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Sonntag, 3. Juni 2018

550 Jahre Kammergericht im Buch

Noch eine trockene "Festschrift" auf ein Gericht oder ein spannender Spaziergang durch die Justizgeschichte? Martin Rath ist recht angetan von Michael Bienerts Buch "Das Kammergericht in Berlin", das jetzt erschienen ist. Hier lesen auf Legal Tribune Online


Mittwoch, 18. April 2018

Berlinführer in neuen Auflagen

Die Wegweiser von Michael Bienert und Elke Linda Buchholz durch das Berlin der Kaiserzeit (4. Auflage) und das Berlin der Zwanziger Jahre (8. Auflage) sind echte Longseller, was sicher auch daran liegt, dass sie von Auflage zu Auflage gründlich durchgesehen, aktualisiert und verbessert werden. Inzwischen sind auch etliche Farbfotos hinzugekommen, die in den ersten Auflagen fehlten. Jetzt sind die neuesten Nachauflagen aus der Druckerei eingetroffen. Modernes Berlin der Kaiserzeit und Die Zwanziger Jahre in Berlin erscheinen weiterhin im Berlin Story Verlag, sind über den gesamten Buchhandel zu beziehen und kosten unverändert (!) 19,95 pro Exemplar.

Dienstag, 10. April 2018

Die Sammlung Suermondt am Kulturforum

Von Elke Linda Buchholz - Der Börsencrash von 1873 war schuld. Ohne den Einbruch der überhitzten Finanzmärkte wäre die Berliner Gemäldegalerie um einige heute unbezahlbare Highlights ärmer. Jan Vermeers „Mädchen mit dem Perlenhalsband“ bespiegelt sich ungerührt von allen Baissen und Haussen seelenruhig in ihrer holländischen Kammer. Ebenso zeitlos und unbegreiflich schön erwartet einen Jan van Eycks um 1440 auf eine winzige Holztafel gemalte Madonna in ihrem lichtdurchströmten gotischen Kircheninterieur. Dies sind nur zwei von 218 Meisterwerken, die der Sammler Barthold Suermondt im Jahre nach dem Gründerkrach auf einen Schlag an die Berliner Museen veräußerte. Weiterlesen

Hoffmanns Berlin - Lesung auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof

Ein Schmetterling ist auf dem Grab des Dichters E. T. A. Hoffmann einmeißelt. Die Lesung von Michael Bienert aus E. T. A. Hoffmanns Berlin auf dem Friedhof musste im vergangenen Jahre wegen Regenüberflutung abgesagt werden, nun wird sie nachgeholt. Die Lesung am 26. April 2018 wird musikalisch umrahmt von Adrian Rovatkay (Fagott) und Petra Kießling (Cello). Ab ca. 16.30 Uhr ist die mobile Friedhofsbar auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I vor dem Halleschen Tor geöffnet (Eingang an der Baruther Straße oder am Mehringdamm), um ca. 17 Uhr beginnt das Kulturprogramm. Der Eintritt ist frei - Spenden erbeten. Weitere Infos auf www.mendelssohn-remise.de

Samstag, 24. März 2018

Max Beckmanns Welttheater in Potsdam

Von Elke Linda Buchholz - Das ganze Leben als Bühnenspektakel zwischen Comedy und Tragödie: Diesen Gedanken hat Max Beckmann (1884-1950) in zahllosen Variationen gemalt – in grellen Farben, exaltierten Posen und wechselnden Kostümen. Der Klassiker der Moderne inszenierte sich und seine Zeitgenossen mit Vorliebe als Artisten und Karnevalisten auf den Bretterbühnen seiner Leinwände. Weiterlesen auf http://kunstundfilm.de/2018/03/max-beckmann-welttheater/

Donnerstag, 22. März 2018

Exil ist keine Kunst - Privatinitiativen für ein Exilmuseum und die Ideenlosigkeit der Kulturpolitik

