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Montag, 5. Februar 2024

Weltkulturerbe in der Erich-Weinert-Straße (Video)

Foto: Dagmar Lembke

Michael Bienert spaziert mit dem rbb-Moderator Andreas Jacob durch die Wohnsiedlung "Carl Legien" von Bruno Taut. Den Beitrag aus dem rbb-Heimatjournal vom 3. 2. 2024 kann man hier anschauen: https://www.rbb-online.de/heimatjournal/videos/weltkulturerbe-in-der-erich-weinert-strasse.html

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Berlin in der Krise (1929-1933) - Literarische Expeditionen zum Nachhören

Auf der berlinhistoryapp ist seit Kurzem ein literarischer Audioguide ins Berlin der Weltwirtschaftskrise verfügbar. Die 22 Hörstationen sind bestückt mit Texten u. a. von Irmgard Keun, Erich Kästner, Marieluise Fleißer, Gabriele Tergit, Hans Fallada, Wolfgang Koeppen und Siegfried Kracauer. Ein Projekt des Vereins Aktives Museum in Zusammenarbeit mit Michael Bienert.

Zugang: Einfach die kostenlose berlinhistoryapp aufs Handy laden und den Layer "Aktives Museum" wählen.

Mittwoch, 29. September 2021

Romantik im Doppelpack

Geschafft! Der Webmaster muss nur noch darauf warten, dass Brüderchen und Schwesterchen aus der Druckerei kommen. Ende Oktober 2021 werden DAS ROMANTISCHE BERLIN und E. T. A. HOFFMANNS BERLIN im Buchhandel erhältlich sein (Verlag für Berlin-Brandenburg, 176 bzw. 184 Seiten, jeweils über 150 Abbildungen, meist in Farbe, pro Band 25 Euro). In beiden Bänden spielt Adelbert von Chamisso eine Rolle, im ROMANTISCHEN BERLIN ist er sogar von ganz zentraler Bedeutung. Denn das Buch schildert einen Siebenmeilen-Spaziergang durch Raum und Zeit mit einem Ururururenkel von Peter Schlemihl, der berühmtesten Figur des Dichter Chamisso. Pierre Schlemihl ist wie sein Vorfahr Naturwissenschaftler und hat eine starke Neigung zur Poesie. Er führt die Leser ins Berlin von Kleist, Heine, Eichendorff, Tieck, Rahel, Henriette Herz und vielen anderen Zeitgenossen...

Montag, 12. Juli 2021

Goldstaub für die Ohren

Goldstaub - das ist ein Podcast von Arne Krasting und Else Edelstahl, der ganz und gar den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewidmet ist. In der 21. Folge sind Michael Bienert und die Schauspielerin Fritzi Haberlandt zu Gast; Anlass ist die Irmgard-Keun-Woche im Literaturforum im Brecht-Haus (https://lfbrecht.de/projekte/irmgard-keun-woche/programm/ ), das Thema sind die Romane von Irmgard Keun und das Berlin der frühen 1930er-Jahre.

https://www.gold-staub.de/ 

https://goldstaub.podigee.io/21-keun

Donnerstag, 10. Juni 2021

Das romantische Berlin. Literarische Schauplätze

Eine junge Generation stellte um 1800 in Berlin alle überkommenen Traditionen infrage. „Die Welt muss romantisiert werden“, lautete die Parole der radikalen Avantgarde. Die junge Großstadt wurde zum Experimentallabor für eine neue Poesie und eine Vermischung von Kunst und Leben, für entfesselte Sexualität und die Befreiung aus einer zu engen Vernunft. Männer- und Frauenrollen kamen auf den Prüfstand und wurden neu ausbalanciert. 

Im sechsten Band der Buchreihe Literarische Schauplätze wandert ein Stadtführer mit Siebenmeilenstiefeln durch das heutige Berlin. Er sucht nach sichtbaren Spuren der Romantik und fragt: Was hat es mit dem Kleisthaus und der Eichendorffgasse, mit dem Dorothea-Schlegel-Platz oder dem Humboldt Forum auf sich? Wo waren die Treffpunkte romantischer Netzwerke? Welche Orte inspirierten vor 200 Jahren zu verträumten oder frechen Texten über Berlin? Auf dem romantisierenden Streifzug kommen viele Stimmen zu Wort: Bettine von Arnim und Rahel Varnhagen, Goethe und Schiller, Heine und Tieck, Kleist und Eichendorff, auch Durchreisende wie Napoleon, Stendhal und Germaine de Staël - und selbstverständlich Adelbert von Chamisso!

