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Donnerstag, 25. Januar 2024
Das Romanische Café - Ausstellung bis 31. Januar 2025 im Europa Center
Mittwoch, 16. März 2022
Sonntag, 27. Juni 2021
Spaziergänge durch Irmgard Keuns kunstseidenes Berlin - wieder ab Juli 2021!
Im fünften Band seiner Buchreihe "Literarische Schauplätze" hat Michael Bienert "Das kunstseidene Berlin" der Weimarer Republik vorgestellt (vbb 2020, 200 Seiten, 25 Euro), nun führt er nach langer Corona-Pause wieder durchs Berlin Irmgard Keuns.
Um Abstandsregeln einhalten zu können, ist die Teilnehmerzahl ist auf ca. 15 Personen begrenzt. Voranmeldung und Angabe von Kontaktdaten ist erforderlich unter: kunstseide@text-der-stadt.de
Der genaue Treffpunkt am Kurfürstendamm wird bei Anmeldung bekannt gegeben.
Preis pro Person: 8 Euro (keine Ermäßigungen).
Termine: Samstag, 10. Juli 2021, 14 Uhr; Freitag 16. Juli 2021, 16 Uhr; Samstag, 17. Juli, 14 Uhr
Montag, 29. März 2021
Bülowstraße 90 - ein neues Video und eine Dokumentation zu einem Haus mit bewegter Geschichte
Eine ausführliche Dokumentation zur Geschichte des Hauses steht hier kostenlos zum Download bereit:
Mittwoch, 11. November 2020
Mit Michael Bienert auf den Spuren von Irmgard Keun und Kästner in Berlin - ein Porträt
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| Michael Bienert. Foto: Leon Buchholz |
https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/berlin-literarisch-mit-michael-bienert-und-irmgard-keun-an-der-gedaechtniskirche-li.116798
Mittwoch, 14. Oktober 2020
Das kunstseidene Berlin (2020, Making-of)
Mit der Kamera begleitet Leon Buchholz den Autor Michael Bienert in den letzten Tagen vor der Drucklegung seines neuen Buches "Das kunstseidene Berlin". Der Buchgestalter Ralph Gabriel und der Verleger André Förster sprechen über das Besondere der Buchreihe "Literarische Schauplätze", in der bereits Bücher über Erich Kästner, Bertolt Brecht, Alfred Döblin und E. T. A. Hoffmann erschienen sind. Nun folgt der Literaturdetektiv Michael Bienert in "Das kunstseidene Berlin" erstmals einer schreibenden Frau und ihren Figuren durch die Stadt. Neben den Schauplätzen des Romans "Das kunstseidene Mädchen" (1932) kommen viele unbekannte Berliner Orte in den Blick, die im Leben der Schriftstellerin Irmgard Keun (1905-1982) eine Rolle gespielt haben.
Mittwoch, 23. September 2020
Das kunstseidene Berlin. Irmgard Keuns literarische Schauplätze. Buch, Lesung, Stadtführungen
Mit Romanen über junge, selbstbewusste Frauen, die in der Gesellschaft der Weimarer Republik ihren Weg suchen, machte Irmgard Keun im Berlin der Weltwirtschaftskrise Furore. Die Nationalsozialisten verboten ihre Bücher und vertrieben sie ins Exil. Heute zählt Das kunstseidene Mädchen zu den Klassikern der Berlin-Literatur. Mit großem Sprachwitz schildert der Roman die Odyssee der minderjährigen Doris durch Bars und Betten, Mietskasernen und Luxuswohnungen, Kinos und Bahnhofswartesäle.