Thomas B. Schumann wirbt für sein
Exilmuseum. Foto: Bienert
Von Michael Bienert - In Berlin will ein erfolgreicher Kunsthändler sein Lebenswerk krönen, indem er der Stadt ein Museum schenkt, das dauerhaft an die von den Nazis vertriebenen Mitbürger und Künstler erinnert. Der Mann hat Geld und ein Netzwerk, aber keine Sammlung, die auf den Museumszweck zugeschnitten wäre. In der Nähe von Köln sitzt ein manischer Sammler in einem zweistöckigen Bungalow, vollgestopft mit 50.000 Büchern, vor allem von Exilautoren, mit Dokumenten, ganzen Nachlässen und 700 Bildwerken, die von exilierten Künstlern stammen. Seit zehn Jahren sucht der Rheinländer einen Ort und Unterstützung für ein Museum des Exils. Was läge also näher, als dass die beiden unternehmungslustigen älteren Herren sich zusammentun, um ihren Traum gemeinsam zu realisieren?

Montag, 19. März 2018

Im Theater (65): Sandra Leupold inszeniert Sciarrinos "Die tödliche Blume" in Lübeck

Theater Lübeck
Von Michael Bienert - Ist das schon Musik oder nur ein Nebengeräusch vom Sitznachbarn? In Salvatore Sciarrinos Oper "Die tödliche Blume" stellt sich diese Frage unvermeidlich. Fünffaches Pianissimo, das aus der Lautlosigkeit kommt und wieder aushaucht, wird den Musikern mehr als einmal abverlangt. Dabei sollen sie den Instrumenten laut Partitur höchst unkonventionelle Klänge entlocken. So erinnert der Orchesterklang bisweilen an elektronische experimentelle Musik der 1960er Jahre: Wie das brummt, haucht, sirrt, rappelt und trappelt, oft an der Grenze der Hörbarkeit, und wie sich das mit dem Räuspern und den Magengeräuschen des Nebenmenschen im Publikum vermengt!  Mucksmäuschenstill ist das geduldigste Opernpublikum nicht, und im Lübecker Stadttheater sitzen weniger Neue-Musik-Fanatiker als betagte Operngänger. Dass sie sich hörend wahrnehmen, ist vom Komponisten ganz sicher mitbedacht, ja erwünscht. Denn seine Oper soll nichts übertönen, sondern im Gegenteil: Sciarrino will den Hörsinn schärfen und damit die Welt ein bisschen besser machen. Sensibilisierung für das Ausgeblendete, Überhörte, nicht als Klang und Musik Akzeptierte ist das pädagogische Ziel. Weswegen das Publikum schon vor Beginn der Vorstellung im Foyer an Hörstationen Stimmen lauschen oder durch eine mit bunten Eierkartons ausgeschlagene Hörmuschel kriechen darf, in der das Geräusch der Menge von Schritt zu Schritt eine andere Farbe annimmt.

Sonntag, 11. März 2018

Im Theater (64): Brechts "Kreidekreis" als Fluchtgeschichte am Berliner Ensemble

Von Michael Bienert - Wer eine E-Gitarren-Allergie hat, muss um diese Inszenierung einen Bogen machen. Wer die Leadgitarre von Jimmy Page in Led Zeppelins "Dazed And Confused" schon immer liebte, kommt ganz sicher seine Kosten. Gut eineinhalb Stunden dröhnt, jault, zirpt und singt es aus dem Gitarrenverstärker ganz hinten auf der leeren Bühne des Berliner Ensembles, manchmal an der Schmerzgrenze. Der Gitarrist Kai Brückner baut live für die Ohren das fehlende Bühnenbild zu Brechts "Kaukasischem Kreidekreis" in der Regie des Hardrock-Liebhabers Michael Thalheimer. Es ist eine der Inszenierungen, mit denen Intendant Oliver Reese das Berliner Ensemble vor einem halben Jahr wiedereröffnet hat, die erste Brecht-Inszenierung unter der neuen Intendanz. Wie geht es weiter mit der Brecht-Aufführungstradition an diesem Haus, von dem - komme was da wolle - immer noch wegweisende Brecht-Inszierungen erwartet werden?