Das neue Buch von Michael Bienert erscheint im Oktober 2021 zusammen mit der 2. Auflage von E. T. A. Hoffmanns Berlin in gleicher Ausstattung.

Michael Bienert: Das romantische Berlin. Literarische Schauplätze, ca. 200 Seiten, ca. 200 Abbildungen Hardcover mit Schutzumschlag,  Format: 21,0 x 22,5 cm,  ISBN 978-3-96982-024-7, € 25,00

Donnerstag, 1. April 2021

Der vergessene Garten der TU Berlin. Entdeckungsreise mit einem Buch von Dorothea Zöbl

Borsigs Arkaden auf dem TU-Gelände


Von Michael Bienert. Viel altes Berlin kennt man nur von Postkarten, Zeichnungen, alten Fotos. Umso verblüffender, wenn dann plötzlich etwas dasteht, das völlig verschwunden schien. So ist es mir dieser Tage mit der Borsigschen Maschinenbaufabrik an der Chausseestraße gegangen und mit dem alten Berliner Dom im Lustgarten. Beides wurde in der Kaiserzeit abgerissen, um Platz für Neues zu schaffen. Doch zur selben Zeit plante Berlin einen neuen Wissenschaftscampus im Neuen Westen, in Charlottenburg, auf dem heutigen TU-Gelände. Als Anschauungsobjekt für den Architekturunterricht und das Fach Ornamentzeichnen wurden hinter dem neu errichteten Riesenbau der Technischen Hochschule zierliche Arkaden wiederaufgebaut, die dreißig Jahre den Eingangsbereich der Borsigschen Fabrik von der Straße getrennt und den Arbeitern in der Pausen Schutz vor Regen geboten hatten. Und auch eine elf Meter hohe ionische Säule des Schinkeldoms fand in der Nähe einen neuen Platz und diente fortan als Muster für angehende Architekten. 

Entdeckt habe ich die Spolien durch einen Zufall: In der Senatsbibliothek fiel mein Blick auf eine Neuerwerbung, Dorothea Zöbls „Der vergessene Garten der TU Berlin“ (Gebrüder Mann Verlag, 2019, 140 Seiten, 29,90 Euro). Ein wunderbar gelungener, hervorragend illustrierter Stadtteilführer, der die Augen für die historischen Schichtungen öffnet im Dreieck zwischen Ernst-Reuter-Platz, Straße des 17. Juni, Fasanen- und Hardenbergstraße. Bis in die 1950er-Jahre durchschnitt dieses Gelände die Kurfürstenallee, inzwischen zur Flanierstrecke umgewandelt, mit reizvollen Einblicken in die Bildhauerateliers der Universität der Künste und die kleine Fabrikstadt, die seit der Kaiserzeit die ehemalige Technische Hochschule mit Wärme und Strom versorgte. Zur Zeit ist man da fast ganz alleine, denn die TU-Institute sind wegen Corona für den Publikumsverkehr geschlossen. Der Campus aber ist weiterhin für Spaziergängerinnen und Spaziergänger zugänglich. 

Zöbls Buch ruft auch politische Geschichte in Erinnerung, etwa die Sitzungen des Deutschen Bundestages, der in den 1950er-Jahren im neusachlichen Physikgebäude tagte. Dort am Eingang erinnert immerhin eine Tafel an Ernst Ruska, nach dem der Bau heute benannt ist: Ruska erfand um 1934 Elektronenmikroskop und erhielt 1986 den Physiknobelpreis. Überhaupt wundert man sich, wie wenig Information zur Geschichte auf dem Campus zu finden ist. Dorothea Zöbls Buch geht von den Spolien aus und befragt diese Fundstücke detektivisch nach den komplexen historischen Zusammenhängen, in denen sie standen. Es ist ein großes berlinologisches Vergnügen, ihrer Recherche zu folgen. 