Michael Bienerts neues Buch Das kunstseidene Berlin stellt erstmals alle Schauplätze mit Fotos, Adressen und Dokumenten vor. In den Blick kommen auch die Kindheitsorte Irmgard Keuns, die in Charlottenburg geboren wurde und in Wilmersdorf zur Schule ging, ehe die Familie nach Köln umzog. Erzählt wird, wie Keun 1931 in Berlin einen Verlag fand, wie sie sich 1933 in einen „nichtarischen“ Charité-Arzt verliebte und versuchte, als unerwünschte Autorin im nationalsozialistischen Deutschland zu überleben. Unbekannte Briefe und Dokumente aus Archiven beleuchten ihre damalige Schreibsituation und ihre Kontakte nach Ost-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Entdeckungsreise auf den Spuren einer herausragenden Autorin der Moderne streift das Berlin der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, der NS-Zeit, der frühen DDR-Jahre – und verliert die Gegenwart nie aus dem Blick.
Das Buch erscheint Ende Oktober 2020. Weitere Infos und alle Veranstaltungstermine unter http://www.text-der-stadt.de/Das_kunstseidene_Berlin.html
Freitag, 24. Juli 2020
Berlin Alexanderplatz - Roman und Neuverfilmung
Wie sieht Berlin aus der Perspektive eines An-den-Rand-Gedrängten aus, wie fühlt es sich an, nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen zu können? Davon erzählt die Neuverfilmung von Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“, die in der Gegenwart spielt, aber der Geschichte von Franz Biberkopf treu bleibt. Von Michael Bienert. Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ macht es heutigen Leserinnen und Leser nicht leicht. In der literarisch inszenierten Vielstimmigkeit der Großstadt der Zwanzigerjahre die Übersicht zu behalten, ist schon schwer genug. Die Geschichte des Kleinkriminellen und Zuhälters Franz Biberkopf droht darin zu zerfasern. Dabei ist sie sehr exakt im damaligen Milieu und der Topographie um den Alexanderplatz verankert, ja man kann Biberkopfs Wegen sogar nachgehen. Doch der Charakter der Gegend und ihrer Bewohner hat sich völlig verändert: War das Scheunenviertel einst Synonym für Armut, Kriminalität, Prostitution, so ist es heute nur noch eine pittoreske Altstadtkulisse für Touristen, Nachtschwärmer und wohlhabende Besitzer von Eigentumswohnungen.
Unvertraut sind uns auch die (natur-)philosophischen Reflexionen Döblins, die in der Geschichte von Franz Biberkopf mitschwingen, sozusagen ihr metaphysischer Überbau. (Döblin hätte eher vom Unterbau gesprochen.) Die Interpretationen des vielschichtigen Romans gehen weit auseinander und vielfach laufen sie darauf hinaus, das ausufernde Werk in Teilen für genial, in anderen für unverständlich, verblasen, uninteressant oder kolportagehaft zu erklären. Die Komplexität eines 90 Jahre alten Avantgarde-Romans, der in einer verschwundenen Stadt in einem ausgelöschten Milieu spielt, ist nicht verfilmbar, das haben der Regisseur Burhan Qurbani und sein Co-Drehbuchautor Martin Behnke erkannt. Sie haben eine klare Konsequenz daraus gezogen. Der Film konzentriert sich voll und ganz darauf, die Geschichte von Franz Biberkopf in unsere Gegenwart zu übersetzen. Anders als der sperrige Roman kommt die Verfilmung dem Publikum weit entgegen: mit einer Handlung, die im heutigen Berlin spielt, mit einem farbigen Francis B., der sich als illegaler Einwanderer aus Afrika in der Unterwelt Berlins durchschlägt, mit einer schlanken Dramaturgie und streckenweisen opulenten Filmästhetik.
