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Freitag, 22. März 2013

Die Erschütterung der Sinne - im Dresdner Albertinum

Der Katalog hat 216
Seiten und kostet
29,90 Euro
Von Elke Linda Buchholz. Mit letzter Kraft erreicht der erschöpfte Räuber die Wasserquelle und beugt sich tief hinab, um das erfrischende Nass zu schlürfen. Hinter ihm erstreckt sich wüstes Land, menschenleer. So wie der nach Wasser lechzende Brigant auf Eugène Delacroix' um 1825 gemaltem Bild streben die Künstler der Gegenwart in die großen Museen, zu ihren Vorgängern, um sich daran zu laben. Das jedenfalls behauptet die Dresdener Ausstellung 'Die Erschütterung der Sinne'. Mit knapp achtzig Werken aus zweihundert Jahren will sie erkunden, wie das Museum als Ort der Inspiration funktioniert. Der dänische Maler Per Kirkeby bekannte, er gehe ins Museum, um zu klauen. Auch für Cézanne war, neben der Natur, der Louvre der größte Lehrmeister.

Dienstag, 19. März 2013

Schatzhaus für Picasso und Klee - das erweiterte Museum Berggruen ist wiedereröffnet

Stülerbau (links) und Kommandantenhaus
(rechts) wurden miteinander verbunden.
Von Elke Linda Buchholz. Noch schlummert der neu angelegte Bettina-Berggruen-Garten unter dem Berliner Frühjahrsschnee, aber die Kunst ist schon da. Zwei monumentale Figurengruppen hat der Gegenwartskünstler Thomas Schütte im Hofgarten des wiedereröffneten Berggruen-Museums aufgestellt. Die durch Stricke aneinandergefesselten 'United Enemies' scheinen unbeholfen auf Stelzenbeinen vorwärtszustreben. Ein Hinweis auf die deutsche Geschichte, wie der zur Eröffnung angereiste Olivier Berggruen, Sohn des Sammlers Heinz Berggruen, meint.
Als Sohn eines jüdischen Papierwarenhändlers in Berlin aufgewachsen war Heinz Berggruen 1936 emigriert und kehrte 1996 als erfolgreicher Kunsthändler mit seiner millionenschweren Privatsammlung in die Heimatstadt zurück. Seine exquisite Kollektion von Picasso, Klee, Matisse und Giacometti bezog ein neues Zuhause im klassizistischen Stülerbau gegenüber vom Schloss Charlottenburg. Jetzt weht auch vom Dach des benachbarten Kommandantenhauses die grüne Fahne des Museums: Das Haus hat Zuwachs bekommen. Längst wurde es in den intimen Räumen zu eng, zumal die Familie die Bestände nach dem Tod des Sammlers 2007 durch hochkarätige Dauerleihgaben passgenau ergänzte. Das Land Berlin stellte das historische Kommandantenhaus mit seinen blitzweißen, nobel zurückhaltenden Fassaden gratis zur Verfügung, der Bund bezahlte mit 7,6 Millionen den Umbau.

Montag, 18. März 2013

Im Theater (45): Die Gladowbande am Maxim-Gorki-Theater

Intendant Armin Petras verlässt das
Maxim-Gorki-Theater zum Spielzeitende.
Von Michael Bienert. Von der Bühne weht süßlicher Popcornduft in den Zuschauerraum. Auf dem Proszenium stehen Kinosessel für die Schauspieler, und als sich der hellblaue Vorhang öffnet, wird eine mit gemusterten Vorhängen und Bettlaken ausgeflickte Kinoleinwand sichtbar. Wochenschaubilder vom zerstörten Nachkriegsberlin flackern darauf, in apokalyptischen Schutthaufen schuften Trümmerfrauen. Die Stadt sieht nicht so aus, als könnte sie je wieder aufgebaut werden. Später flimmert über die Leinwand eine irre Schießerei mit Maschinenpistolen aus einem Al-Capone-Film. Der legendäre Mafiaboss war so etwas wie eine Ersatz-Vaterfigur für den jungen Werner Gladow, der mit seiner Bande das Nachkriegsberlin unsicher machte. Gladow war vierzehn, als der Krieg zu Ende ging, mit neunzehn wurde er als gefährlicher Schwerverbrecher geköpft.

Freitag, 8. März 2013

Forschungen zur Kulturgeschichte

Kein Aktenkeller ist uns zu tief und zu schimmlig, um an die harten Fakten zu gelangen, die wir für kommende Veröffentlichungen brauchen. Notfalls auch mit Atemschutzmaske wie in der vergangenen Woche. Wo? Das ist streng geheim.

Dienstag, 5. März 2013

Spiderman auf Speed: Martin Kippenberger im Hamburger Bahnhof

Das Zelt vor dem Hamburger Bahnhof gehört
nicht zur Kippenberger-Ausstellung, sondern
zu Martin Honerts "Kinderkreuzzug"
Sechzig Jahre sind doch kein Alter! Die Leute werden immer älter, von den heute lebenden Deutschen sollen nach Berechnungen von Demografen acht Millionen ihren 100. Geburtstag erleben. Allerdings gibt es auch Leute, die sich dem Trend zur Lebensverlängerung widersetzen. So einer war Martin Kippenberger. Vor sechzig Jahren im Ruhrpott geboren, ist er nun schon seit 16 Jahren tot.
Der Mann hatte es eilig: Schon zu seinem 25. Geburtstag brachte er im Selbstverlag das Buch „Vom Eindruck zum Ausdruck. Ein Vierteljahrhundert Kippenberger“ heraus. Rasend schnell und viel produzierte der Allroundkünstler zu Lebzeiten, rasend stiegen die Preise auf den internationalen Kunstmarkt nach seinem Tod. Nur an der Kunstmetropole Berlin ging der Boom bisher vorbei. Nun versucht sich nach der Tate Modern in London (2006) und dem MoMa in New York (2009) auch die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof an einer Retrospektive. Der 60. Geburtstag ist im schnelllebigen Kunstbetrieb ein willkommener Vorwand. Leider, denn so richtig ausgereift wirkt das Unternehmen nicht. Zeit und Mittel haben nicht gereicht, einen hilfreichen Katalog oder Ausstellungsführer zu produzieren, geschweige denn Kippenbergers Werk kritisch zu hinterfragen.