Zu den Verlagsinformationen über das Buch 

Montag, 29. März 2021

Bülowstraße 90 - ein neues Video und eine Dokumentation zu einem Haus mit bewegter Geschichte

Das Haus Bülowstraße 90 hat eine bewegte Vergangenheit: Es war Verlagshaus des S. Fischer Verlags, Sitz verschiedenster Firmen, es wohnten dort Rechtsanwälte, Malerinnen und Ärzte. In der NS-Zeit wurde es den jüdischen Besitzern abgepresst und vom Reichsmarineamt genutzt. Jetzt macht die Gewobag ein Labor für künftige Wohn- und Arbeitsformen aus dem Haus. In der neuesten Folge seiner Videokolumne "Fragen Sie mal..." unternimmt Michael Bienert einen Spaziergang durch das Gebäude und seine Geschichte: https://youtu.be/8Cqy87HJ9Lo 

Eine ausführliche Dokumentation zur Geschichte des Hauses steht hier kostenlos zum Download bereit: 

https://www.buelow90.berlin/wp-content/uploads/2020/10/Buelow_90_Dokumentation_Version4_oeffentlich_web.pdf






 

Samstag, 6. März 2021

Eine neue Gedenktafel für Erich Kästner in Berlin

"An der Prager Straße 6-10 ... hängt ... eine Gedenktafel, die an Kästners Berliner Unterkunft erinnert. Doch Vorsicht! Zwei der Jahreszahlen auf der Tafel sind falsch", warnt Michael Bienert in seinem Buch "Kästners Berlin". In der 6. Auflage allerdings muss das revidiert werden, denn der Verein Aktives Museum hat sich dafür eingesetzt, dass die alte Tafel ausgetauscht wurde. Viel sichtbarer als bisher hängt sie seit ein paar Tagen unter dem Wandbild, das an das Cover des Romans "Emil und die Detektive" erinnert. Sehr passend, denn im Haus befindet sich eine Kita. Die neue Tafel gibt die Adresse und den Standort von Kästner Wohnung genau an, der Zeitpunkt seines Auszuges und das Erscheinungsjahr von "Emil und die Detektive" wurden korrigiert. Zwei Fotos von Heike Stange zeigen die erneuerte Tafel im März 2021 am neuen Standort, das Foto mit der Hausnummer 6 zeigt den alten Zustand und stammt aus dem Jahr 2020 (Archiv Michael Bienert).




 

