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Mittwoch, 14. Oktober 2020

Das kunstseidene Berlin (2020, Making-of)

 

Mit der Kamera begleitet Leon Buchholz den Autor Michael Bienert in den letzten Tagen vor der Drucklegung seines neuen Buches "Das kunstseidene Berlin". Der Buchgestalter Ralph Gabriel und der Verleger André Förster sprechen über das Besondere der Buchreihe "Literarische Schauplätze", in der bereits Bücher über Erich Kästner, Bertolt Brecht, Alfred Döblin und E. T. A. Hoffmann erschienen sind. Nun folgt der Literaturdetektiv Michael Bienert in "Das kunstseidene Berlin" erstmals einer schreibenden Frau und ihren Figuren durch die Stadt. Neben den Schauplätzen des Romans "Das kunstseidene Mädchen" (1932) kommen viele unbekannte Berliner Orte in den Blick, die im Leben der Schriftstellerin Irmgard Keun (1905-1982) eine Rolle gespielt haben. 

Michael Bienert: Das kunstseidene Berlin. Irmgard Keuns literarische Schauplätze, Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2020, 200 Seiten, 208 Abbildungen, 25 Euro 
 
Das Buch erscheint am 29. Oktober 2020. 
 

Mittwoch, 23. September 2020

Das kunstseidene Berlin. Irmgard Keuns literarische Schauplätze. Buch, Lesung, Stadtführungen

Mit Romanen über junge, selbstbewusste Frauen, die in der Gesellschaft der Weimarer Republik ihren Weg suchen, machte Irmgard Keun im Berlin der Weltwirtschaftskrise Furore. Die Nationalsozialisten verboten ihre Bücher und vertrieben sie ins Exil. Heute zählt Das kunstseidene Mädchen zu den Klassikern der Berlin-Literatur. Mit großem Sprachwitz schildert der Roman die Odyssee der minderjährigen Doris durch Bars und Betten, Mietskasernen und Luxuswohnungen, Kinos und Bahnhofswartesäle.
Michael Bienerts neues Buch Das kunstseidene Berlin stellt erstmals alle Schauplätze mit Fotos, Adressen und Dokumenten vor. In den Blick kommen auch die Kindheitsorte Irmgard Keuns, die in Charlottenburg geboren wurde und in Wilmersdorf zur Schule ging, ehe die Familie nach Köln umzog. Erzählt wird, wie Keun 1931 in Berlin einen Verlag fand, wie sie sich 1933 in einen „nichtarischen“ Charité-Arzt verliebte und versuchte, als unerwünschte Autorin im nationalsozialistischen Deutschland zu überleben. Unbekannte Briefe und Dokumente aus Archiven beleuchten ihre damalige Schreibsituation und ihre Kontakte nach Ost-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Entdeckungsreise auf den Spuren einer herausragenden Autorin der Moderne streift das Berlin der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, der NS-Zeit, der frühen DDR-Jahre – und verliert die Gegenwart nie aus dem Blick. 

Das Buch erscheint Ende Oktober 2020. Weitere Infos und alle Veranstaltungstermine unter http://www.text-der-stadt.de/Das_kunstseidene_Berlin.html

Sonntag, 23. September 2018

ABC des Reisens - Ausstellung in der Kunstbibliothek

Von Elke Linda Buchholz. Reisen kostet. Als Reichstagsarchitekt Paul Wallot 1875 auf Tour ging, notierte er akribisch seine Tagesausgaben in einem Skizzenbuch. Zu Buche schlugen Eisenbahn, Diorama, „Caffé“. Das zerfledderte Büchlein blättert die Kunstbibliothek jetzt auf, nebst einem Sparkassen-Plakat von 1954, das auch Pfennigfuchsern eine Urlaubsreise ans Herz legt: „Sparen ermöglicht die Urlaubsreise.“ Quer durch die Zeiten navigiert die Ausstellung, mit der das Haus seinen 150. Geburtstag feiert. Dröge Chronologien und penible Ordnungsraster bleiben im Staub der Geschichte zurück. Als locker gestricktes „ABC des Reisens“ schlängelt sich der Parcours entlang lexikalischer Stichworte von „A“ wie Album bis „Z“ wie Ziel. Das gibt allen fünf Abteilungen der einst als Vorlagensammlung fürs Kunstgewerbe gegründeten Institution die Chance, mit spannenden und skurrilen Preziosen zu glänzen.

