2010

Der ungarisch-jüdische Architekt Fred Forbat plante ab 1930 den Bau von 1.200 Wohnungen in der Reichsforschungssiedlung Haselhorst. Jetzt hat das Bauhaus-Archiv Forbats „Erinnerungen eines Architekten aus vier Ländern“ publiziert. Die Herausgeberin Sibylle Hoiman stellt das Buch im Dialog mit dem Kulturhistoriker Michael Bienert in der Stadtteilbibliothek Haselhorst vor (Gartenfelder Straße 104, 13559 Berlin). Der Eintritt ist frei, Anmeldung bitte unter: g.lex@ba-spandau.berlin.de, Fon: 030 90279-8693

Zuvor besteht Gelegenheit, die im Stil der Bauzeit eingerichtete Museumswohnung Haselhorst im Forbat-Block der Reichsforschungssiedlung zu besichtigen (16.30 Uhr bis 17.45 Uhr, Burscheider Weg 21, 13559 Berlin, Eintritt frei).

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Ein Schwein, sonst nichts. Der Bildhauer August Gaul im Käthe-Kollwitz-Museum

Von Elke Linda Buchholz - Kaum streichholzschachtelgroß ist das Schwein. Es legt die Ohren an, gespannt vom Rüssel bis zum Ringelschwanz. Ein Schwein, sonst nichts: Saumäßig gut getroffen und 1914 in Bronze verewigt von August Gaul. Aber könnte es nicht auch ein Glückssymbol sein? Des Bildhauers Idee, so ein Hausschwein in kapitaler Größe als Brunnenfigur auf den Wittenbergplatz zu hieven, irritierte die Berliner. Weiterlesen auf www.tagesspiegel.de

Brandenburg in Berlin - Das Projekt "Stadt-Land gestalten"

Noch bis 16. Dezember stehen vor der Brandenburgischen Landesvertretung sechs knallbunte Infosäulen, auf denen die Stadt Falkenberg/Elster vorgestellt wird - wer nicht weiß, wo das liegt: ganz am Südrand des Landes Brandenburg zwischen Jüterbog und Bad Liebenwerda.
Die Stelen sind eine Ergebnis des Projekts "Stadt-Land gestalten" der Brandenburgischen Architektenkammer. Sie will die Baukultur in den ländlichen Räumen Brandenburgs fördern und wird dabei vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung unterstützt. Mit einer Freiluftausstellung, Workshops und einer Publikation werden die Bürgerinnen und Bürger miteinander ins Gespräch gebracht, die Stärken und Ziele einer Gemeinde identifiziert.
Seit 2015 werden so jährlich kooperativ Grundlagen für gutes Planen und Bauen erarbeitet. Dieses Jahr kam Falkenberg in den Genuss des Coaching-Programms, so wie bisher schon Plaue (Brandenburg/Havel), Letschin (Oderbruch), die Gemeinde Kloster Lehnin und das Amt Unterspreewald. 2020 ist das Amt Lenzen/Elbtalaue dran.
Dem in weiten Teilen Brandenburgs verbreiteten Gefühl, "abgehängt" zu sein und von "der Politik" nicht gehört zu werden, soll so begegnet werden. Stattdessen werden die Bürgerinnen und Bürger zum Mitgestalten motiviert.
Mehr Infos: https://www.ak-brandenburg.de/content/stadt-land-gestalten-mach-mit. Inhaltlich und organisatorisch betreut wird das Projekt von [BEST] - projekte für baukultur und stadt von Nicola Bröcker, Celina Kress und Simone Oelker (www.best-bb.de).