Dienstag, 10. November 2020

Rockige Gedichte aus Friedenau

Von Michael Bienert
. Und malt und malt und malt. Ein Foto zeigt den Künstler Peter Schlangenbader, Jahrgang 1953, am Schlagzeug inmitten seiner wilden Bilder und das trifft sehr genau das Lebensgefühl, das einem aus seinem Werk entgegenspringt. Seine Malerei ist – sehr laut, sehr farbintensiv, sehr fleischlich. Großstadtmalerei in der Tradition des Expressionismus und der Neuen Wilden der 1980er-Jahre; wie fröhlich, wild, geil spritzt das über die Leinwand, man wird fast ein wenig west-berlinisch-wehmütig und dann wieder froh, weil es sowas noch gibt. Viel nackte Männlein und Weiblein mit unverkennbaren Geschlechtsmerkmalen („Universum der Lust“), aber wie sie leuchten! Das scheinbar Obsessiv-Hingerotzte hat malerische Raffinesse. So ist es ja auch mit durchschlagenden Punk- und Rocksongs, die simpel gestrickt sind. Da entscheidet auch die richtige Klangfarbe über Sein oder Nichtsein. Nennen wir Schlangenbaders Werke einfach: klingende Bilder.
Seit Jahren tobt sich Schlangenbader in seinem Souterrain-Atelier in der Niedstraße 14 in Friedenau aus, im selben Haus, in dem von 1911 bis 1933 der geistesverwandte „Brücke“-Maler Karl Schmitt-Rottluff arbeitete. Nicht weit davon hat das Ehepaar, das den Verlag Friedenauer Brücke führt, vor einiger Zeit eine neue Bleibe in einer Altbauwohnung gefunden. Etliche großformatige Bilder von Friedenauer Künstler lehnen an den Wänden und wissen noch nicht so genau wohin. Hermann Ebling und Evelyn Weissberg haben 2016 einen wunderbunten Werkkatalog Schlangenbaders herausgegeben und nun auch seinen ersten Gedichtband ZOMBY VEGAN. Schlangenbader schreibt so eruptiv wie er malt, auch hierbei sind der Einfluss des Berliner Großstadtexpressionismus um 1900 und der Neuen Deutschen Welle nicht zu überhören: „Wenn ich deine Aura seh / brauch ich Reanimation / auf der Intensivstation…“ Nicht fehlen darf eine Ode an Berlin, in der „grell“ sich auf „datenschnell“ reimt, „Cartier“ auf „Heilsarmee“ und die mit dem Bekenntnis endet: „fick dich Berlin / ich lieb dich Berlin / City an der Spree“. Großstadtmelancholie und kannibalische Fantasien kommen ziemlich roh und unverstellt zur Sprache. Das „Virus“ paart sich hier nicht mit Depression, sondern mit einem „Liebeskuss“. Das ist nicht die filigranste Dichtkunst, sie hat aber – wie die Bildwerke Schlangenbaders – einen ruppigen Charme.
Das Verlegerpaar hat aus diesem Sprachmaterial, aus Zeichnungen und Gemälden Schlangenbaders ein kleines Buch zu komponiert, das als rotzfreches Gesamtkunstwerk ein bibliophiles Vergnügen ist. Fein habt ihr das hinbekommen! Ein hübsch rockiger Farbfleck ist das in der überreichen Literaturgeschichte Friedenaus: „Sanft umwoben / von klugen Geistern / gelegentlich auch / bösen Fratzen / lebt dieser Ort / romantisch friedlich / blumenduftig /vor sich hin / inmitten der irrwitzig /delirierenden Stadt / atmet jeder hier / spicy Brodem / von dem was war / ist und wird.“
 
PETER SCHLANGENBADER: DAS NACKTE SEIN
Bilder, Zeichnungen, Collagen, Objekte
207 Seiten
Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2016
ISBN: 978-3-9816130-3-2
49,00 €
 
PETER SCHLANGENBADER: ZOMBY VEGAN
Gedichte, Zeichnungen, Bilder
99 Seiten
ISBN: 978-3-9816130-8-7
Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2020
25,00 €
Mehr über den Künstler:
 

 

 

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Das kunstseidene Berlin (2020, Making-of)

 

Mit der Kamera begleitet Leon Buchholz den Autor Michael Bienert in den letzten Tagen vor der Drucklegung seines neuen Buches "Das kunstseidene Berlin". Der Buchgestalter Ralph Gabriel und der Verleger André Förster sprechen über das Besondere der Buchreihe "Literarische Schauplätze", in der bereits Bücher über Erich Kästner, Bertolt Brecht, Alfred Döblin und E. T. A. Hoffmann erschienen sind. Nun folgt der Literaturdetektiv Michael Bienert in "Das kunstseidene Berlin" erstmals einer schreibenden Frau und ihren Figuren durch die Stadt. Neben den Schauplätzen des Romans "Das kunstseidene Mädchen" (1932) kommen viele unbekannte Berliner Orte in den Blick, die im Leben der Schriftstellerin Irmgard Keun (1905-1982) eine Rolle gespielt haben. 

Michael Bienert: Das kunstseidene Berlin. Irmgard Keuns literarische Schauplätze, Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2020, 200 Seiten, 208 Abbildungen, 25 Euro 
 
Das Buch erscheint am 29. Oktober 2020. 
 

Mittwoch, 23. September 2020

Das kunstseidene Berlin. Irmgard Keuns literarische Schauplätze. Buch, Lesung, Stadtführungen

