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Donnerstag, 22. September 2016

Preisträger protestieren gegen die Abschaffung des Adelbert-von-Chamisso-Preises

Diese Nachricht würde dem Namensgeber
Adelbert von Chamisso gar nicht
gefallen haben.
"Da bleibt einem die Spucke weg", kommentieren die Preisträger Ilija Trojanow und José F. A. Oliver in der F. A. Z.: Einer der renommiertesten und wirkungsvollsten Literaturpreise wird abgeschafft! Die Robert-Bosch-Stiftung will den Adelbert-von-Chamisso-Preis 2017 zum letzten Mal vergeben. Das Presseecho ist kontrovers:

- Stefan Kister berichtet in den Stuttgarter Nachrichten.
- Ein kritischer Kommentar aus der Stuttgarter Zeitung
- Feridun Zaimoglu im Deutschlandradio Kultur
- Pro und Contra im Bayerischen Rundfunk
- Jörg Plath auf Deutschlandradio Kultur - Preisträger Sherko Fatah im rbb-Kulturradio
- Preisträger Artur Becker spricht in der Frankfurter Rundschau von einer "technokratischen Entscheidung" und einem falschen Signal.

Donnerstag, 15. September 2016

Kunstspaziergänge zur Berlin Art Week



Im aktuellen Kunstmagazin des Tagesspiegels sind wir mit zwei Beiträgen vertreten: Michael Bienert hat einen Wegweiser zu wenig bekannten Bauhausbauten in Berlin beigesteuert, Elke Linda Buchholz ein Vademecum zu den originellsten Tierskulpturen im Stadtbild verfasst. Das pralle Heft, ein veritabler Führer durch die aktuelle Kunststadt Berlin, ist für 8,50 Euro im Zeitschriftenhandel erhältlich.

Donnerstag, 1. September 2016

Modernes Berlin der Kaiserzeit - Lesungen im September

Nach der gut besuchten Buchpremiere in der Villa Oppenheim gibt es weitere Lesungen und Gelegenheiten, mit dem Autor Michael Bienert ins Gespräch zu kommen: am 8. September 2015 um 17.30 Uhr in der Urania und am 22. September 2016 um 19 Uhr im Fachbereich Berlin-Studien der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

Donnerstag, 18. August 2016

Heideggers Hütte und Berlin

Michael Bienert vor Heideggers Hütte
Im August 1922 bezog die Familie von Martin Heidegger erstmals ihr Ferienhaus in Todtnauberg im Schwarzwald, eine Butze, die als liebster Schreibort des Denkers in die Philosophiegeschichte einging. In der legendären "Hütte" herrschte indes in den ersten Jahren solcher Lärm, dass der empfindliche Heidegger vor Frau und Kindern floh und sich eine Schreibstube in der Nachbarschaft mietete. Wer heute auf dem mit fünf Infotafeln versehenene Martin-Heidegger-Wanderweg rund um Todtnauberg wandelt, erfährt, dass eher Elfriede Heidegger die treibende Kraft hinter dem Hüttenprojekt war. Sie war es auch, die dafür sorgte, dass das Haus 1931 ans Stromnetz angeschlossen wurde. Heidegger, der an der Freiburger Universität lehrte, hatte zuvor einen Ruf nach Berlin erhalten. Als Ausgleich dafür, dass der Philosoph zu schlechteren finanziellen Bedingungen in Freiburg blieb, übernahm die badische Regierung auf Drängen Elfriede Heideggers die Kosten für einen Stromanschluss.
Neue Sachlichkeit in Todtnauberg
Die Hütte wird bis heute von den Nachkommen des Ehepaars genutzt und ist daher nicht zu besichtigen. Ein Ausflug dorthin lohnt sich aber allemal wegen der schönen Wanderwege in der Umgebung, die auch Heidegger gerne beging. Äußerlich präsentiert sich die Hütte denkmalgerecht restauriert. Die Lage am Hang, das tief herabgezogene Dach und die Fassade aus Holzschindeln sind typisch für die Gegend, die blauen Fensterrahmen und grünen Fensterläden eher für die dezidiert moderne Architektur der 1920er Jahre. Nebenan plätschert der Brunnen, aus dem schon Heideggers schöpften. Eine völlig weltabgewandte Klause war die Hütte jedenfalls nicht, entdeckt hat den landschaftlich reizvollen Ort Elfriede Heidgger beim Skiurlaub in den Bergen. Mit Bahn und dem Bus ist Todtnauberg von Freiburg in einer guten Stunde zu erreichen, viel länger dürfte man auch zu Heidggers Zeiten nicht unterwegs gewesen sein. Mehr Informationen zur Lage der Hütte.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Frisch aus der Druckerei: Modernes Berlin der Kaiserzeit