Aber der Film verrät die Vorlage damit nicht, im Gegenteil. Zwar bleibt die Komplexität der großen Stadt, von der Döblins Stadtsprachencollage erzählt, außen vor. Dafür wird die Geschichte von Franz Biberkopf hier überraschend durchsichtig – auch auf Intentionen des Autors hin. Döblin wollte den Blick des bürgerlichen Lesepublikums auf einen Mann vom Rand der Gesellschaft lenken, der dazu gehören möchte: „Ick will anständig sein.“ Der aus der Haftanstalt Tegel entlassene Biberkopf wird von dem Milieu, aus dem er stammt, sofort wieder aufgesogen, rutscht in die Kriminalität ab. Im Film schwört der dem Tod im Mittelmeer entkommene Francis, fortan gut zu sein, er scheitert mit diesem Vorsatz jedoch immer wieder in Milieus, in denen das Gesetz des Stärkeren und gnadenlose Ausbeutung herrschen. Was für den alten Franz Biberkopf das Scheunenviertel war, wird für den neuen das Drogendealermilieu in der Hasenheide. Es fängt ihn auf, als er seinen ersten Job als illegaler Arbeiter auf einer Berliner U-Bahn-Baustelle verliert, nachdem er einen verletzten Kollegen in ärztliche Behandlung gegeben hat, statt den Unfall zu vertuschen.
Weiterlesen auf www.text-der-stadt.de
Dienstag, 2. Juni 2020
Berliner Weltkulturerbe - online
Samstag, 7. März 2020
3x Moderne im Bücherbogen, 11. März 2020, 19.30 Uhr
NEUES BAUEN / NEUES WOHNEN / NEU GROSS GRÜN
Vor genau 100 Jahren entstand Berlin, wie wir es kennen: Im April 1920 beschloss die Preußische Landesversammlung die Gründung der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin. Wie sich Stadtplanung und Architektur mit dem Groß-Stadt-Menschen und seiner Lebenswelt verbinden, veranschaulicht die Begleitpublikation zur laufenden Ausstellung NEU GROSS GRÜN. Die ebenso reich bebilderten Publikationen zum NEUEN BAUEN (2018) und NEUEN WOHNEN (2020) nehmen die weniger bekannte Architekturmoderne im Berliner Südwesten in den Blick.
Montag, 2. März 2020
Die Zwanziger Jahre auf ARTE
Dienstag, 9. Oktober 2018
Künstler, die auf Bäumen hocken - Ausstellung im Düppeler Forst (noch bis 28. Oktober 2018)
Von Elke Linda Buchholz - Mitten auf dem Waldweg liegt ein Lineal. Ein minimalistischer künstlerischer Eingriff in den Naturraum oder nur ein vergessenes Relikt vom Ausstellungsaufbau? Wer dieser Tage durch den herbstlichen Forst Düppel streift, darf sich auf ungewöhnliche Entdeckungen gefasst machen. "Through a Forest Wilderness" nennt sich die ausgedehnte Frischluftschau, die ihren Besuchern zu festem Schuhwerk rät. Wie Künstler seit den Pioniertagen von Fluxus und Happening den Wald als künstlerisches Terrain eroberten, will sie erkunden. Im Osten überwog dabei oft der Impuls, staatlicher Kontrolle zu entweichen, im Westen eher die Lust an antikommerziellen Ausdruckformen. Also: den Wetterbericht studieren und ab in den Wald! Der Parcours beginnt gleich gegenüber der Kirche Sankt Peter und Paul auf Nikolskoe, die schon seit 1837 einen kulturellen Außenposten im Forstgrün markiert. Die Busanbindung ist sporadisch, aber immerhin vorhanden. Und schon nach wenigen Schritten scheint die urbane Gegenwart weit weg. Äste knacken, Laub raschelt unter den Füßen, die Pfade werden schmaler. Die Sinne schärfen sich. Es riecht nach Herbst. Wald ist immer eine immersive Ganzkörpererfahrung. Jetzt aber hat sich die Natur mit intellektuellem Input aufgeladen. Die Idee dazu hegte Kuratorin Petra Stegmann seit 10 Jahren, sie bereitete ihr Projekt mit einer Indoor-Ausstellung in Potsdam letztes Jahr vor. Nun half die Bundeskulturstiftung, das Thema dorthin zu verpflanzen, wo es hingehört: ins Freie.Sonntag, 23. September 2018