Mit Romanen über junge, selbstbewusste Frauen, die in der Gesellschaft der Weimarer Republik ihren Weg suchen, machte Irmgard Keun im Berlin der Weltwirtschaftskrise Furore. Die Nationalsozialisten verboten ihre Bücher und vertrieben sie ins Exil. Heute zählt Das kunstseidene Mädchen zu den Klassikern der Berlin-Literatur. Mit großem Sprachwitz schildert der Roman die Odyssee der minderjährigen Doris durch Bars und Betten, Mietskasernen und Luxuswohnungen, Kinos und Bahnhofswartesäle.
Michael Bienerts neues Buch Das kunstseidene Berlin stellt erstmals alle Schauplätze mit Fotos, Adressen und Dokumenten vor. In den Blick kommen auch die Kindheitsorte Irmgard Keuns, die in Charlottenburg geboren wurde und in Wilmersdorf zur Schule ging, ehe die Familie nach Köln umzog. Erzählt wird, wie Keun 1931 in Berlin einen Verlag fand, wie sie sich 1933 in einen „nichtarischen“ Charité-Arzt verliebte und versuchte, als unerwünschte Autorin im nationalsozialistischen Deutschland zu überleben. Unbekannte Briefe und Dokumente aus Archiven beleuchten ihre damalige Schreibsituation und ihre Kontakte nach Ost-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Entdeckungsreise auf den Spuren einer herausragenden Autorin der Moderne streift das Berlin der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, der NS-Zeit, der frühen DDR-Jahre – und verliert die Gegenwart nie aus dem Blick. 

Das Buch erscheint Ende Oktober 2020. Weitere Infos und alle Veranstaltungstermine unter http://www.text-der-stadt.de/Das_kunstseidene_Berlin.html

Montag, 6. Juli 2020

Mit John Heartfield durch Berlin - ein Sommerstreifzug

John-Heartfield-Ausstellung in der Akademie der Künste
Von Michael Bienert Als SA-Männer an der Wohnungstür rumorten, rettete sich der Künstler durch einen Sprung vom Balkon. Zum Glück lag die Wohnung im Hochparterre. Im Hof diente der ausgediente Leuchtreklamekasten eines Friseurs als Versteck. Ohne Papiere floh John Heartfield aus Berlin ins schlesische Oberschreiberhau und überquerte an Ostern 1933 die grüne Grenze nach Tschechien zu Fuß. In Prag tauchte er dann im Café Continental auf, wo andere deutsche Emigranten schon auf ihn warteten.
Das Adressbuch „Künstlerspuren“ von Detlef Lorenz nennt als Ort der Beinahe-Verhaftung das Haus Bleibtreustraße 7, am S-Bahnhof Savignyplatz gleich neben der Stadtbahn. Die alten Berliner Adressbücher verzeichnen keinen Heartfield oder Herzfeld, wie er bürgerlich hieß, nur den Bruder und Malik-Verleger Wieland Herzfelde, der am Kurfürstendamm 76 wohnte. In der Bleibtreustraße 7 gab es mehrere Künstlerateliers und einen Friseur – das alles passt schon.
Heute erinnern fünf Stolpersteine vor dem Haus an die Familie des Diamantenhändlers Abraham Wysniak, dessen Frau Dvora und Tochter Asta im Warschauer Ghetto starben. An der Bleibtreustraße 15 hängen Gedenktafeln für den 1933 vertriebenen Kunsthändler Alfred Flechtheim und die Schauspielerin Tilla Durieux. Und an der Nummer 10/11 gibt es den Hinweis auf die „alte Wunde, unvernarbt“ Mascha Kalékos, die 1974 in ihrem Gedicht „Bleibtreu heißt die Straße“ schrieb: „Hier war mein Glück zu Hause. Und meine Not. / Hier kam mein Kind zur Welt. / Und mußte fort. / Hier besuchten mich meine Freunde / Und die Gestapo.“ Eine Gedenktafel für John Heartfield würde die Betextung der Bleibtreustraße gut ergänzen. Weiterlesen

Dienstag, 23. Juni 2020

Spaziergang durch die Flusspferdhofsiedlung

Sie wurde erst Mitte der 1930er-Jahre fertiggestellt, ist aber ein herausragendes Beispiel für den sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik: die Flusspferdhofsiedlung der Architekten Paul Mebes und Paul Emmerich in Lichtenberg. Wie sie zu ihrem kuriosen Namen kam und warum sie unter Denkmalschutz steht, erklärt der Berlinologe Michael Bienert in seiner neuen Videokolumne: https://www.gewobag.de/sowohntberlin/bienert-flusspferdhofsiedlung/