Freitag, 9. März 2018

Berliner Blätter in Altenburg. Das Lindenau-Museum zeigt Arbeiten aus der Sammlung Volker Sachse

Paul Paeschke, Potsdamer Platz (um 1919)
Von Michael Bienert - Verkehrschaos auf dem Potsdamer Platz, Boxkämpfe im Sportpalast, Straßenprostitution und triste Mietskasernen - das alles ist noch zum 10. Juni 2018 im Lindenau-Museum in Altenburg nachzuerleben. 2011 erbte das Haus eine mehr als 10.000 Blätter umfassende Sammlung von Druckgrafik des 20. Jahrhunderts, die der Berliner Jurist Volker Sachse seit den 1970er Jahren zusammengetragen hatte. Einen thematischen Schwerpunkt bildet darin das Berlin der Weimarer Republik, vertreten sind viele bekannte Namen - wie Kollwitz, Grosz, Schlichter, Barlach, Beckmann -, aber auch größere Konvolute mit Berlin-Ansichten weniger bekannter Zeitgenossen wie Hans Gabriel und Rudi Lesser. Die Sammlung Sachse wurde in den vergangenen Jahren erschlossen, kuratiert von der dafür zuständigen Mitarbeiterin Sophie Thorak zeigt das Haus nun eine aussagekräftige Auswahl von "Berliner Blättern" aus dem Zeitraum 1914 bis 1934.
Hans Gabriel, Spree mit Stadtbahnbögen
Es waren harte Jahre für die Berliner: Krieg, Lebensmittelknappheit, Revolution und Inflation mussten sie durchstehen, die wirtschaftliche und politische Stabilisierung ab 1924 währte nicht lange, schließlich führte die Weltwirtschaftskrise zu neuerlicher Verelendung, politischer Polarisierung und dem Untergang der Republik. Die Härte des damaligen Großstadtalltags ist in den meisten ausgestellten Kunstwerken zu spüren, vom angeblichen  Glanz der Zwanziger Jahre wenig zu sehen. Der Parcours durch die grafischen Arbeiten der Jahre endet in einem neu eingerichteten Oberlichtsaal mit farbintensiven Gemälden und Skulpturen aus der reichen Sammlung des Lindenau-Museums, unter anderem von Barlach, Kolbe, Dix und Conrad Felixmüller - das alles fügt sich zu einer inhaltlich plausiblen, klug gehängten und sorgfältig kommentierten Präsentation der Berliner Großstadtkunst der Zwanziger Jahre.

Ernst Oppler, Boxkampf im
Sportpalast (1920)
Berliner Blätter
Aus der Sammlung Volker Sachse
Lindenau-Museum Altenburg
Geöffnet täglich außer montags 12-18 Uhr,
am Wochenende 10-18 Uhr.
Bis 10. Juni 2018
www.lindenau-museum.de

Mittwoch, 31. Januar 2018

Max Reinhardts Reisetasche wieder in Berlin

Einen Kleinlaster voller Dokumente und persönlicher Gegenstände aus dem privaten Nachlass Max Reinhardts hat das Stadtmuseum Berlin erworben, zu welchem Preis, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Ein paar Stücke aus der Erwerbung wurden heute am Rand des Jahrespressekonferenz des Stadtmuseums gezeigt: eine offenbar viel benutzte Reisetasche des alle überragenden Berliner Theaterregisseurs des frühen 20. Jahrhunderts, ein von ihm selbst entworfenes Siegel, eine Krawattennadel und ein Zeitungsetui, Theaterzettel und das „Time“-Magazin mit dem Konterfei des vor den Nazis ins Exil geflohenen Theatermannes auf dem Titel. Der umfangreiche Bestand wird nun erschlossen und soll danach in der digitalen Sammlungspräsentation des Stadtmuseums recherchierbar sein. Das Stadtmuseum verfügt ohnehin über eine riesige theaterhistorische Sammlung, die Gegenstände aus den Besitz Max Reinhardts ergänzen sie um Objekte mit einer ganz persönlichen Aura.