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Dienstag, 1. April 2014

SCHLOSS BAU MEISTER - Andreas Schlüter im Bode-Museum

Kriegerkopf von Andreas Schlüter. Entwurf für den
Bauschmuck am Zeughaus
Mit Superlativen wird bei der Werbung für die große Andreas-Schlüter-Ausstellung unter dem Titel SCHLOSS BAU MEISTER im Bodemuseum nicht gegeizt. Vom "Michelangelo des Nordens" ist gebetsmühlenartig die Rede, vom bedeutendsten Künstler um 1700 nördlich der Alpen, von dem Mann, der das verschlafene Berlin binnen 20 Jahren in eine grandiose Barockresidenz umgeschaffen habe. Tatsächlich dürfte die Stadt damals vor allem eine wüste Baustelle gewesen sein, der Schlossplatz ähnlich ungemütlich ausgesehen haben wie dieser Tage, wo der Betonkern der Schlosskopie langsam über das zweite Stockwerk hinauswächst. Als Schlüters Auftraggeber, der erste preußische König Friedrich I., 1613 starb, da war ganz schnell Schluss mit der barocken Prachtentfaltung und mit der Hochschätzung des Staatsdekorateurs Schlüters - denn die Staatskasse war leer. Ein paar Schritte von Schlossneubau haben die Staatlichen Museen nun einen roten Teppich ausgerollt, auf dem die Besucher des Bode-Museums zur großen Schlüter-Ausstellung wandeln: Vorbei an seinem Reiterdenkmal für den Großen Kurfürsten und den Dachskulpturen der zerstörten Villa Kamecke in der Dorotheenstraße, durch die Basilika und aufwärts in den ersten Stock des Museums, das fast komplett für die Sonderschau freigeräumt wurde. Zu sehen sind sehr viele Schlüter-Relikte aus den Depots - Gipsreliefs, Fragmente von Skulpturen, Fassaden- und Raumdekorationen -, oft im Vergleich mit ähnlichen Werken zeitgenössischer Künstler. Man kann etwa sehr genau studieren, welche Vorbilder Schlüter für sein Reiterdenkmal des Kurfürsten hatte, wie er die Aufgabe gestalterisch löste, wie das Denkmal ursprünglich zu seiner Schlossfassade stand - und welch eine technische Meisterleistung es war, so einen riesigen Bronzeguss zustande zu bringen.

Die Schlossbaustelle im März 2014. Rechts der
Rohbau, in der Mitte die Humboldt-Box
Die einzelnen Ausstellungssäle verweisen vielfach auf Werke, die fußläufig in der Stadt zu erreichen sind, wie die Schlusssteine der Erdgeschossfenster des Zeughauses, die Sarkophage Friedrichs I. und seiner Königin Sophie Charlotte im Dom, die Kanzel der Marienkirche, die zerstörte "Alte Post" an der Langen Brücke und - als Höhepunkt und Hauptwerk - auf das barocke Berliner Schloss mit seinen überwältigenden Innendekorationen. Das alles ist opulent und großzügig inszeniert. Die Schlüterschen Figuren sind von bestechender Schönheit und barockem Schwung, trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass es bei dieser Ausstellung nicht so sehr um die Ehrung des vor 400 Jahren verstorbenen Meisters geht, sondern vor allem um Überzeugungsarbeit zugunsten der umstrittenen Schlossrekonstruktion. Sei´s drum, wer es barock mag, kommt bei dieser Leistungsschau preußischen Prunks um 1700 gewiss auf seine Kosten.

Die Ausstellung ist von 4. April bis 13. Juli 2014 geöffnet, weitere Informationen auf der Ausstellungswebsite.

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