ABC des Reisens - Ausstellung in der Kunstbibliothek
Montag, 27. August 2018
BRECHTS BERLIN - Die Stalinallee (Videotrailer)
Mittwoch, 18. April 2018
Berlinführer in neuen Auflagen
Samstag, 23. Dezember 2017
Benjamin und Brecht - Denken in Extremen
Sonntag, 29. Oktober 2017
Yolla Niclas und Alfred Döblin
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| Bauarbeiter in Berlin, um 1930 Foto: Yolla Niclas (aus dem besprochenen Band) |
Am 24. Februar 1900 wurde Charlotte Niclas in Berlin als Tochter eines jüdischen Kaufmanns geboren, mit 20 lernte sie auf einem Ball den mehr als doppelt so alten verheirateten Arzt und Dichter Alfred Döblin kennen: der Anfang einer für beide ebenso beglückenden wie schmerzhaften Beziehung, da es für Döblin unmöglich war, sich von seiner Frau und den Kindern zu trennen, trotz der seelischen Übereinstimmung, die er im Zusammensein mit der jüngeren Freundin empfand. Etwa um dieselbe Zeit schloss Niclas eine Ausbildung zur Fotografin beim Lette-Verein ab und arbeitete zunächst als Standfotografin beim Film für den innovativen Kameramann Karl Freund. Bald machte sie sich in Berlin selbständig und fand Anerkennung als Porträt- und Werbefotografin. So stellte die Zeitschrift Gebrauchsgrafik ihre Arbeit 1932 auf sechs Seiten vor, und auch im Pariser Exil konnte Niclas bis zum Einmarsch der Deutschen ihren Lebensunterhalt als Fotografin verdienen. Niclas´ Fotos von Berliner und Pariser Alltags- und Straßenszenen lassen ein Interesse am städtischen Alltag erkennen, das sie mit Döblin teilte. Leider ging ihr gesamtes fotgrafisches Frühwerk im Zweiten Weltkrieg fast vollständig verloren, ebenso wie zahllose Briefe, die ihr Döblin geschrieben hat.
Aus dem besetzten Frankreich gelang Yolla Niclas, inzwischen mit einem aus Deutschland geflohenen jüdischen Rechtsanwalt verheiratet, die Flucht in die USA, wo sie ihrer großen Liebe wiederbegegnete. Nach großen Startschwierigkeiten konnte sie in der USA bald wieder als Fotografin reüssieren, empfohlen von dem berühmten Alfred Stieglitz, der ihr Werk als "all fresh and her own" lobte. Niclas´ letzte großen Arbeiten waren Kinderbücher mit anspruchsvollen Fotoerzählungen; sie starb 1977, zwanzig Jahre nach Döblin.
Köhns Publikation in der Reihe "Fotofalle" ist für Döblin-Liebhaber und -Forscher schon deshalb ein Muss, weil hier erstmals Niclas´ eigene Erinnerungen an ihre Freundschaft mit Döblin in Gänze nachzulesen sind; sie hatte das Manuskript noch zu Lebzeiten dem Deutschen Literaturarchiv anvertraut und bis 2005 gesperrt. Der Herausgeber Eckhardt Köhn zieht in seinem detektivischen Essay weitere Quellen und Werke Döblins heran, um dieser unauflösbaren Liebesbeziehung auf die Spur zu kommen. Das Gefühl seelischer Verbundenheit hat den Dichter in seiner naturphilosophischen Annahme bestärkt, es existiere eine geheime Einheit der beseelten Natur; ähnlich hat Yolla Niclas selbst ihre Bindung an Döblin über den Tod hinaus interpretiert. In seinem letzten Brief verabschiedete Döblin sich von ihr mit den Worten: "Ich eine kleine Wolke am Himmel."
Eckhardt Köhn (Hg.)