Und so sieht das neue Buch von innen aus...

Es werde Kunst!

Von Elke Linda Buchholz - Da glänzt echtes Gold. Was auf Ikonen und mittelalterlichen Altargemälden einen Abglanz himmlischer Heiligkeit ins Bild holt, nutzt die polnischstämmige Alicja Kwade, um schnöde Kohlebriketts zu veredeln. Warenwerte und Bodenschätze sind beide, Kohle wie Gold. Ordentlich gestapelt verkörpern die schimmernden Barren geballte Finanzkraft, kapitalistische Wirtschaftsstruktur. Gut oder Böse? Die Ausstellung „The Repetition of the Good. The Repetition of the Bad“ im Centrum Judaicum macht keine klaren Grenzen auf. Statt eindeutig Hell und Dunkel zu kontrastieren, beharren die ausgestellten Arbeiten von 15 Künstlern auf Zwischentönen, Vagheiten, Doppelsinn. Die Schau fügt sich in den elfteiligen Ausstellungsreigen „Sein.Antlitz.Körper“ des Kurators Alexander Ochs, der im Frühjahr gestartet wurde und noch bis Ende des Jahres diverse Berliner Kirchen mit neuer Kunst bestückt. Weiterlesen im Tagesspiegel

Sonntag, 26. Juni 2016

Was Sie schon immer über Hoffmanns Berlin wissen wollten

In der Veranstaltung zu "E. T. A. Hoffmanns Berlin" im Tagesspiegel-Salon vom 6. Juni wurden viele Fragen an Michael Bienert aus dem Publikum gestellt - einige hat Dorothee Nolte dokumentiert, erschienen sind die Antworten gestern in der gedruckten Ausgabe des Tagesspiegels:

Welche Quellen nutzen Sie für Ihre Bücher? Archive? Zeitnahe Veröffentlichungen? Andere Autoren?
Susanne und Lutz Janke, Neukölln

Alles! Aber da man nicht alles lesen kann, besteht die Kunst darin, die benötigten Facts möglichst rasch zu finden und einzuordnen. Meistens schaue ich erstmal in der Stadtbibliothek nach und werde im Fachbereich Berlin-Studien fündig.

Welchen Einfluss hatte Berlin Anfang des 19. Jahrhunderts auf das künstlerische Schaffen von E.T.A. Hoffmann?
Anne Schumann, Steglitz 

Berlin als Großstadt mit über 150.000 Einwohnern bot ihm alles, was er brauchte: belebte Straßen zum Flanieren, ein reges Kulturleben, Bibliotheken zum Recherchieren und gleichgesinnte Freunde. Das findet sich in den Erzählungen aus seiner Berliner Zeit wieder.