Montag, 27. August 2018

BRECHTS BERLIN - Die Stalinallee (Videotrailer)


Auf einem Spaziergang über die ehemalige Stalinallee 
stellt der Autor Michael Bienert sein neues Buch BRECHTS BERLIN vor,
 das im Oktober 2018 im Verlag für Berlin-Brandenburg erscheint.


Sonntag, 29. Oktober 2017

Yolla Niclas und Alfred Döblin

Bauarbeiter in Berlin, um 1930
Foto: Yolla Niclas (aus dem
besprochenen Band)
Der Frankfurter Literaturwissenschaftler und Fotohistoriker Eckhardt Köhn untersucht in einer Monographie luzide die langjährige Beziehung Alfred Döblins zu seiner Freundin und "Schwesterseele" Yolla Niclas. Dabei kommt sie nicht nur als Anhängsel der literaturwissenschaftlichen Forschung, sondern als eigenständige Künstlerpersönlichkeit zu ihrem Recht.

Am 24. Februar 1900 wurde Charlotte Niclas in Berlin als Tochter eines jüdischen Kaufmanns geboren, mit 20 lernte sie auf einem Ball den mehr als doppelt so alten verheirateten Arzt und Dichter Alfred Döblin kennen: der Anfang einer für beide ebenso beglückenden wie schmerzhaften Beziehung, da es für Döblin unmöglich war, sich von seiner Frau und den Kindern zu trennen, trotz der seelischen Übereinstimmung, die er im Zusammensein mit der jüngeren Freundin empfand. Etwa um dieselbe Zeit schloss Niclas eine Ausbildung zur Fotografin beim Lette-Verein ab und arbeitete zunächst als Standfotografin beim Film für den innovativen Kameramann Karl Freund. Bald machte sie sich in Berlin selbständig und fand Anerkennung als Porträt- und Werbefotografin. So stellte die Zeitschrift Gebrauchsgrafik ihre Arbeit 1932 auf sechs Seiten vor, und auch im Pariser Exil konnte Niclas bis zum Einmarsch der Deutschen ihren Lebensunterhalt als Fotografin verdienen. Niclas´ Fotos von Berliner und Pariser Alltags- und Straßenszenen lassen ein Interesse am städtischen Alltag erkennen, das sie mit Döblin teilte. Leider ging ihr gesamtes fotgrafisches Frühwerk im Zweiten Weltkrieg fast vollständig verloren, ebenso wie zahllose Briefe, die ihr Döblin geschrieben hat.
Aus dem besetzten Frankreich gelang Yolla Niclas, inzwischen mit einem aus Deutschland geflohenen jüdischen Rechtsanwalt verheiratet, die Flucht in die USA, wo sie ihrer großen Liebe wiederbegegnete. Nach großen Startschwierigkeiten konnte sie in der USA bald wieder als Fotografin reüssieren, empfohlen von dem berühmten Alfred Stieglitz, der ihr Werk als "all fresh and her own" lobte. Niclas´ letzte großen Arbeiten waren Kinderbücher mit anspruchsvollen Fotoerzählungen; sie starb 1977, zwanzig Jahre nach Döblin.
Köhns Publikation in der Reihe "Fotofalle" ist für Döblin-Liebhaber und -Forscher schon deshalb ein Muss, weil hier erstmals Niclas´ eigene Erinnerungen an ihre Freundschaft mit Döblin in Gänze nachzulesen sind; sie hatte das Manuskript noch zu Lebzeiten dem Deutschen Literaturarchiv anvertraut und bis 2005 gesperrt. Der Herausgeber Eckhardt Köhn zieht in seinem detektivischen Essay weitere Quellen und Werke Döblins heran, um dieser unauflösbaren Liebesbeziehung auf die Spur zu kommen. Das Gefühl seelischer Verbundenheit hat den Dichter in seiner naturphilosophischen Annahme bestärkt, es existiere eine geheime Einheit der beseelten Natur; ähnlich hat Yolla Niclas selbst ihre Bindung an Döblin über den Tod hinaus interpretiert. In seinem letzten Brief verabschiedete Döblin sich von ihr mit den Worten: "Ich eine kleine Wolke am Himmel."