Yolla Niclas und Alfred Döblin
Fotofalle 3, 140 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Edition Luchs, Lautertal 2017, 24 Euro
ISBN 978-3-00-057707-9
Bestellbar über:
Edition Luchs
An der Teichmühle 15
36369 Lautertal
edition.luchs@gmx.de
Freitag, 2. Juni 2017
Der Mosse-Almanach 2017 I 20 Jahre Mosse-Lectures
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| Das Mosse-Haus an der Jerusalemer, Ecke Schützenstraße. Anzeige von 1928 |
Zum 20. Geburtstag der von Klaus R. Scherpe mitbegründeten Veranstaltungsreihe ist ein von Elisabeth Wagner herausgegebener Almanach erschienen, der mit vielen historischen Quellen die Aktivitäten der Familie Mosse in Berlin beleuchtet: Ihre Topografie umfasst neben den Verlagsstandorten im Zeitungsviertel auch das fürstliche Mosse-Palais am Leipziger Platz und das philanthropische Mosse-Stift in Schmargendorf, sowie das verfallende Schloss Schenkendorf in Brandenburg. Vorgestellt werden Protagonisten des Berliner Tageblatts wie der Kunstkritiker Fritz Stahl, der Theaterkritiker Alfred Kerr, die Gerichtsreporterin Gabriele Tergit. Albrecht Dümling widmet sich dem Einfluss der Familie Mosse auf das Berliner Musikleben, Jost Hermand aus der Perspektive des Kollegen dem Historiker George L. Mosse, der 1997 mit einem Vortrag die Mosse-Lectures eröffnete - das Manuskript, ein Zeitdokument, ist als Faksimile reproduziert. Lisa Trekel und Johanna Hähner stellen die Mosse-Frauen vor.
Michael Bienert und Elke Linda Buchholz schildern das Schicksal der Kunstsammlung Rudolf Mosses, die 1934 versteigert wurde und erst durch spektakuläre Restitutionsfälle in jüngster Zeit wieder ins Bewusstein der Berliner Öffentlichkeit zurückgekehrt ist.
Elisabeth Wagner [Hg.]
MOSSE ALMANACH 2017
Historisches und Aktuelles aus dem Hause Mosse.
20 Jahre MOSSE-LECTURES
an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Verlag Vorwerk 8, Berlin 2017, 272 Seiten, 19 Euro
ISBN 978-3-940384-91-1
Zur Website der Mosse-Lectures
Freitag, 12. Mai 2017
Von der "Zeitungsstadt Berlin" zur Medienmetropole - Buchpremiere im Ullsteinhaus
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| Elektronische Kommunikation gehörte schon 1927 zum Alltag im Ullsteinhaus. |
Nun steht ein rundes Jubiläum ins Haus: 1617, vor vierhundert Jahren erschien die Frischmann-Zeitung, die erste gedruckte Zeitung in Berlin. Doch Feierlaune ist nirgends zu spüren. Das Jubiläum löst bange Fragen aus: Wie lange wird es gedruckte Zeitungen überhaupt noch geben wird und was bedeutet die digitale Revolution für den Journalismus? Der Axel-Springer-Verlag hat Traditionsblätter wie die Berliner Morgenpost und das Hamburger Abendblatt bereits abgestoßen, weil er in ihnen nur noch lästigen Ballast auf dem Weg zum digitalen Medienkonzern sah. Der Medienwissenschaftler Leonard Novy ist überzeugt, dass es in absehbarer Zeit zur Einstellungen weiterer Zeitungstitel in Berlin kommen wird, weil die Gewohnheiten der Medienkonsumenten sich ändern und die ökonomische Basis der Zeitungen schrumpft.
Gestern abend im Ullsteinhaus saß Novy auf einem Podium mit Morgenpost-Chefredakteur Carsten Erdmann und Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner, Brigitte Fehrle moderierte die Diskussion um den Überlebenskampf der Qualitätszeitungen. Die Morgenpost versucht mit der größten Lokalredaktion in Berlin die Leser zu halten, der Tagesspiegel erweitert sein Angebotsspektrum für anspruchsvolle und zahlungskräftige Zielgruppen wie Ärzte und Lobbyisten. Experimentieren, um zu überleben, lautet die gemeinsame Devise.