In Zilles Fußstapfen - Fotografien von Gottfried Schenk

Hinterhof im ehemaligen Zillemilieu
Foto: Gottfried Schenk
Ab dem 6. Juli 2016 präsentiert das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf die Sonderausstellung „Auf den Spuren von Heinrich Zille. Kiezfotografien 1976 – 1984 von Gottfried Schenk“ im Kabinett der Villa Oppenheim. Damit rückt das Museum den in der Kaiserzeit errichteten Charlottenburger Klausenerplatz-Kiez in den Fokus. „Auf den Spuren von Heinrich Zille“, der hier 37 Jahre lang wohnte und seine berühmten „Milljöh“-Studien schuf, wandelte 1976 bis 1984 der Fotograf Gottfried Schenk. Er dokumentierte als Mitglied einer Mieterinitiative die Aktivitäten der Kiezbewohnerinnen und Bewohner sowie die morbide Schönheit verfallender Gründerzeitbauten. Seine Fotografien spüren Ansichten und Szenen aus einem traditionellen Arbeiterkiez auf und fangen die verbliebenen Spuren des alten Zille-Milieus ein. Sonderausstellung bis 8. Januar 2017 Weitere Informationen

Mittwoch, 8. Juni 2016

So schön ist Harakiri - Wiedereröffnung des Georg-Kolbe-Museums mit dem Hanako-Zyklus von Rodin

Hanako-Porträts von Auguste Rodin
Fotos: Michael Bienert
Von Michael Bienert - Sie war eine Sensation in der Berliner Kaiserpassage, Friedrichstraße Ecke Unter den Linden. „Madame Hanako wird erdolcht und kann nun mit allen Finessen zeigen, wie große japanische Künstlerinnen auf der Bühne zu sterben verstehen. Unsagbar realistisch und doch wahrhaft ergreifend, mit grausamer Eindringlichkeit nach der Natur gezeichnet“, schwärmte 1908 die „Sport im Bild“. Japans größte Tragödin lockte die Touristen an, im Passage-Theater, das unter einem Dach mit Nippesläden, exotischen Völkerschauen, Panoptikum und Kaiserpanorama residierte. 
Was die Berliner für authentische, weil reichlich fremdartige Schauspielkunst hielten, war tatsächlich ein interkulturelles Missverständnis: Im japanischen Kabuki-Theater wurden Hanakos Paraderollen üblicherweise von Männern gespielt. Insbesondere das Harakiri, der rituelle Selbstmord durch Bauchaufschneiden, war traditionell der obersten Schicht der Samurai-Krieger vorbehalten. Japanische Theaterleute mochten sich eine Frau in so einer Rolle gar nicht erst vorstellen. Nur in Europa und Amerika wurde die puppenhafte Hanako um 1910 zum Star. Sie gehörte zur Riege der Tänzerinnen, die schon vor dem Ersten Weltkrieg ihre von Korsetts und Konventionen befreiten Körper auf den westlichen Bühnen präsentierten. Jetzt bekommt die kleine Tänzerin noch einmal einen großen Auftritt in Berlin. In der Ausstellung „Auguste Rodin und Madame Hanako“ zur Wiedereröffnung des Georg-Kolbe-Museums. Weiterlesen im TAGESSPIEGEL

Der Bildhauer Michael Jastram im Schadow-Haus

Reiterfigur von Jastram und Pferdekopf
von Schadow in der Ausstellung
Von Elke Linda Buchholz - Dieser Stier spürt das Gewicht seiner Reiterin nicht. Sein wuchtiger Körper, aus kantigen Platten gefügt, steht trotzig im Raum wie ein Panzer. Zierlich auf ihm thront Europa, eine schmale Göttin, so als habe sie auf einem Ausguck Platz genommen. Das Ganze ist ein sperriges Gebilde, so wie das politische Europa bisweilen.
Der Bildhauer Michael Jastram, geboren 1953 in Ost-Berlin, hat die mannshohe Gipsskulptur in das historische Atelierhaus Johann Gottfried Schadows verfrachtet. Auf Einladung des Kunstbeirats des Deutschen Bundestages, der im noblen klassizistischen Domizil seinen Dienstsitz hat, arbeitet der Künstler für vier Monate nicht wie sonst in einer Industrieetage im Wedding. Stattdessen testet er die Konfrontation mit dem Schaffensort des Altmeisters. Weiterlesen im TAGESSPIEGEL