Eckhardt Köhn (Hg.)
Yolla Niclas und Alfred Döblin
Fotofalle 3, 140 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Edition Luchs, Lautertal 2017, 24 Euro
ISBN  978-3-00-057707-9

Bestellbar über:
Edition Luchs
An der Teichmühle 15
36369 Lautertal
edition.luchs@gmx.de

Mittwoch, 17. Mai 2017

Harry Croners Berlin - Zwei Bildbände aus dem Verlag M

Der Dönhoffplatz 1937
Foto von Harry Croner
Von Michael Bienert - Am 23. März 1935 sprach der erste nationalsozialistische Bürgermeister des Bezirks Mitte, Wilhelm Lach, auf einer öffentlichen Sitzung des Vereins über die geschichtliche Sendung der Berliner Innenstadt. Er erklärte es für unmöglich, dass statt der Straße unter den Linden der Kurfürstendamm - wie in der Weimarer Republik - die Lebensnote angebe. Nach seiner Ansicht konnte das nur geschehen „unter einer marxistisch-liberalistischen Verwaltung, die ohne Verständnis für die Traditionen, nicht erkannte, dass die Innenstadt der substantiell wertvollste Teil von Berlin ist und bleiben muss." Der 1901 geborene Lach wurde wenige Monate später Opfer eines Verkehrsunfalls.
Diese Information stammt von der Website des Vereins für die Geschichte Berlins. Sie wirft ein Licht auf ein Foto, das in einem neuen Bildband des Verlags M, des Hausverlages des Stadtmuseums, abgedruckt ist. Zu sehen ist dort eine Parkanlage auf dem Dönhoffplatz, in der Mitte steht ein Glockenturm mit weithin sichtbaren Uhrenziffernblättern, erst bei sehr genauem Hinsehen erkennt man das Hakenkreuz am Sockel. Die Bildlegende im Fotobuch lautet: "In der Weimarer Republik wurde der Platz zunehmend als Erholungsraum an einer der beliebtesten Einkaufsmeilen Berlin, der Leipziger Straße, wahrgenommen. Seit 1935 befand sich in der Mitte des Platzes ein Glockenturm mit Lebensuhr. Alle fünf Minuten ertönte ein Kinderlied zum Zeichen der Geburt eines Menschen in Deutschland, alle sieben Minuten spielten die Glocken einen Choral für einen Sterbenden."
Wer Wilhelm Lach war, erfahre ich nicht aus dem Buch. Dass dieser Glockenturm etwas mit der Naziideologie zu tun haben könnte, dass hier ein öffentlicher Platz zu einem Propagandainstrument für die Geburtensteigerung des deutschen Volkes gemacht wurde, muss ich mir zusammenreimen.
Historische Fotografien zusammenzustellen und zu kommentieren, ist eben auch eine Kunst. Bei dem Band Berlin 1937/1947 mit Fotos von Harry Croner besteht der Kunstgriff der Herausgeberinnen Angelika Ret, Bärbel Reißmann und Bettina Machner darin, Fotos von der scheinbar heilen Welt im Berlin der nationalsozialistischen Vorkriegszeit mit Fotos der kaputten Stadt nach dem Bombenkrieg zu kombinieren. Auf den ersten Blick wirkt es politisch korrekt und eindrucksvoll, auf den zweiten Blick melden sich Zweifel: Reicht es, die Bilder von 1937 als Beleg dafür heranzuziehen, dass die Nationalsozialisten damals fest im Sattel saßen und ein großer Teil der Bevölkerung glaubte, Hitlers Deutschland-zuerst-Politik habe alle Probleme gelöst? Aussagekräftiger wäre es vielleicht gewesen, die Bilder mit Aufnahmen von 1927 zu kontrastieren, um zu begreifen, wie das Stadtbild von den Nazis brutal aufgeräumt und mit einem NS-Bildprogramm überzogen wurde.
Der junge Fotograf Harry Croner hatte - jedenfalls suggeriert das die Auswahl - noch nicht die Kraft, sich mit der Kamera gegen die Stadtbildpolitik der Nazis zu wehren. Die im Buch veröffentlichten Fotos zeigen eine scheinbar intakte Metropole. Die Bildkommentare lassen daran auch wenig Zweifel aufkommen, während das Vorwort des Historikers Götz Aly immerhin das sich im Hintergrund zusammenballende Unheil reflektiert. Von weit höherem dokumentarischem Wert als seine Bilder von 1937 sind Croners Fotoserien aus dem zerstörten Berlin. Nach dem Krieg war Croner ein fleißiger Pressefotograf, bis Ende der 1980er Jahre hat er viel Kulturprominenz, Theater und Kabarett abgelichtet, hat den Glamour West-Berlin in Schwarz-Weiß-Aufnahmen festgehalten, die  Optimismus und gute Laune ausstrahlen: zu besichtigen in dem bereits 2014 erschienenen Fotoband Bühne West-Berlin. 1989, zwei Jahre vor Croners Tod, erwarb das Berlin Museum sein 1,3 Millionen Fotos und andere Dokumente umfassendes Archiv. Für ein stadthistorisches Museum mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Theatergeschichte ist es ein großes Glück, aus so einem Fundus schöpfen zu können. Ich frage mich beim Durchblättern der beiden Bildbände, ob es in einem Fotoarchiv dieser Größe nicht nicht doch mehr Bilder zu entdecken gäbe, die Berlin aus einer unüblicheren Perspektive zeigen.