Dass Qualitätsjournalismus niemals alleine durch den Verkauf toller Artikel an die Leser finanzierbar war, sondern durchs Anzeigengeschäft und den Verkauf weniger anspruchsvoller Produkte mitfinanziert werden musste, kann man aus Peter de Mendelssohns Buch Zeitungsstadt Berlin lernen. Zum 400. Berliner Zeitungsjubiläum wurde das Buch, dessen Autor bereits 1982 starb, neu aufgelegt. De Mendelssohn arbeitete vor 1933 als Journalist in Berlin, nach dem Zweiten Weltkrieg war er als britischer Presseoffizier an der Gründung des Tagesspiegels und der Welt beteiligt. Seine Erzählung vom Aufstieg und Niedergang der Zeitungsstadt Berlin in der NS-Zeit bezieht ihre Anschaulichkeit aus dieser Zeitzeugenschaft und der Vertrautheit mit der journalistischen Praxis. Für die Neuausgabe haben die Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister, Leif Kramp und Stephan Weichert ein 50-seitiges Update unter der Überschrift Von der Zeitungsstadt zur Digitalwirtschaft verfasst, das die jüngsten Entwicklungen resümiert, und siehe da: Im Zeitraffer wird sichtbar, wie quirlig und kreativ die Zeitungsstadt Berlin allen Unkenrufen zum Trotz geblieben ist. Springer hat durch seine Digitalisierungsstrategie den Profit enorm gesteigert, die taz hat sich mit Hilfe eines Genossenschaftsmodells stabilisiert, der Tagesspiegel mit den Mehr Berlin-Seiten und dem Checkpoint-Newsletter erfolgreich neue Formate im Print- und Onlinebereich etabliert. Die FAZ ist mit der Wiederbelebung des Berlin-Feuilletons auf den Berliner Seiten zwar gescheitert, aber sie hat damit Berliner Zeitungsgeschichte geschrieben. Den Namen Zeitungsstadt verdient Berlin vielleicht bald nicht mehr. Als Medienstadt ist die Hauptstadt so bunt, experimentierfreudig und vielstimmig wie in den besten Zeiten.
Peter de Mendelssohn u. a.
Zeitungsstadt Berlin
Menschen und Mächte in der deutschen Presse
Ullstein, Berlin 2017
ISBN-13 9783550081576, 816 Seiten, 42 Euro
Freitag, 21. Oktober 2016
+ultra - eine Ausstellung als "Trainingslager für das Humboldt-Forum"
Von Michael Bienert - "Das ist unser Trainingslager für das Humboldt-Forum", sagt Horst Bredekamp, einer der drei Gründungsintendanten der Kulturinstitution, die das wiederaufgebaute Berliner Schloss bald mit Leben erfüllen soll. Im Martin-Gropius-Bau ist Bredekamp nun mitverantwortlich für die interdisziplinäre Wissenschaftsausstellung +ultra. gestaltung schafft wissen, einer Wunderkammer, die 300.000 Jahre alte Faustkeile mit dem Operationsbesteck von Neurochirurgen, Aufzeichnungen von Charles Darwin und Karl Marx, 3-D-Animationen eines Hundeskeletts in Bewegung mit Videoarbeiten zeitgenössischer Künstler zusammenbringt. Hervorgegangen ist die Ausstellung aus dem Exzellenzcluster "Labor Bild Wissen Gestaltung" der Humboldt-Universität, an dem Wissenschaftler aus 40 Disziplinen mitarbeiten.Radikal grenzüberschreitendes Denken und Forschen liegt dieser Präsentation zugrunde, und es kann einem schon ein bisschen schwindlig werden, wenn Horst Bredekamp erklärt, es gehe letztlich darum, "den aristotelischen Materiebegriff" zu verändern: "Wir gehen von der Aktivität aus!" Tatsächlich ist dieser Denkansatz aber gar nicht so neu, vor 200 Jahren - zu Zeiten der Humboldts - arbeiteten viele Forscher bereits an der Überwindung eines mechanistischen Weltbildes. Sie versuchten wie Hegel die Materie aus der Bewegung des Geistes zu erklären oder gingen wie Goethe von einer beseelten Natur aus: "Kein Menschen will begreifen, dass die höchste und einzige Operation der Natur und Kunst die Gestaltung sei."