Montag, 30. September 2019

Triennale der Moderne 2019 startet am 10. Oktober 2019

Über hundert Veranstaltungen von rund 20 Partnern: Das am 10. Oktober startende Berliner Programm lädt ein, den Reichtum einer Epoche zu entdecken. Die 1920er-Jahre waren eine Zeit radikaler, uns bis heute faszinierender Umbrüche in Kunst, Design und Gesellschaft. Sie sind Ausgangspunkt der "Triennale der Moderne", die alle drei Jahre in Weimar, Dessau und Berlin stattfindet und die dortigen UNESCO-Welterbestätten stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Während in den Bauhaus-Städten Weimar und Dessau die Architektur und Lehre der berühmten Design- und Kunstschule im Mittelpunkt steht, ist das moderne Erbe in der Metropole Berlin ungleich vielfältiger. Hier ist das im aktuellen Jubiläumsjahr sehr präsente Bauhaus nur ein Baustein unter vielen. Diesen Reichtum gilt es für Einheimische und Touristen neu zu entdecken und auch als Gesamtentwicklung zu begreifen. Es beginnt mit den imposanten Bauten der "Elektropolis Berlin", über sechs gemeinsam als Weltkulturerbe geltende "Siedlungen der Berliner Moderne" und zieht eine große Linie hin zur Nachkriegsmoderne oder der aktuellen Wohnungsbaufrage. Wie kaum eine andere Stadt, eignet sich Berlin, ein ganzheitliches Bild der Epoche und ihrer heutigen Relevanz auszuloten. Dazu passt, dass das Berliner Programm den Charakter einer bottom-up- Initiative hat: Rund zwanzig, oft rein zivilgesellschaftlich organisierte Projektpartner sorgen für ein facettenreiches Angebot von 115 Veranstaltungen. Das von der LOTTO-Stiftung Berlin geförderte Programm beginnt am Do, den 10. Oktober und spannt sich bis weit in den November 2019. In Symposien, Vorträgen, Diskussionen und Kongressen, aber auch in Performances, Installationen Ausstellungen und Publikationen lädt das thematisch breit gefächerte Programm zum Entdecken ein. Exkursionen und Besichtigungen, etwa zu den sechs Welterbesiedlungen, Behrenshalle, Hansaviertel und Karl- Marx-Allee ergänzen das Angebot. Zur Triennale erscheint ein Programmheft, das am Wochenende in den beiden Festivalzentralen auf dem Ernst-Reuter-Platz und in der Hufeisensiedlung ausliegt. Das komplette Programm findet sich unter www.triennale-der-moderne.de.

Das Erbe der Diktaturen - Ines Geipels "Umkämpfte Zone"

Von Michael Bienert. Ines Geipel trägt als Autorin ein schweres Gepäck. Beide Großväter waren tief in Naziverbrechen verstrickt, der Vater arbeitete als Agent für die DDR-Staatsicherheit und tobte seine Aggressionen an den eigenen Kindern aus. 
Die Tochter wurde berühmt als DDR-Topsprinterin, ohne ihr Wissen mit Dopingmitteln vollgepumpt und von der Stasi brutal aus dem Spiel genommen, als sie sich in einen Athleten aus dem Westen verliebte. Kurz vor dem Mauerfall floh sie über Ungarn in die Bundesrepublik, wurde Schriftstellerin und Professorin für Verslehre an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin. Mit Joachim Walther sammelte Ines Geipel Texte von in der DDR mundtot gemachten Autoren in einem Archiv für unterdrückte Literatur, dafür wurde sie 2011 mit dem Antiquaria-Preis geehrt. 
Dem Verschwiegenen eine Stimme geben, dieses Motiv zieht sich auch durch ihr neues Buch. Auslöser war der Krebstod des jüngeren Bruders. Berührend schildert die Autorin, was die Geschwister so eng aneinander band. Als Kinder gaben sie sich gegenseitig Halt in der stummen Gewaltatmosphäre der Familie: „Was nicht greifbar sein sollte, was wir sichern mussten, brachten wir beim andern unter. Dort war es geschützt und konnte überdauern.“ Umso schmerzhafter war der Abschied vor dem Bruder, der geholfen hatte, dem familiären Anpassungsdruck zu widerstehen. 
Ines Geipel malt den Familienterror nicht aus. Sie bettet ihn in einen weiten geschichtlichen Kontext ein. Sie deckt die Schuldverstrickung der Großelterngeneration auf, die in der DDR weitgehend unaufgearbeitet blieb. Es gab zwar einen staatlich verordneten Antifaschismus und Erinnerungsrituale, doch in den Familien wurden die konkreten Charakterdeformationen durch die NS-Diktatur beschwiegen und unter der kommunistischen Parteiherrschaft zementiert. Dreißig Jahre nach dem Untergang des SED-Staates zeigt sich das in einer explosiven Mischung aus Geschichtsverleugnung und Radikalisierung, die vom Osten ausgehend das gesamte politische System der Bundesrepublik erschüttert. 
Ines Geipel nutzt die eigene Familiengeschichte als Schlüssel für das Unerzählte, das politisch derart mächtig geworden ist. Eine wagemutige Konstruktion. Doch sie erweist sich als belastbar. Aus schwerem Gepäck wird eine erhellende Erzählung. 

Ines Geipel: Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass. 
Klett-Cotta, Stuttgart 2019, 280 Seiten, 20 Euro

Samstag, 1. Juni 2019

Buchstaben für das Humboldt-Forum

Ralf de Moll
Foto: Michael Bienert
Als das alte Berliner Schloss noch stand, bauten Arbeiter in den Pankehallen Geldschränke und Tresore. Seit 1985 aber gipsen, meißeln, sägen und schweißen Künstler in der roten Backsteinfabrik am Gesundbrunnen. Für drei Monate haben sich nun Christiane Dellbrügge und Ralf de Moll in die Formwerkstatt eingemietet, um 110 Buchstaben für einen Schmuckfries im Humboldt-Forum zu fabrizieren. Michael Bienert hat sie besucht und im Tagesspiegel darüber berichtet. Hier lesen