Berlin 1937/1947
Fotografien von Harry Croner
Herausgegeben von: Angelika Ret, Bärbel Reißmann, Bettina Macher
Edition Stadtmuseum Berlin 2017,
152 Seiten, 132 Abbildungen, 19,90 €




Bühne West-Berlin
Fotografien von Harry Croner aus vier Jahrzehnten
Herausgegeben von Peter Schwirkmann, Bettina Machner, Bärbel Reißmann und Angelika Ret Edition Stadtmuseum Berlin 2014
288 Seiten, 282 Abbildungen, 29,90 €

Zur Verlagswebsite

Samstag, 4. März 2017

Im Herbst 2017 erscheint "Döblins Berlin. Literarische Schauplätze" von Michael Bienert

Berlin sei Benzin, schrieb Alfred Döblin, und der „Mutterboden aller meiner Gedanken.“ Von der Gründerzeit bis zur Vertreibung durch die Nazis war der Schriftsteller und Nervenarzt rund 40 Jahre lang Augenzeuge des Aufstiegs Berlins zur Metropole, hat das Stadtleben reflektiert, kommentiert und mitgestaltet. Der Streifzug durch Döblins Werke und seine Stadt führt zum Alexanderplatz, ins Scheunenviertel, ins Berliner Rathaus, in Krankenhäuser und ins Gefängnis, bis hinter die Vogesen und ins 26. Jahrhundert. Die Schauplätze des Romans Berlin Alexanderplatz bilden den roten Faden, denn seit 25 Jahren leitet Michael Bienert Stadtspaziergänge auf den Spuren des Romanhelden Franz Biberkopf. Das Buch erscheint im Herbst 2017 bei vbb - verlag für berlin-brandenburg.

Mittwoch, 8. Juni 2016

So schön ist Harakiri - Wiedereröffnung des Georg-Kolbe-Museums mit dem Hanako-Zyklus von Rodin