Dieses Goethe-Zitat steht als Leitspruch über der ganzen Ausstellung. "Gestaltung" ist der Begriff, der Natur- und Kulturwissenschaften zusammenführen soll, und so werden in der Ausstellung sehr unterschiedliche Natur- und Kulturphänomene von verschiedenen Perspektiven her belichtet: Der Werkzeuggebrauch, der auch in der Tierwelt zu beobachten ist, organisches Denken in der Architektur oder auf Naturbeobachtungen fußende technische Konstruktionen.
In den letzten drei Ausstellungskapiteln geht es um Themen, die durch die Digitalisierung des Alltags besondere Brisanz gewonnen haben: Die Erfassung von Körperdaten, die Wissenschaftler und Künstler schon immer interessiert hat, jetzt aber zu einem Volkssport und Riesengeschäft geworden ist. Die Künstlerin Jennifer Lyn Morton hat auf diese Kommerzialisierung mit der Gründung einer Firma reagiert, die Daten ihrer Aktivitäten vermarktet. Digitale Gesichtserkennung ist ein weiteres Thema, mit dem wir aktuell als Nutzer von Internetplattformen und videoüberwachten Plätzen konfrontiert sind, das aber ähnlich schon die Physiognomen des 18. Jahrhunderts umgetrieben hat. Zuletzt wirft die Ausstellung einen kritischen Blick auf bildgeleitete Handlungen. Bei medizinischen und militärischen Operationen werden Bilder, auf denen Entscheidungen basieren, immer wichtiger, während ein direkter Kontakt mit dem Ziel des Ein- oder Angriffs vermieden wird.
Der Zusammenhang der präsentierten Objekte und Themen erschließt sich nicht immer gleich auf den ersten Blick. Die Aktivität der Ausstellungsbesucher ist gefordert, sie werden Teil der Laborsituation, mit der die Kuratoren Nikola Doll, Horst Bredekamp und Wolfgang Schäffner austesten wollen, mit welchen Mitteln eine Wissenschaftsausstellung heute ihr Publikum am besten erreicht. Der größte Ausstellungsraum ist als "active space" konzipiert, in dem fast täglich Begleitveranstaltungen stattfinden, alles bei freiem Eintritt.
"Die Ausstellung im Humboldt-Forum wird aber ganz anders aussehen", versichert Kuratorin Nikola Doll. Auf ähnlich großer Ausstellungsfläche seien dort jährlich drei wechselnde, kleinere Ausstellungen geplant. Im Martin-Gropius-Bau erkennt man die Richtung, in der es im Humboldt-Forum gehen soll: Vorgeführt wird heutige Wissenschaft als eine Aktivität, die schöpferisch gestaltet, Grenzen überschreitet, Geschichte und Gegenwart zusammenbringt. Darin schwingt ein utopisches Moment mit, das im Universitäts- und Wissenschaftsbetrieb oft unter die Räder kommt. Genau diese Freiheit des Denkens, Experimentierens und Gestaltens ist es jedoch, die den Begriff "Humboldt-Forum" mit Leben füllen könnte.
Bis 8. Januar 2017 im Martin-Gropius-Bau, Eintritt frei.





