Freitag, 1. März 2013

Chamisso - das Magazin Nr. 8

Die Staatsbibliothek zu Berlin erschließt und digitalisiert den Nachlass des Dichters, Forschers und Weltreisenden Adelbert von Chamisso, ein Projekt, das wir seit Jahren begleiten und fördern. Für das Magazin Chamisso der Robert-Bosch-Stiftung hat Michael Bienert ein langes Interview mit den damit beschäftigten Wissenschaftlerinnen geführt. Außerdem werden die aktuellen Chamisso-Preisträger in dem Heft ausführlich porträtiert.
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Samstag, 23. Februar 2013

Ralph Hoppes Pankow

Wir waren im vergangenen Jahr kurz davor, ein Buch über die Geschichte Pankows zu schreiben, hatten auch schon einen Verlag und sind dann doch von diesem Projekt abgerückt - denn mit unserem Kollegen, Freund und Nachbarn Ralph Hoppe bei diesem Thema in Konkurrenz zu geraten, nein, das wollten wir uns nicht antun. Wenn jemand unseren Bezirk wie seine Westentasche kennt, dann Ralph Hoppe. Da hätten wir uns mächtig strecken müssen, um ein ähnlich profundes Buch zu schreiben und am Ende hätte vieles ausgesehen wie ein Plagiat. Liebe Pankower, kauft lieber das Original! Wir freuen uns mit Ralph Hoppe, dass seine Pankow-Geschichte nun aktualisiert und erweitert wieder lieferbar ist, herzlichen Glückwunsch!


Ralph Hoppe

Pankow

Zwischen Idylle und Metropole

Berlin Edition im be.bra Verlag
ca. 200 Seiten, über 50 Abb.
ISBN 978-3-8148-0198-8
soeben erschienen
14,95 €



Freitag, 22. Februar 2013

Schiller in Potsdam 1804, zweite Auflage

Der ausgefaltete Umschlag des Buntbuches Schiller in Potsdam 1804
hat eine frischere Farbe bekommen, das Heft acht Seiten mehr.
Manche Bücher verschwinden einfach vom Markt, weil der Verlag die Reihe einstampft, in der sie erschienen sind; manche erweisen sich als Longseller und werden nach Jahren neu aufgelegt, obwohl andere Verlage sie wegen angeblicher Erfolglosigkeit längst verramscht hätten. Schiller in Potsdam 1804 ist schon 2005 in der Reihe der Frankfurter Buntbücher publiziert worden. Seit einigen Monaten kümmert sich der regsame Verlag für Berlin und Brandenburg um den Buchhandelsvertrieb, mit so großem Erfolg, dass es nun eine 2. Auflage gibt - aktualisiert, erweitert, mit neuer Ausstattung durch den Leipziger Typografieprofessor Günter Karl Bose. Gestern abend wurde der Titel in der Brandenburgischen Landesvertretung vor großem Publikum präsentiert, als wärs eine spektakuläre Neuerscheinung - uns soll das nur recht sein. Es gibt ja auch Neues zu entdecken! Wer dieser Tage das alte Potsdam wie Schiller über die Lange Brücke betritt, sieht plötzlich wieder das, was auch der Dichter gesehen hat, nämlich das rekonstruierte Stadtschloss: So rückt Potsdam wieder näher an die Geschichte heran, von der das Buntbuch erzählt.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Stadterkundungen zur Bücherverbrennung 1933 - jetzt zum Selbermachen

Stadtführungen zu Exilautoren wie Bertolt Brecht und Joseph Roth bieten wir schon seit vielen Jahren an. Zum 60. Jahrestag der Wiederkehr der nationalsozialistischen Bücherverbrennung haben wir ein Konzept erarbeitet, wie Schüler, Lehrer und andere interessierte Gruppen selbständig eine Stadterkundung zum Thema recherchieren und durchführen können.
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Sonntag, 10. Februar 2013

Baden in Blau - Eine Nacht im "Tauten Heim" in der Hufeisensiedlung Britz

Von Elke Linda Buchholz - Beim Aufwachen fällt der Blick auf die blauen Wände des Schlafzimmers. Was für ein Blau! Der Kalender auf dem Schreibtisch zeigt den 21. Januar. Das Datum stimmt. Nur die Jahreszahl irritiert: 1931. Wie es damals wohl hier war, als die Erstmieter ihr neues Domizil bezogen? Einfache Leute werden es gewesen sein, kleine Angestellte oder Beamten, vielleicht mit Kindern. Ob ihnen das Blau im Schlafzimmer gefiel? Intensiv, fast leuchtend ist es einfach da. Überhaupt nicht kühl, eher zärtlich. Eine Farbe voller Anmut, Klarheit und Eigensinn. So wie das ganze kleine Haus, das vom flachen Pultdach bis zur Originaltürklinke denkmalgerecht wiederhergestellt in der Britzer Hufeisensiedlung auf Feriengäste wartet. Wer sich hier einquartiert, findet sich unversehens auf einer Reise in die späten Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre: in die Ära des Architekten Bruno Taut, der mit seinen Berliner Reformsiedlungen für Kleinverdiener tausende von Wohneinheiten entwarf. Heute stehen sie auf der UNESCO-Welterbeliste. Weiterlesen