Hanako-Porträts von Auguste Rodin
Fotos: Michael Bienert
Von Michael Bienert - Sie war eine Sensation in der Berliner Kaiserpassage, Friedrichstraße Ecke Unter den Linden. „Madame Hanako wird erdolcht und kann nun mit allen Finessen zeigen, wie große japanische Künstlerinnen auf der Bühne zu sterben verstehen. Unsagbar realistisch und doch wahrhaft ergreifend, mit grausamer Eindringlichkeit nach der Natur gezeichnet“, schwärmte 1908 die „Sport im Bild“. Japans größte Tragödin lockte die Touristen an, im Passage-Theater, das unter einem Dach mit Nippesläden, exotischen Völkerschauen, Panoptikum und Kaiserpanorama residierte. 
Was die Berliner für authentische, weil reichlich fremdartige Schauspielkunst hielten, war tatsächlich ein interkulturelles Missverständnis: Im japanischen Kabuki-Theater wurden Hanakos Paraderollen üblicherweise von Männern gespielt. Insbesondere das Harakiri, der rituelle Selbstmord durch Bauchaufschneiden, war traditionell der obersten Schicht der Samurai-Krieger vorbehalten. Japanische Theaterleute mochten sich eine Frau in so einer Rolle gar nicht erst vorstellen. Nur in Europa und Amerika wurde die puppenhafte Hanako um 1910 zum Star. Sie gehörte zur Riege der Tänzerinnen, die schon vor dem Ersten Weltkrieg ihre von Korsetts und Konventionen befreiten Körper auf den westlichen Bühnen präsentierten. Jetzt bekommt die kleine Tänzerin noch einmal einen großen Auftritt in Berlin. In der Ausstellung „Auguste Rodin und Madame Hanako“ zur Wiedereröffnung des Georg-Kolbe-Museums. Weiterlesen im TAGESSPIEGEL

Samstag, 30. Januar 2016

Ulrich Wüst bei C/O Berlin - ab 5. Februar 2016

"Stadtbilder / Spätsommer / Randlagen" - unter diesem Titel zeigt die Fotogalerie C/O Berlin ab kommenden Freitag 130 Arbeiten des Berliner Fotografen Ulrich Wüst. Menschenleere Architektur, Gegenstände des alltäglichen Lebens, eine Frau und zwei Männer mit Koffern und Taschen, die aufs offene Meer schauen: Mit analytisch-puristischem Blick erzählt Ulrich Wüst in schwarz-weißen Bilderzyklen sein persönliches Erleben vor, in und nach der Wendezeit und liefert damit zugleich visuelle Kommentare zu einem signifikanten Kapitel deutscher Geschichte. Der 1949 im Magdeburg geborene Fotograf folgt einem durchdachten Bildprinzip zwischen vermeintlicher Objektivität und subjektiv-subversiver Detailgenauigkeit. Die in Inhalt und Größe intimen Fotografien präsentiert Ulrich Wüst als Einzelbilder an der Wand oder als Bildsequenz in handgefertigten Leporellos. Sein Werk wird heute im Kontext von renommierten amerikanischen Fotografen wie Lewis Baltz, Ed Ruscha oder Stephen Shore gelesen. Zur Ausstellung, die von Katia Reich und Felix Hoffmann kuratiert wurde, erscheint eine Publikation im Kehrer Verlag. Eröffnung der Ausstellung am 5. 2. 2016 um 19 Uhr im Amerika-Haus am Bahnhof Zoo.

Zur Homepage von Ulrich Wüst
Zur Homepage von C/O Berlin

Donnerstag, 1. Januar 2015

Irgendwie geht es immer weiter...

... auch wenn Berlin sich nicht so anheimelnd anfühlen will. Das Silvesterfoto aus Pankow mit den bunten Lichtern auf der schneenassen Friedrich-Engels-Straße stammt von unserem Hausfotografen Leon Buchholz. In diesem Sinne: Alles Gute für 2015!