Dienstag, 2. Juni 2020

Berliner Weltkulturerbe - online

Eine hervorragend programmierte und gestaltete, äußerst informationsreiche Website zu den Welterbesiedlungen und dem Wohnungsbau der Weimarer Republik in Berlin ist online gegangen. Neben vielen Fotos, Fakten und Geschichten über die denkmalgeschützten Gebäude und Ensembles greift die Website einzelne historische Themen auf, stellt aktuelle Bezüge her und kombiniert diese mit Aufgaben, die den eigenen Blick schärfen und sich somit auch gut für den Einsatz in der Jugend- und Erwachsenenbildung eignen. Dazu präsentieren die Autoren zahlreiche Hintergrundinfos aus den künstlerisch, gestalterisch, sozial und politisch bewegten 1920er-Jahren. Komplettiert wird das Ganze durch eine Einführung in die Berliner Stadtgeschichte, die ebenfalls bewegten Biografien der wichtigsten Planer und Bewohner sowie ein umfangreiches Glossar. https://welterbe-siedlungen-berlin.de/

Samstag, 7. März 2020

3x Moderne im Bücherbogen, 11. März 2020, 19.30 Uhr


3 x Moderne im Berliner Südwesten 
Vorstellung der dreiteiligen Buchreihe
NEUES BAUEN / NEUES WOHNEN / NEU GROSS GRÜN

Ort: Buchhandlung Bücherbogen am SavignyplatzTermin: 11. März 2020, 19.30

Vor genau 100 Jahren entstand Berlin, wie wir es kennen: Im April 1920 beschloss die Preußische Landesversammlung die Gründung der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin. Wie sich Stadtplanung und Architektur mit dem Groß-Stadt-Menschen und seiner Lebenswelt verbinden, veranschaulicht die Begleitpublikation zur laufenden Ausstellung NEU GROSS GRÜN. Die ebenso reich bebilderten Publikationen zum NEUEN BAUEN (2018) und NEUEN WOHNEN (2020) nehmen die weniger bekannte Architekturmoderne im Berliner Südwesten in den Blick.

Montag, 2. März 2020

Die Zwanziger Jahre auf ARTE

Im vergangenen Jahr hat Michael Bienert als Experte für das Berlin der Weimarer Republik mit der französischen Journalistin Lisa Kroh gedreht - in der Ackerstraße, der Reichsforschungssiedlung Haselhorst und im Haus des Rundfunks -, jetzt ist ihr ARTE-Reisefeuilleton gesendet worden und noch bis 30. April online: https://www.arte.tv/de/videos/091152-041-A/stadt-land-kunst/ (Minute 18 bis 31 der Sendung). Besonders schön geworden sind die Aufnahmen aus dem Kino Babylon und von der grandiosen Innenarchitektur Hans Poelzigs im Haus des Rundfunks, aus einer Berliner Kneipe und einem Kostümverleih in Friedrichshain.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Wo bitte gehts zur Revolution? Zwei Neuerscheinungen zu Berliner Schauplätzen im Winter 1918/19

Revolutionäre vor dem Brandenburger Tor, 1918
Von Michael Bienert. In wenigen Tagen soll sich Berlin in eine aufgeschlagenes Geschichtsbuch verwandeln: Mehrere Ausstellungen zur Novemberrevolution werden eröffnet und 100 Orte in der Stadt sollen als Schauplätze revolutionärer Ereignisse im Winter von 100 Jahren markiert werden. Dazu findet man bereits eine Onlinekarte auf der Website des stadtweiten Projekts 100 Jahre Revolution. Pünktlich zum Jubiläum sind an der Baustelle des Humboldt-Forums die Gerüste vor der wiederaufgebauten barocken Fassade des Berliner Schlosses gefallen: Einer der zentralen Schauplätze der Auseinandersetzungen ist wieder sichtbar geworden. Welche Rolle genau das Schloss in den Novembertagen spielte, beleuchtet der erste Band der Buchreihe Im Fokus: Er rekonstruiert die Ereignisse um die Ausrufung der ersten sozialistischen Republik durch Karl Liebknecht am 9. November 1918 am Schlossplatz, sowie die Mythenbildung, die dazu führte, dass das Portal IV des Berliner Schlosses künftig doppelt vorhanden sein wird.