Dienstag, 25. November 2014

RealSurreal - Fotoausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg

Von Elke Linda Buchholz. Real – surreal – völlig egal?! Das Wolfsburger Kunstmuseum zeigt Fotografie des Neuen Sehens der 20er und 30er Jahre, die damals Avantgarde war und heute Klassikerstatus hat. Fast alles, was Rang und Namen hat aus der damaligen Fotoszene, ist in der Ausstellung vertreten: Albert Renger-Patzsch, Yva, Herbert List, Aenne Biermann, Herbert Bayer, Grete Stern, Alfred Ehrhardt, Dora Maar, Man Ray, André Kertesz, Karel Teige und viele mehr. Zudem hat der Münchener Sammler Dietmar Siegert allerlei unbekanntere Fotografen aus seinen Mappen und Schränken mitgebracht, und sie zu entdecken macht besonderes Vergnügen. Der ehemalige Filmproduzent, der einst rum die Welt Dokumentarfilme realisierte, begann sich schon früh für die Fotokunst zu begeistern. So konnte er von erschwinglichen Preisen auf dem Markt profitieren, bevor die Schätzwerte in die Höhe schossen. Vor allem die ganz frühen Aufnahmen der Fotopioniere aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten es ihm angetan, wie Siegert zur Ausstellungseröffnung erzählt. Seine raren Schätze zur deutschen Lichtbildkunst bis 1890 hat er vor kurzem in die Obhut des Münchener Stadtmuseum gegeben. Für die Italienmotive interessierte sich dann auf einmal sogar die Neue Pinakothek. In deren Ausstellungssälen dürfen die historischen Aufnahmen italienischer Hotspots künftig kongenial die gemalten Ansichten aus dem Land, wo die Zitronen blühen, ergänzen. Dass Siegert eher nebenbei vor einigen Jahrzehnten begann, auch Fotokunst der Zwanziger Jahre zu sammeln, wird erst jetzt öffentlich sichtbar. Nur Einzelstücke hat der Sammler bislang, etwa in der Berliner Sammlung Scharf-Gerstenberg, als Leihgaben gezeigt. Wie umfangreich und facettenreich er den Sammlungsbereich des "Neuen Sehens" arrondierte, zeigt jetzt die Wolfsburger Schau (bis zum 6. April 2015). Und damit stellt sich zugleich die Frage: In welchem Museum wird dieser hochkarätige Bestand wohl einmal seine Bleibe finden? Denn museale Qualitäten hat das Konvolut, von dem jetzt eine Auswahl ans Licht kommt. Weiterlesen

Freitag, 26. September 2014

Thomas Mann und die Bildende Kunst in Lübeck

Hier gehts zur Kunst: Thomas Mann ganz in Rosa
im Lübecker Buddenbrookhaus - Foto: Bienert
Von Michael Bienert - Die Bildende Kunst spielte in Thomas Manns Leben und für sein Werk eher eine Nebenrolle. Er hat das selbst so gesehen, sich keineswegs für einen großen Kunstkenner ausgegeben, und diese nüchterne Selbsteinschätzung wird auch nicht durch die große Ausstellung revidiert, mit der seine Heimatstadt Lübeck derzeit um Aufmerksamkeit wirbt. Dennoch ist es oft erhellend, ein prächtig möbliertes Haus durch einen Neben-, statt den Haupteingang zu betreten. Größe und Grenzen der Schriftstellers Thomas Mann werden auch in seinem Verhältnis zur Malerei, Plastik und Fotografie sichtbar.

Visuelle Eindrücke konnten einen kreativen Schub auslösen, so wie 1922 der Besuch einer Ausstellung, in der Thomas Mann den Bildzyklus „Joseph in Ägyptenland“ von Hermann Ebers – eines Jugendfreundes seiner Frau – sah. Das war die Initialzündung für das große Erzählprojekt „Joseph und seine Brüder“. Im Gegenzug erhielt der Künstler Hermann Ebers 1925 den Auftrag, die Novelle „Unordnung und frühes Leid“ zu illustrieren. Doch seine Lithografien wurden nicht gedruckt. In ihnen sei „das Element des Harmlosen und Bürgerlichen auf Kosten und zu ungunsten des Schlimmen und Unbürgerlichen in irreführender, stilistisch fehlerhafter Weise überbetont“, teilte der Autor dem befreundeten Künstler mit. Wohl auch auf Druck des Verlags, wo die rein illustrativen und etwas biedermeierlichen Familienszenen auf wenig Gegenliebe stießen. Sie sind in der Ausstellung zu sehen. Es war dann Aufgabe des geschmackssicheren Illustrators Karl Walser, die Umschläge für die Novelle und für die Josephsromane zu zeichnen.

Freitag, 20. Juni 2014

Stadt hinter Glas

Copyright: Simone Fischer
"Nebel, Dunst, Sonne, Regen und Dämmerung, das sind die Mächte, die im unendlichen Wechsel die großen Steinnester mit immer neuem Formenglanz umkleiden, ihre Formen verschmelzen, sie geschlossener, ja monumental machen; die aus den ärmlichsten Haufen, den trostlosesten Gegenden eine Welt farbiger Wunder aufbauen", schrieb August Endell vor dem Ersten Weltkrieg über "Die Schönheit der großen Stadt". Der Fotografin und Buchgestalterin Simone Fischer genügt dazu eine zerkratzte Fensterscheibe in der Buslinie M 27. Ihre Fotoserie ist noch bis 20. Juli als Teil der Gruppenausstellung »Landschaft im Dekolleté – Fenster als Element und Metapher« zu sehen. Weitere Informationen und Fotos auf ihrer Website www.salon-visuell.de

Sonntag, 15. Dezember 2013

Friedenauer Nachkriegszeit im Wendebuch

Bewohnern des Berliner Südwestens, die noch auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Buchgeschenk zu Weihnachten sind, empfehlen wir das neue Buch des Verlags Friedenauer Brücke - genauer gesagt handelt es sich um zwei Bücher in einem Einband, also um ein (buchtechnisch gesprochen) Wendebuch. Es hat keine Rückseite, dafür zwei Frontcover mit verschiedenen Titeln. Zwischen den Buchdeckeln befinden sich zwei Buchblöcke des gleichen Formats, aber aus unterschiedlichen Papiersorten für einen Bild- und einen Textband. Der Bildband heißt Entlang der Rheinstraße 1945-1963 und enthält eine Fotodokumentation, die jeden faszinieren dürfte, der öfter auf dieser vielbefahrenen Verkehrsachse zwischen Innsbrucker und Walther-Schreiber-Platz unterwegs ist. Kaum zu glauben, wie ruinös es rund um das Friedenauer Rathaus nach dem Weltkrieg aussah! Als 1963 beim Besuch des US-Präsidenten John F. Kennedy dessen Wagenkolonne durch das Menschenspalier entlang der Rheinstraße fuhr, waren an vielen Stellen die Kriegsverluste noch sichtbar und die Straßenmitte für die Straßenbahn reserviert. - Die andere Hälfte des Buchblocks füllen Erinnerungen von Friedenauern an die Zeit von 1945 bis 1963, es handelt sich um die Fortsetzung der drei hervorragend recherchierten Friedenau-Lesebücher über den Zeitraum von 1871 bis 1945, die in den letzten Jahren bereits im selben Verlag erschienen sind. Erneut ist Hermann Ebling und Evelyn Weissberg ein außergewöhnliches Buch der Erinnerungen gelungen, wie man es sich auch für andere Kieze in Berlin wünscht.

Entlang der Rheinstraße 1945–1963
Friedenau erzählt 1945–1963 
Herausgegeben von Hermann Ebling und Evelyn Weissberg 
Hardcover, Format 22 x 22 cm, 316 Seiten, mit mehr als 250 Abbildungen in Duoton und über 50 Geschichten 
ISBN: 978-3-9816130-0-1 
39,00 €

Bestellung beim Verlag

Mittwoch, 20. November 2013

Reichsforschungssiedlung Haselhorst in der "taz" - und morgen in der Weihnachtskirche

Eine ganze Zeitungsseite widmet der Berlin-Teil der "taz" heute dem neuen Buch von Michael Bienert über Moderne Baukunst in Haselhorst. Es stellt Entstehung, Geschichte, Bewohner und Sanierung der ehemaligen Reichsforschungssiedlung erstmals im Zusammenhang dar: Es handelte sich um das größte und letzte Wohnungsbauprojekt der Weimarer Republik in Berlin. Morgen um 18 Uhr findet die Buchpremiere in der Weihnachtskirche am Haselhorster Damm 54 statt. Eintritt frei, Anmeldung erbeten unter s.mager@gewobag.de.

Der "taz"-Artikel ist jetzt auch online, eine weitere ausführliche Besprechung des Buches mit vielen Bildern finden Sie hier.

Nachtrag: Ab 13. September 2014 ist eine Museumswohnung in Haselhorst zu besichtigen. Mehr unter  http://www.gewobag.de/museumswohnung-1287.html

Donnerstag, 18. April 2013

Soeben erschienen: Potsdamer Platz - Am Puls von Berlin

Heute kam es aus der Druckerei: Unser Buch über den Potsdamer Platz enthält Texte in sechs Sprachen, so wünschte es der Berlin Story Verlag. Wir haben die Konsequenz daraus gezogen und ein Buch verfasst, in dem die Geschichte hauptsächlich durch die Bilder erzählt wird, also in einer Sprache, die keiner Übersetzung bedarf. Beim Potsdamer Platz geht das, es gibt kaum einen Ort in Berlin, der seit Mitte des 19. Jahrhunderts so oft und lückenlos fotografiert worden ist. Viele Fotos werden hier erstmals veröffentlicht.

Zur Verlagsankündigung


Mittwoch, 17. April 2013

Mit der Kamera durchs Nachkriegsberlin

Überall stehen noch Ruinen herum, als der Fotografiestudent Ernst Hahn 1950 und 1951 die Stadt Berlin mit seiner Rolleiflex durchstreift. Der Tiergarten ist fast baumlos, er fotografiert die Reste des Hotels Adlon und der Akademie der Künste am Pariser Platz, die versehrte Kuppel des Stadtschlosses vor der Sprengung. Dazwischen Verkaufsbuden, Menschen und Propaganda: "Deutsche Jungen und Mädel, die Hauptstadt Deutschlands erwartet euch!" steht in großen weißen Buchstaben auf dem Brandenburger Tor. Berlin aus der Fußgängerperspektive: Am Kurfürstendamm hält sich der junge Mann unauffällig die Kamera vor den Bauch, um die Passanten zu fotografieren. Die Schwarzweißbilder von Ernst Hahn ziehen den Betrachter unwiderstehlich in dieses fremde, verschollene Berlin hinein. Jahrzehntelang lagerten die Negative vergessen von ihrem Schöpfer in einer Blechdose, jetzt haben Evelyn Weissberg und Hermann Ebling in ihrem Verlag Friedenauer Brücke ein wunderschönes, sorgfältig komponiertes und kommentiertes Berlinbilderbuch aus dem Überraschungsfund gemacht. Die Bilder sprechen für sich, die Texte erlauben eine zweite Lektüre der Fotos mit profundem Hintergrundwissen über die Zeitumstände und Verortung der Bildmotive. Ein tolles Berlinbuch, besser hätte man diesen Schatz gar nicht präsentieren können.

Ernst Hahn: Berlin um 1950, Hardcover, 216 S., 280 Abb., Edition Friedenauer Brücke, 39 Euro. Direkt zu bestellen beim Verlag Friedenauer Brücke.

Samstag, 8. September 2012

Ein neues Buch über die Glanzzeit der Friedrichstraße

Harald Neckelmann:
Friedrichstraße Berlin.
Berlin Story Verlag, 19,80 EUR
Es gibt kaum noch ein Nachtleben auf der Friedrichstraße. In der Kaiserzeit und den Zwanziger Jahren war das anders, da strömten die Touristen und Einheimische aus der ganzen Stadt in die Amüsierlokale und Theater rund um den Bahnhof Friedrichstraße - nur der Admiralspalast erinnert noch daran. Weibliche und männliche Prostituierte bevölkerten die Straße und später in der Nacht verwandelte sich die Gegend mit "hin und her schaukelnden Droschken und Automobilen in ein einziges saftiges Beilager", so zitiert Harald Neckelmann den Dramatiker Carl Sternheim. Neckelmanns neues Buch ist ein Spaziergang in (ausführlich kommentierten) Fotografien durch die Friedrichstraße, wie sie vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aussah, einmal die 3,3 Kilometer rauf und wieder runter zwischen Halleschem und Oranienburger Tor. Weiterlesen

Freitag, 13. Juli 2012

Und tschüss!

Hinter der katholischen Kirche, 2012.
Foto: Michael Bienert
Mit diesem stimmungsvollen Berlin-Bild verabschiedet sich der Webmaster in die Ferien! Wir wünschen schöne Sommertage, wo auch immer!